Land verkündet Lösung für langjähriges Problem – vor Ort behält die Skepsis Oberhand

Wasserrettung gesichert?

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"Christa" in der Garage der Burger Feuerwehr: Das Schlauchboot wurde für Rettungseinsätze genutzt, allerdings ohne ausreichende Spezifikationen.

Fehmarn – mb – Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) soll zukünftig neben der Seenotrettung auch die Koordinierung zur Wasserrettung an der Nord- und Ostseeküste Schleswig-Holsteins in nichtkommunalen Gewässern übernehmen. Eine entsprechende Einigung verkündete unlängst das Innenministerium. Sofern im Notfall keine DGzRS-Einheiten zur Verfügung stünden oder andere Organisationen wie die DLRG oder Feuerwehren schneller verfügbar seien, würden diese im Rahmen der Amtshilfe hinzugezogen. Eine seit Jahren offene Frage sei damit geklärt, heißt es aus dem Ministerium.

Während Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) von einer „pragmatischen Lösung für das lange währende Problem“ spricht, ist vor Ort aber im Prinzip noch nichts geregelt. „Das Land hatte uns die Wasserrettung aufgrund des Brandschutzgesetzes entzogen, dann aber schnell festgestellt, dass keiner mehr aufs Wasser geht“, erinnert Fehmarns Gemeindewehrführer Volker Delfskamp. Durch ein Amtshilfegesuch des Landes könnten die Feuerwehren vorübergehend wieder auf die Ostsee, so Delfskamp, bis ein entsprechender Rahmenvertrag zwischen Bund und DGzRS geschlossen sei.

Konkret beschreibt das Ministerium das zukünftige Prozedere so: Die DGzRS werde mit eigenen Einheiten die Wasserrettung übernehmen. „Sollten kurzfristig keine ihrer Boote in der Nähe oder andere Einheiten schneller vor Ort sein, wird die Seenotleitung Bremen als Rettungsleitstelle See im Rahmen der Amtshilfe andere Organisationen beauftragen und diese über die zuständige Landrettungsleitstellen organisieren lassen.“ Heißt das auch, wer zuerst helfen kann, wird tätig? Delfskamp und auch Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber bleiben skeptisch. „Das ist noch zu schwammig, dafür, dass es eventuell um Leben und Tod geht“, so Weber, der wie Delfskamp – „das kann nur eine Behörde bei einer anderen stellen“ – mit der Formulierung Amtshilfe hadert. „Ob die Feuerwehren das zudem zusätzlich leisten können, weiß ich nicht“, so der Gemeindewehrführer, der auch sagt: „So richtig ausgegoren ist das noch nicht.“ So müsse das Land dem Rahmenvertrag zunächst zustimmen und dann auf die Kommunen zugehen, um die Materiallage und die Personalfrage abzuklären, erklärt Delfskamp. Und genau an der Stelle wird es problematisch: Bootsführerscheine und spezielle Ausbildung für die Kameraden und nicht zuletzt ein ostseetaugliches Boot müssten dann vorhanden sein. „Die Stadtvertretung muss dann eine Entscheidung treffen“, sagt Delfskamp mit Blick auf die 75 Kilometer lange Küstenlinie Fehmarns und die vielen Wassersportler.

Zwar haben die Wehren in der Region, ob Heiligenhafen oder Großenbrode, Rettungsboote (RTB-1), aber die sind offiziell nicht ostseetauglich, sondern nur für Binnengewässer geeignet. Für die Ostsee braucht es ein RTB-2. Fehmarn, stationiert in Burg, wird in den nächsten Wochen ein RTB-1 erhalten. Das Schlauchboot „Christa“, ein Notnagel mit fünf PS und nicht mehr ganz so fit, erfüllt derweil nicht mal die Voraussetzungen eines RTB-1. „Das wurde vor Jahren für die Eisrettung angeschafft“, sagt Dirk Westphal, Wehrführer in Burg. Er hofft inständig auf eine verlässliche Lösung, denn momentan gebe es von der Stadt Fehmarn keinen Auftrag für die Rettung auf See. „ Wir wollen nicht alarmiert werden, um dann vom Strand aus zuzugucken“, gab Westphal zu bedenken.

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