Fehmarn für zwei weitere Jahre zertifiziert / Feier wird nachgeholt

Weiterhin Fairtrade-Insel

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Aus den Händen des Ehrenbotschafters von Fairtrade Deutschland, Manfred Holz (Mitte), nahmen Bürgermeister Jörg Weber und Peter Mester (r.) das Zertifikat auf dem Altstadtfest 2018 entgegen.

Fehmarn – Von Nicole Rochell 540, 21, zwei. Fehmarns Zahlenkombination in Zusammenhang mit Fairtrade. Im Rahmen des Stadtfestes am 6. Juli 2018 war Fehmarn seinerzeit als 540. Fairtrade-Stadt in Deutschland ausgezeichnet worden. 21 Städte in Schleswig-Holstein orientierten sich zu diesem Zeitpunkt am Fairtrade-Siegel. Fehmarn war nach Langeoog die zweite Insel, die zertifiziert wurde und sich seitdem einsetzt für fair produzierte Produkte

679 Fairtrade-Towns, davon 24 in Schleswig-Holstein, gehören mittlerweile zur stetig wachsenden Fairtrade-Familie. Fehmarn ist nach wie vor dabei, erfüllt weiterhin alle Kriterien der Fairtrade-Towns-Kampagne und trägt für weitere zwei Jahre den Titel Fairtrade-Insel. Das teilt Beate Burow vom Umweltrat der Stadt Fehmarn mit.

Die Rezertifizierung in Corona-Zeiten: ein Ereignis, das sich still vollzog. Gerne hätten Beate Burow und Initiator Peter Mester, Sprecher der dreiköpfigen insularen Lenkungsgruppe Fairtrade, diesen Anlass bedeutend auffälliger gewürdigt, doch Corona erweist sich wieder mal als Spielverderber und fährt auch dem Ansinnen, die Rezertifizierung im Rahmen des ursprünglich für Anfang Juli geplanten Stadtfestes zu begehen, in die Parade. Das Stadtfest fällt bekanntlich ins Wasser, es soll aber eine kleine Fairtrade-Feierei nachgeholt werden. Bestenfalls im Rahmen der Fairen Woche, die im September durchgeführt werden soll, so sie Corona nicht zum Opfer fällt.

Corona hat einiges ausgebremst: Die Zusammenkommen der AG, die sich für gewöhnlich einmal im Monat trifft: auf Eis gelegt. An der vierten Auflage des Einkaufs-Flyers sei bereits gearbeitet worden – bis Corona kam. Und derzeit sieht Beate Burow auch noch nicht wirklich viel Sinn darin, das Thema Mehrweg-Geschirr für die Strand-Gastronomie weiter voranzutreiben. Wo sollte man momentan überhaupt anklopfen, wer habe im Moment einen Kopf für solche Themen, fragt sich Beate Burow. Aber das nur am Rande.

Doch es ist nicht alles schlecht, was Corona hervorbringt. Beate Burow freut es, wie die Natur sich schön entwickelt. Kaum meidet der Mensch den öffentlichen Raum, kehrt die Natur zurück. Und von einer weiteren schönen Corona-„Begleiterscheinung“ kann Burow erzählen. Die Bienen AG, die den Schulwald „adoptiert“ und hergerichtet, das Bienenhäuschen umgesetzt und Weiden gepflanzt hat, habe eine Anfrage der derzeitigen Notbetreuung der Offenen Ganztagsschule erhalten. Ob die Schülerinnen und Schüler, unter allen einzuhaltenden Auflagen, versteht sich, nicht einmal den Schulwald nutzen dürften? „Das hat mich gefreut“, so Beate Burow. Mit dem Gesundheitsamt sei das geklärt, sagt sie. „Wie schön, dass wir den Schulwald haben.“

Im vergangenen Jahr stand der Fehmarn-Kaffee thematisch im Mittelpunkt. Die speziell für die Insel zusammengestellte Mischung, die aus mild-aromatischen Arabica-Hochlandbohnen aus Mexiko und Honduras besteht und mit wenigen Robusta-Bohnen aus Indien veredelt wird, wird in der Fairtrade-Kaffeerösterei „One“ in der Lübecker Königstraße geröstet. Doch der Kaffee schmeckt nicht nur aromatisch, sondern folgt natürlich auch dem Fairtrade-Gedanken: So würden die Kaffeebauern angemessen bezahlt und bekämen, egal wie sich der Kaffeepreis entwickele, immer denselben Mindestlohn, so Peter Mester.

In diesem Jahr soll der Schwerpunkt der insularen Fairtrade-AG auf Bildungsarbeit an Schulen liegen, hat sich Peter Mester vorgenommen. Auch wenn das Thema leichter klinge, als die Umsetzung letztendlich sei – nicht immer sei die Begeisterung an allen Schulen groß. Doch er habe schon einige Ideen, wie das Thema über Vorträge rund ums Thema Fairtrade hinaus umgesetzt werden könnte.

