Heringsquote um 39 Prozent gesenkt / Dorschquote bleibt unverändert niedrig

Weitere Quotenkürzung bringt Fischer noch mehr in Not

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Aufgrund neuer Fangquoten müssen auch Fehmarns Fischer den Gürtel enger schnüren.

FEHMARN -dpa/hö/loj-  Die deutschen Fischer in der westlichen Ostsee müssen den ohnehin schon zwickenden Gürtel noch ein wenig enger schnüren. Denn die EU-Fischereiminister einigten sich in der Nacht zu Dienstag für 2018 auf eine Quotenbeschränkung für Hering um 39 Prozent. Die Fangquote für den Dorsch bleibt unverändert, sie war im letzten Jahr um 56 Prozent gesenkt worden.

Der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer fordert wegen der neuen Fangmengenkürzungen für die Ostsee eine Erweiterung des Nothilfeprogramms. Das in diesem Jahr begonnene Hilfsprogramm für die Dorschfischer müsse auf die Heringsfischerei ausgeweitete werden, verlangte der Verband. „Mit den jetzt verabschiedeten Gesamtfangmengen können wir nicht leben“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Dirk Sander. Er rechnet damit, dass viele Betriebe aufgeben müssen. Der Verband fordert daher Ausgleichszahlungen vom Bund für die befristete Stilllegung von Fischereifahrzeugen.

Auch der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein, Lorenz Marckwardt, äußerte sich kritisch zu den Beschlüssen der EU-Fischereiminister. „Diese ständigen Quotensprünge sind für uns nicht nachvollziehbar, auch wenn sie sich auf Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) stützen“, sagte Marckwardt. Die Kürzung der Hering-Fangmenge um 39 Prozent sei für die Betriebe ähnlich katastrophal wie die Kürzung der Dorsch-Fangmengen um 56 Prozent 2016/2017, sagte er.

Dorsch und Hering sind die „Brotfische“ der schleswig-holsteinischen Ostseefischer, die hauptsächlich im Fanggebiet westliche Ostsee unterwegs sind. Im laufenden Jahr dürfen sie nach Angaben des Fischereiverbandes in diesem Fanggebiet rund 15600 Tonnen Hering und knapp 1200 Tonnen Dorsch fangen.

Schleswig-Holsteins Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) nannte die Festlegung der zulässigen Fangmengen dagegen richtig und notwendig. „Ich weiß, dass diese Phase für die Fischer hart ist, aber mittel- und langfristig werden sie von gesunden, nachhaltig bewirtschafteten Fischbeständen am meisten profitieren“, sagte er.

Habeck kündigte an, sich beim zuständigen Bundesminister dafür einzusetzen, dass es auch 2018 wieder Hilfen für die besonders betroffenen Fischer geben wird. Dazu gehörten unter anderem Prämienzahlungen für zusätzliche „Stillliegetage“. Er betonte, „die Küstenfischerei gehört zu Schleswig-Holstein und prägt das Land“. Der Minister begrüßte, dass die Entscheidung zum Aal auf den Dezemberrat verschoben wurde, um nach einer europäischen Lösung des Problems zu suchen. „Dies entspricht unserer Forderung auf der Agrarministerkonferenz. Um den Aalbestand ist es schlecht bestellt, aber das Problem lässt sich nicht nur isoliert für die Ostsee betrachten.“

Benjamin Schmöde, Prokurist bei der Fischergenossenschaft Fehmarn, ist in der Angelegenheit neue Fangquoten selbst zwiegespalten. Auf der einen Seite sei er „erfreut, dass der Ministerrat kein Aalfangverbot erlassen hat“, aber auch enttäuscht darüber, dass beim Dorsch der Kommissionsempfehlung gefolgt wurde und die Fangmengen konstant niedrig bleiben. „Unter den Vorzeichen ist es gut, dass den Empfehlungen der Wissenschaft gefolgt wurde“, so Schmöde weiter. Der Ministerrat habe die Quote beim Hering deutlich weiter reduzieren wollen als die nun 39 Prozent. „Da bin ich glücklich, dass der Wissenschaft gefolgt wurde, generell bin ich aber nicht erfreut“, machte Schmöde am Dienstag gegenüber dem FT deutlich.

Dem WWF und anderen Naturschutzverbänden gehen die beschlossenen Einschnitte dagegen nicht weit genug. „Auf den derzeitigen Heringsschwund konsequent zu reagieren ist ökologisch richtig und ökonomisch sinnvoll“, sagte Stella Nemecky, Fischereiexpertin des WWF Deutschland. Nur durch deutliche Quotenkürzungen könne sich der Bestand erholen, sagte sie.

Der Meeresexperte von Greenpeace, Thilo Maack, sieht in der industriellen Massenfischerei eine der Hauptursachen für die geschrumpften Fischbestände. „Die Leidtragenden sind die mit traditionellen Methoden arbeitenden Küstenfischer.“

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