Aktionswoche auf Fehmarn zum Frauentag: Gewalt kommt nicht in die Tüte

„Wer schlägt, der geht“

Gegen häusliche Gewalt: Gleichstellungsbeauftragte Giesa Wulf, Bibliothekarin Susanne Hansen, Bäckermeister Thomas Börke, Polizeichef Hartmut Steffen.

FEHMARN (wi) • Nicht wegzusehen, wenn es zu häuslicher Gewalt kommt, nicht zu schweigen, wenn Männer ihre Frauen schlagen, dazu fordert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fehmarn, Giesa Wulf, auf. Um das Thema ins Bewusstsein der Menschen zu rufen, beteiligt sie sich an der landesweiten Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ vom 19. bis zum 24. November.

„Wer schlägt, der geht“, auf diese Formel bringt der Burger Polizeichef Hartmut Steffen die neue Haltung des Gesetzgebers. Zehn bis zwölf Mal im Jahr greife die Polizei auf Fehmarn zu dem Mittel der Wegweisung. Landesweit gab es im vergangenen Jahr 2183 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt und 632 Wegweisungen. Wer Gewalt ausübe, der werde bis zu 14 Tage einfach von seinem Haus oder seiner Wohnung ferngehalten, um dem Opfer nicht mehr gefährlich werden zu können. Es habe sich gesellschaftlich in den letzten 20 Jahren einiges geändert, sagte Steffen gestern bei der Pressekonferenz.

Infos auch in Türkisch und Russisch

Doch auch die klassischen Hilfseinrichtungen bleiben für viele von Bedeutung. Über ein Drittel der Frauen, die 2006 in ein Frauenhaus flüchteten, waren Migrantinnen. In Ostholstein wird zurzeit auch in Türkisch und Russisch ein Faltblatt verteilt mit den Telefonnummern der Beratungsstellen.

Die Nummer der Frauenhelpline (0700/99911444) wird auf 400 000 Brötchentüten veröffentlicht, die vom 19. bis zum 24. November landesweit ausgegeben werden. Auf Fehmarn beteiligen sich die Bäckereien Börke, Hansen („Mien Bäcker“) und Stahnke an der Aktion. „Wir haben in unserer Belegschaft überwiegend Frauen, schon deshalb beteiligen wir uns gern“, so Thomas Börke.

Die Stadtbücherei informiert in der Woche mit einem Büchertisch zum Thema häusliche Gewalt, den die Bibliothekarin Susanne Hansen zusammenstellt.

Es gibt unterschiedliche Zahlen, doch ungefähr jede dritte Frau in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens Opfer körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt. Das ist alarmierend. So versteht sich Gleichstellungsbeauftragte Giesa Wulf als „Koordinatorin“ zwischen Opfern und den Fachberatungsstellen. Mit der Kampagne will sie „Betroffene, Nachbarn, Freunde und Kollegen“ animieren, aktiv zu werden. Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen.

Am 21. November (Mittwoch) um 19 Uhr halten Tatjana Beer und Barbara Scholand (vom Feministischen Frauenzentrum „Aranat“ in Lübeck), die sich als Fachkräfte für Gewaltprävention bezeichnen, den Vortrag „Zivilcourage – wie geht das ?“ Der Vortrag findet in der Aula der Inselschule Fehmarn Ost in der Kantstraße statt.

Am 21. November tagsüber ist ein Infostand auf dem Burger Wochenmarkt aufgebaut. Bürgervorsteherin Margit Maaß (CDU) und Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt werden einen Scheck in Höhe von 1035 Euro zugunsten des Frauenhauses Ostholstein e. V. und des Notrufs für Frauen und Mädchen e. V. überreichen.

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