Bannesdorf: Führungskrise eskaliert / Bürgermeister erhält Rücktrittsgesuch zum 31. März

Wehrführung will zurücktreten

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Letzter Ausweg? Bei einer Infoveranstaltung der Bannesdorfer Feuerwehr am Donnerstag informierte Wehrführer Andreas Schacht über den Rücktritt des gesamten Vorstandes zum 31. März.

FEHMARN – Von Manuel Büchner Wir erinnern uns: Vor zwei Jahren legte Rolf Möller sein Amt als Ortswehrführer in Bannesdorf vorzeitig nieder. Ein Nachfolger musste mangels Bewerber bestellt werden: Andreas Schacht. Seitdem konnten Gemeindewehr und Stadtverwaltung auf der einen Seite und Ortswehr auf der anderen Seite für das Personalproblem keine einvernehmliche Lösung finden.

Das wurde zuletzt auf der Jahreshauptversammlung im Januar deutlich, als mit Tobias Domke zwar ein Kandidat seitens der Wehr vorgeschlagen, dieser aber von Bürgermeister Jörg Weber (SPD) und Gemeindewehr abgelehnt wurde, da er nicht im Ausrückbezirk wohnhaft sei – knapp 400 Meter fehlen am festgelegten Vier-Kilometer-Radius. Den Wahlvorschlag zog die Wehr jedoch nicht zurück.

Eine bisher unbefriedigende Situation für beide Seiten könnte zum 31. März vollends eskalieren. Auf einer Infoveranstaltung am Donnerstagabend im Feuerwehrgerätehaus der Ortswehr verkündete Schacht seinen Rücktritt samt seiner drei Stellvertreter – Florian Nietmann, Tobias Herburg und Simon Meyer (bisher gewählt) – zum Ende des Monats.

Bevor der Wehrführer die Bombe platzen ließ, machte sich bereits Unverständnis, Ratlosigkeit und Wut unter dem Kameraden breit, als dieser ein sechsseitiges Antwortschreiben aus dem Rathaus Absatz für Absatz zerpflückte. Voraussetzung für den aktiven Dienst sei ein Wohnsitz im Ausrückbezirk oder regelmäßig für den Einsatz zur Verfügung zu stehen. Ein Schriftwechsel aus dem Innenministerium von 2009 und 2011 über den Kreisfeuerwehrverband und die Stadt Fehmarn zeige, dass beide Kriterien gleichberechtigt nebeneinander stehen würden. Entscheidend sei die angemessene Zeit, in der das Feuerwehrhaus erreicht werden muss. „Wenn das gegeben ist, dann ist auch der Satzung Genüge getan“, verdeutlichte Schacht – zumal in der ersten Hilfsfrist nicht zwangsläufig der Wehrführer vor Ort sein muss. Nichtsdestotrotz würde der in Landkirchen wohnende Tobias Domke bei Alarmierung sofort durchfahren. „Meistens ist er der Erste vor Ort“, sagte ein Kamerad daraufhin. Generell habe man nie Probleme gehabt, Einsätze zu fahren, so Schacht, der seit 40 Jahren in der Wehr ist und seit 35 Jahren Vorstandsposten bekleidet.

Insbesondere ein Satz des Antwortschreibens aus dem Rathaus habe man nicht auf sich sitzen lassen können, nämlich, dass „gegenwärtig die persönliche und fachliche Eignung der gesamten Ortswehrführung infrage gestellt werden“ muss, so Schacht, der den Passus aus dem Schreiben vortrug. Daraufhin habe er mit dem Landesbrandmeister Frank Homrich telefoniert, der ihm dazu geraten habe, von den Vorstandsämtern zurückzutreten.

Wie geht es weiter: Die Ortswehr hat ihr Recht auf Widerspruch fristgerecht eingereicht. Zugleich ist Anfang der Woche ein Schreiben mit Bitte um Kommentierung des Sachverhaltes an das zuständige Referat im Innenministerium gegangen. Kreis- und Landesbrandmeister seien zudem im Bilde.

Mit dem Rücktritt des Vorstandes wollen die Bannesdorfer Gemeindewehr und Bürgermeister zum Handeln zwingen. „Wir müssen mit der Faust auf den Tisch hauen, um den Knoten zu lösen“, so Schacht, der sich seit jeher mehr Kompromissbereitschaft wünscht. „Wir können uns die Leute nicht schnitzen. Es ist nötig, darüber nachzudenken, ob bestimmte Regelungen noch zeitgemäß sind.“ Josef Meyer ergänzte: „Wir haben erklärt, was für die Wehr am besten ist. Bürgermeister Weber hat bis zum 31. März Zeit, darüber nachzudenken.“

Weber bestätigte am Freitag den Eingang des Rücktrittsgesuches und sprach gegenüber dem FT von einer „schwierigen Situation“. Hinsichtlich des zitierten Satzes erklärte er, dass sich „persönlich“ im rechtlichen Sinne auf die Verfügbarkeit beziehungsweise auf den Wohnort im Ausrückbezirk beziehe und „fachlich“ auf die noch fehlende Ausbildung eines Kameraden. „Das sind Vorgaben – rechtsfeste, definierte Begriffe, sonst machen wir uns angreifbar“, sagte Weber, der gestern zunächst auf Gespräche mit der Gemeindewehr und der Feuerwehr auf Kreis- und Landesebene bezüglich der Rücktrittsgesuche und der weiteren Lösungsfindung verwies.

Lehnt Weber den Rücktritt der Ehrenbeamten ab, werde man auch den letzten Schritt gehen, so Schacht: „Wir sind freiwillig eingetreten – wir können auch freiwillig wieder austreten.“

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