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Wirtschaftsgespräch im Wakepark Fehmarn: 2023 ein Jahr wie eine Blackbox

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Von: Andreas Höppner

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Hannes Wendroth, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes (3.v.r.) hatte zum Wirtschaftsgespräch in den Wakepark Fehmarn geladen. Mit dabei (v.l.): Olaf Eggers, Gebhard Grebien, Mark-Oliver Rumpf, Wakeparkbetreiber Kris Konrad, Matthias Oelerich, Jörg Weber und Jutta Zimmermann. © Andreas Höppner

Der Unternehmensverband Ostholstein-Plön lud zu einem Wirtschaftsgespräch in den Wakepark Fehmarn ein. Den Unternehmen ist es kaum möglich einen aussagekräftigen Ausblick auf 2023 zu geben.

Fehmarn – Wohl selten war es für die Vertreter regionaler Unternehmen so schwierig, einen aussagekräftigen Ausblick auf das Jahr 2023 zu geben. Erst die Coronapandemie, dann die Ukrainekrise, die sich nahtlos zur Energiekrise ausgeweitet hat – Entwicklung ungewiss, Ausgang offen. Das wurde bei einem Wirtschaftsgespräch deutlich, zu dem der Unternehmensverband Ostholstein-Plön (UV OH-Plön) in den Wakepark Fehmarn eingeladen hatte.

Das nächste Jahr ist eine Blackbox.

Matthias Oelerich, Geschäftsführer von Windsport Fehmarn

Für Matthias Oelerich, Geschäftsführer von Windsport Fehmarn, wird 2023 das schwierigste der letzten Jahre werden. „Das nächste Jahr ist eine Blackbox“, so Oelerich, der dennoch fernab davon ist, Trübsal zu blasen. Vielmehr müsse man sich seinen Optimismus bewahren und positiv nach vorne schauen.

Zurückhaltung bei privaten Auftraggebern

Dennoch: „Die Ausgangslage ist sehr vage“, beschreibt Mark-Oliver Rumpf, Bauingenieur bei der Firma von Schönfels in Puttgarden, die aktuelle Situation. „Bis Weihnachten sind die Auftragsbücher gut gefüllt“, so Rumpf, der jedoch bei privaten Auftraggebern mittlerweile eine deutliche Zurückhaltung festgestellt hat. Schließlich gebe es noch die  Großbaustelle am Fehmarnbelt, bei der immer wieder Aufträge anfielen. Sorge bereitet dem Bauingenieur allerdings die Personalausstattung der Unternehmen. So habe es bei von Schönfels in diesem Jahr keine Bewerbung auf einen Praktikums- und auch nicht auf einen Ausbildungsplatz gegeben.

Und wurde erfolgreich ausgebildet, kann es passieren, dass die Fachkräfte schnell abgeworben werden. Ein Lied davon singen kann Gebhard Grebien, Geschäftsführer der gleichnamigen Metallbaufirma aus Bannesdorf, die auch in Großenbrode eine Niederlassung besitzt. Dreher oder Fräser würden schnell einen anderen Arbeitsplatz mit geregelten Arbeitszeiten finden in der Produktion in Unternehmen wie Eppendorf oder Codan, so Grebien.

Kein Denken in Wahlperioden

Der Fachkräftemangel hänge aber auch mit fehlendem bezahlbaren Wohnraum zusammen, macht Druckereichef Olaf Eggers aus Heiligenhafen deutlich. Ein Problem, das er unmittelbar nicht selbst beheben kann. Doch wenn er etwas eigenständig lösen kann, dann packt er an. Auf den Anstieg der Papierpreise habe er rechtzeitig reagiert und den Hof mit Papier zugestellt. Kürzlich sei er erst in Portugal gewesen, wo noch relativ günstig Papier produziert werde, denn auf der Iberischen Halbinsel habe man frühzeitig auf regenerative Energien zur Stromerzeugung gesetzt, so Eggers. Sein Papier will er zukünftig komplett aus Portugal beziehen. Und von einer Stromkrise möchte der Unternehmer auch nicht sprechen. In Schleswig-Holstein werde genug Strom produziert, doch er könne nicht gespeichert werden. Diesbezüglich hofft Eggers, dass die Politik endlich kluge Entscheidungen trifft. Es sei auch „strategisches Denken“ angesagt, fordert Jutta Zimmermann, Geschäftsführerin des IFA Hotel & Feriencentrums, und kein „Denken in Wahlperioden“.

Ohnehin würde die Politik viel zu spät Entscheidungen treffen, die Unternehmen wüssten oft nicht, woran sie sind, kritisiert Gebhard Grebien und nennt als Beispiel die Gaspreisbremse, die erst ab März 2023 greifen soll. „Dann ist der Winter vorbei und die Unsicherheit bleibt.“ Nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch bei jedem einzelnen Bürger und in der Verwaltung.

Aber auch innerhalb der Verwaltung dauere es oft zu lange, räumte Bürgermeister Jörg Weber ein. Das gelte für die Stadt- wie auch für die Kreisverwaltung. Doch auch mit der Selbstverwaltung sei es in den letzten Jahren schwieriger geworden. Als Paradebeispiel nannte er den geplanten Bau eines Toilettenhauses in Orth, für den es zunächst eine Zustimmung gegeben, der private Investor die Planung vorangetrieben und die Politik sich dann gegen das Projekt entschieden habe. Der Zukunft blickt aber auch Fehmarns Bürgermeister – trotz aller Unwägbarkeiten – recht zuversichtlich entgegen. Dabei müsse man sich immer vor Augen halten, „wie gut es uns in den letzten 30 bis 40 Jahren gegangen ist“.

Eggers: Krise als Chance begreifen

„Wir müssen die Krise als Chance begreifen und nutzen“, so Olaf Eggers, der an die Politik die Forderung richtete, endlich beschleunigte Genehmigungsverfahren durchzusetzen.

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