Dorschquote soll steigen / Internationaler Rat für Meeresforschung will Fangpause für Hering im nächsten Jahr

„Es wird Fischer auf Fehmarn treffen“

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Fischkutter gehören in Burgstaaken zur DNA des Kommunalhafens.

FEHMARN -mb- Kürzlich hat der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) seine Fangempfehlungen unter anderem für Dorsch und Hering für 2019 veröffentlicht. Traditionell dienen die Erkenntnisse als Handlungsanleitung für die EU-Kommission, deren Fischfangquoten im Oktober wiederum Grundlage im EU-Rat für Landwirtschaft und Fischerei sein werden.

Die schockerprobten Fischer trafen die jetzt veröffentlichten ICES-Fangempfehlungen „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, heißt es in der Stellungnahme des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer: Fangstopp für Hering in der westlichen Ostsee. „Die Familienbetriebe der Heringsfischer würden eine einjährige Fangpause nicht überstehen. Die Heringsfischerei steht in der westlichen Ostsee vor dem Aus“, schlägt der Verband Alarm.

Besser sieht es hingegen für die Dorschfischer aus, deren Lage sich in der westlichen Ostsee infolge der Empfehlung entspannen könnte. So empfiehlt der Rat eine deutliche Quotenerhöhung für den Dorsch in der westlichen Ostsee – allein der deutsche Anteil könnte von rund 1200 auf über 4600 Tonnen steigen. Für „Anglerdemo“-Initiator Lars Wernicke ein Grund mehr, die Forderung nach der Aufhebung des Baglimits – also die Fangbegrenzung der Dorsche auf aktuell fünf pro Tag und Angler – aufrechtzuerhalten. Insgesamt seien die Zahlen ein logischer Schritt für die Kutter- und Küstenfischer, denn „der Elterntierbestand des Dorsches hat sich seit dem Tiefpunkt 2013 verdoppelt.“

Die Deutsche Umwelthilfe und „Our Fish“, eine europäische Initiative für nachhaltige Fischereipolitik, kommen mit Blick auf die Zahlen zu einem ganz anderen Schluss, sprechen vom weiterhin „schlechten Zustand der Dorsch- und Heringsbestände in der Ostsee“. Sie fordern, die wissenschaftlichen ICES-Empfehlungen zu respektieren.

„Aus dem ICES-Bericht geht hervor, dass die Nachwuchszahlen des Dorschbestands in der westlichen Ostsee sehr stark schwanken. Der Bestand befindet sich immer noch auf einem historisch sehr niedrigen Niveau“, sagt Rebecca Hubbard, Direktorin der Our Fish-Kampagne, und fordert eine konsequente Festlegung der Fangquoten, sodass es den Dorschbeständen ermöglicht werde, sich langfristig zu erholen. „Nur so ist es möglich, den Bestand für die Zukunft und für die Küstenfischerei, die vom Dorsch abhängig ist, zu erhalten.“

Was derweil aus den Fischern wird, die Hering fangen, falls die Fangpause durch den EU-Rat Realität wird, will sich Benjamin Schmöde von der Fischergenossenschaft Fehmarn nicht ausmalen. „Es wird Fischer auf Fehmarn treffen.“ Zudem dürfe man nicht vergessen, so Schmöde, dass unter Kollegen freie Quoten getauscht würden, um beispielsweise mehr West-Dorsch zu bekommen. Er selbst glaube jedoch nicht an einen Nulltakt, allerdings werde es durch den Fischerei-Rat wohl eine drastische Quotenreduzierung für den Hering geben.

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