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Wohnen auf 16 Quadratmetern: Rosa und Johann Koppelmann mit ihren Kindern Nila, Nino und Elia suchen eine Wohnung oder ein Haus zur Miete.

Angebote gibt es, aber ...

„Wir wollen ankommen“: Fünfköpfige Familie sucht Zuhause auf Fehmarn

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Fehmarn soll es sein für die junge Familie. Nur die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig. Angebote gibt es, aber mit drei Kindern haben Rosa und Johann Koppelmann nicht den einfachsten Stand.

  • Fünfköpfige Familie sucht eine Bleibe zur Miete. Wer etwas weiß: hallo@rosa-koppelmann.de
  • Zusage im Februar: Älteste Tochter geht in die Montessorischule – seitdem suchen Koppelmanns.
  • 33-Quadratmeter-Ferienwohnung als Notlösung im Winter.

Fehmarn – 16 Quadratmeter auf vier Rädern für eine fünfköpfige Familie? Geht nicht? Geht doch! Das ist momentan der Alltag für Rosa, Johann, Nila (6), Nino (2) und Elia (acht Monate) Koppelmann. Sie leben in einem Wohnmobil auf Fehmarn, seit Februar suchen sie eine Wohnung. Bisher ohne Erfolg, obwohl es Angebote gibt. Nur die Familie ist nicht die bevorzugte Klientel: keine Kinder, ältere Mieter. Rosa und Johann Koppelmann arbeiten online, sind also flexibel. „Wir haben nur nicht damit gerechnet, dass wir so flexibel sein müssen“, denkt die Mutter von drei Kindern an die kürzer werdenden Tage und die sinkenden Temperaturen. Aufgeben wollen sie nicht – eine Notlösung für den Winter haben sie.

Zurück in den Norden, um sesshaft zu werden

Die letzten zehn Jahre lebten Koppelmanns meistens in Leipzig. Die Familie war dennoch viel auf Achse – Aufenthalte in Paris, im US-Bundesstaat Ohio, Tansania, Kopenhagen oder 2019 mit dem Camper durch Europa. Mit der Geburt der ersten Tochter vor über sechs Jahren stand für die Eltern fest: Wenn Nila eingeschult wird, geht es für die gebürtigen Schleswig-Holsteiner wieder zurück in den Norden, um sesshaft zu werden.

Geht es den Kindern gut, geht es uns gut.

Rosa Koppelmann

Dass es am Ende Fehmarn sein sollte, war damals noch nicht klar, stand zunächst die allumfassende Frage im Raum, „wie wir leben wollen, welches Lebenskonzept das richtige für uns ist“, erklärt die 33-Jährige. Eng damit verbunden: die Schulform ihrer Kinder. „Wir haben nach Montessorischulen gesucht und sind auf Fehmarn aufmerksam geworden.“ Das obligatorische Vorstellungsgespräch war nicht nur ein voller Erfolg, sondern auch die erste Erfahrung auf der Insel. Ihre Tochter Nila habe ihr anschließend gesagt: „Ich gehe auf diese Schule oder gar keine Schule.“ Im Februar kam die Zusage für den Platz. Ein Zeichen für die Familie: „Geht es den Kindern gut, geht es uns gut“, weiß Rosa Koppelmann, und ihr Mann nickt, während er Elia im Arm wippt. Und längst hat die Tochter, die eigentlich eher schüchtern sei, einen festen Freundeskreis aufgebaut.

Es ist nicht so, dass es keine freien Wohnungen gibt.

Rosa und Johann Koppelmann

Am Tag der Zusage haben Koppelmanns mit der Wohnungssuche begonnen. Fehmarn soll der langfristige Lebensmittelpunkt werden – „vielleicht für immer“, sagt die gebürtige Flensburgerin etwas nachdenklich. Johann und Rosa Koppelmann war klar, nur über die einschlägigen Immobilienseiten zu suchen, wird nicht reichen. „Es braucht ein Netzwerk für die ‚Flüsterangebote‘“, wissen beide und ergänzen: „Es ist nicht so, dass es keine freien Wohnungen gibt.“ 

Koppelmanns suchen das Gespräch, kommen ins Gespräch, bekommen viel Zuspruch. „Wir werden willkommen geheißen“, betonen beide. Durchschnittlich ein Angebot pro Woche flattert der Familie auf den Tisch. Aber oftmals bleibt es beim Erstkontakt: „Wir wollen keine Kinder“, sei nicht selten zu hören, so Johann Koppelmann und erinnert sich an das 120-Quadratmeter-Haus, das dann doch an ein Hamburger Seniorenpaar ging, statt an die fünfköpfige Familie.

So groß muss es gar nicht sein. „Wir suchen einen Ort, wo man mit Kindern willkommen ist“, betont der gebürtige Kieler. Mindestens vier Zimmer, ab 100 Quadratmeter – „wenn es nur 80 sind mit einem großen Garten, dann reicht das auch“, fügt Rosa Koppelmann hinzu. Zudem soll die neue Bleibe maximal sechs Kilometer im Umkreis von Burg liegen. Beide haben nur den Camper, wollen keinen weiteren Verbrenner kaufen und für ein E-Auto reicht es noch nicht. „Wir kaufen erst mal ein E-Lastenrad“, schmunzelt Koppelmann, die Afrikanistik und Interkulturelle Kommunikation studiert hat, mittlerweile aber als Coach und Autorin arbeitet. Ihr Mann (33) ist Berater für Start-up-Unternehmen, hat Politik, Wirtschaftswissenschaft und Philosophie studiert.

Schönes Wetter, Spielplatz und Strand vor der Tür, lange Tage: Klingt wie ein nicht enden wollender Campingurlaub. Aber mieses Wetter wird nicht seltener, der Winter kommt bestimmt. Als Notlösung hat die Familie eine 33-Quadratmeter-Ferienwohnung. „Wir hoffen, dass es nicht dazu kommt. Wir wollen schließlich ankommen, ein Gefühl von Heimat entwickeln.“ Zudem haben die Eltern ihren Kindern einen Weihnachtsbaum versprochen.

Auch wenn es anstrengend ist, wir heulen nicht rum.

Rosa Koppelmann

Rosa Koppelmann will aber nicht missverstanden werden: „Auch wenn es anstrengend ist, wir heulen nicht rum.“ Sie überlegt kurz und sagt lächelnd: „Wir sind noch nicht vollständig demotiviert.“ Sie erzählt von den strahlenden Augen ihrer Tochter, wenn sie von der Schule kommt. „Das ist es wert, im Wohnmobil zu leben.“

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