Peter Mester stellt sich vor, die Schüler Interviews führen zu lassen. Die Passanten, beispielsweise in der Innenstadt, könnten gefragt werden, was sie über Fairtrade wissen und ob und welche Fairtrade-Produkte sie verwenden. Die Schüler könnten in die Geschäfte gehen, die Fairtrade-Produkte haben und das Verkaufspersonal befragen, welche Artikel es sind und wie sie sich verkaufen. Denkbar wäre auch, einen Videofilm zu drehen über all die Firmen, die Fairtrade-Produkte führen. 

Vorstellbar wäre, das Thema Fairtrade an allen Schulen, auch den Grundschulen und der Montessori Schule, vorzustellen und die Kinder und Jugendlichen damit schon möglichst früh vertraut zu machen, so Mester. 

Fehmarn erhielt für zwei weitere Jahre das Siegel für fairen Handel. „Wir verstehen die bestätigte Auszeichnung als Motivation und Aufforderung für weiterführendes Engagement“, so Bürgermeister Jörg Weber.

Was die Umsetzung des Themas auf Fehmarn betraf, sei seit der Zertifizierung kontinuierlich weitergearbeitet worden. So freut es Peter Mester, dass auch Jan Ueberall in seinem Geschäft in der Burger Osterstraße Fairtrade-Kleidung habe, die „Lieblingsinsel“ in Petersdorf Produkte mit dem Siegel führe und Christa Höpner in ihrem Geschäft „wollgemacht“ in der Burger Bahnhofstraße ihr Sortiment um Fairtrade-Wolle und -Garne seit über einem halben Jahr erweitert habe. Sie bezieht diesen Teil ihrer Ware übrigens über eine kleine Wollmanufaktur in Uruguay, die fair produziert.

Peter Mester, der das Fairtrade-Thema einem Flyer der Insel Langeoog, erste deutsche Fairtrade-Insel, entnommen und mit der Idee, das auch auf Fehmarn anzubieten, seinerzeit bei Beate Burow angeklopft hatte, schwört auf das Fairtrade-Siegel. Es stehe für so viel mehr als für Kaffee, Kakao, Bananen oder Baumwolle, Saft, Tee, Reis, Honig, Zucker oder Wein. Es stehe für faire Handelsstrukturen zur Bekämpfung von ausbeuterischer Kinderarbeit, für Bildungsarbeit, setze sich ein für Frauenrechte und mache auch viel gegen den

Klimawandel, so Mester. Er ist sich sicher: wo Fairtrade draufstehe, sei auch Fairtrade drin. Kontrollen und Überprüfungen sei dank.

Die Zertifizierungsgesellschaft Flocert überprüfe vor Ort, ob Produzenten und Händler die Fairtrade-Standards einhalten und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards erfüllen. Sie kontrollierten auch, ob die Produzentenorganisationen den festgelegten Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie ausgezahlt bekommen, so Mester, der froh ist über diesen eingeschobenen Kontrollmechanismus. „Fairtrade ist keine Mogelpackung.“

Wegen Corona: Vortrag vor Konfirmanden fiel aus

Auch Peter Mester hatte unlängst Kontakt mit den Widrigkeiten der Corona-Krise. Der Sprecher der Lenkungsgruppe der Fairtrade-AG hatte einen Vortrag vor Fehmarns Konfirmanden halten wollen. Fair gehandelte Schokolade als süßes Praxiselement bei aller Theorie war bereits besorgt. Aufgrund der COVID-19-Pandemie musste das Vorhaben jedoch abgesagt werden. Peter Mester hofft, dass er das Thema Fairtrade möglichst schnell Fehmarns Schülern vermitteln kann.

Bürgermeister Jörg Weber freut sich über die Verlängerung des Titels: „Die Bestätigung der Auszeichnung ist eine Anerkennung für die nachhaltige Verankerung des fairen

Handels auf Fehmarn. Lokale Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft arbeiten hier für das gemeinsame Ziel eng zusammen. Ich bin stolz, dass Fehmarn dem internationalen Netzwerk der Fairtrade-Towns angehört. So werden wir uns auch weiterhin mit viel Elan dafür einsetzen, den fairen Handel auf lokaler Ebene zu fördern.“ 

Das Engagement in Fairtrade-Towns ist vielfältig: Auf Fehmarn sind der faire Einkaufsführer, der auch als Download auf der städtischen Homepage zur Verfügung steht, die Beteiligung an der Fairen Woche mit Vorträgen und Aktionen sowie die Anschaffung von Fairtrade-Sportbällen für den SV Fehmarn nur einige Beispiele erfolgreicher Projekte in den vergangenen Jahren.

„Wir verstehen die bestätigte Auszeichnung als Motivation und Aufforderung für weiterführendes Engagement“, sagt Jörg Weber.

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