Politik will Herkulesaufgabe angehen / Prioritäre Behandlung / Fördertöpfe stehen bereit

Wohnraum dringend gesucht

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Eignet sich für sozial verträglichen Wohnungsbau: In der Gorch-Fock-Straße in Burg könnte dringend benötigter Wohnraum für Fehmarn geschaffen werden

Fehmarn – Von Manuel Büchner Bezahlbarer Wohnraum ist knapp – allenthalben wird die Problematik diskutiert. Sind es vor allem Ballungsräume und Großstädte, die immer wieder herangezogen werden, gehören natürlich auch Urlaubsorte zu den Problemfällen. Als negatives Paradebeispiel gilt Sylt.

Auch Fehmarn hat zu kämpfen. „Aufgrund der aktuellen Grundstücks- und Mietpreisentwicklung auf Fehmarn, ist es für die auf Fehmarn lebende und arbeitende Bevölkerung zunehmend schwierig, angemessenen Wohnraum zu finden“, hieß es bereits im Bauausschuss im Juli 2017 in einer Stellungsnahme der Stadtverwaltung zur notwendigen Wohnungsbauentwicklung. In der Zusammenfassung lassen sich zwei Aussagen treffen: Mietwohnraum ist zu knapp und zu teuer. Grundstückspreise sind zu hoch.

Eine entsprechende Offensive, die mehr bezahlbaren Wohnraum und erschwingliches Bauland verspricht, soll in der kommenden Sitzungsperiode Priorität im Bau- und Umweltausschuss genießen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Andreas Herkommer (SPD), gibt die Marschrichtung vor. „Ab September wollen wir uns für ein halbes Jahr prioritär und massiv mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum beschäftigen.“ Zwischen sieben und 7,50 Euro pro Quadratmeter in der Miete schwebt dem Sozialdemokraten vor. Auch geförderter, sozialer Wohnungsbau sei denkbar.

Immerhin: Für 2019 bis 2022 stehen insgesamt 788 Millionen Euro an Darlehen und Zuschüssen für Maßnahmen der sozialen Wohnraumförderung zur Verfügung, verkündete Innenstaatssekretärin Kristina Herbst zuletzt in Kiel bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Neuer geförderter Wohnungsbau in Schleswig-Holstein“. „Damit wollen wir jedes Jahr rund 1600 geförderte Wohneinheiten schaffen. Sei es durch Neubau, durch Sanierung oder auch durch Ankauf von Belegungsbindungen“, so Herbst. Auch die anteiligen Zuschüsse für den Mietwohnungsneubau sind gerade erst zum 1. Juli angehoben worden. Zehn Millionen Euro pro Jahr sind zur Förderung von Eigentumsmaßnahmen reserviert. Im Rahmen der Förderung „Neue Perspektive Wohnen“ stehen weitere zehn Millionen Euro für die Planung von innovativen und hochwertigen Siedlungen mit Wohneigentum und Mietwohnungsbau bereit, ließ die Staatssekretärin außerdem wissen. „Im Innenministerium halten wir das eine oder andere Förderprogramm bereit. Und wir haben mit der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) und der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) kompetente Partner, die ebenfalls gerne beraten und helfen“, sagte Herbst am Montag in Kiel.

Bemühungen sollen in zwei Jahren Früchte tragen

Handlungsbedarf seitens der Politik bestehe jedenfalls sofort, ist sich Herkommer derweil sicher, damit in zwei Jahren erste Ergebnisse der jetzt anrollenden Bemühungen zu sehen sein werden.

Potenzial zur Schaffung von Wohnraum sei vorhanden, erklärt Bauamtsleiter Benjamin May und zählt beispielhaft die Gebiete nördlich der Gorch-Fock-Straße (B-Plan 144), nördlich der Reiterkoppel (B-Plan 126), ein großes Gebiet am nördlichen Ortsrand von Landkirchen westlich des Mühlenweges (B-Plan 159) sowie kleinere Gebiete in Gammendorf und Lemkenhafen auf. Man müsse darauf achten, dass Wohnraum nach bestimmten sozialen Kriterien entstehe, so May. So sei es sinnvoll, Bauland für Einfamilienhäuser zu bieten, das unter dem Marktpreisniveau liege und Mietwohnraum in unterschiedlichen Größen zu schaffen, der preisgebunden ist.

Entscheidend sei natürlich, so Herkommer, für welche Klientel Wohnungen entstünden. „Rund 150 Wohnungen werden jedes Jahr auf Fehmarn gebaut. Die Bevölkerung wächst kaum, trotzdem bleibt der Wohnungsmarkt angespannt“, sieht der Kommunalpolitiker aufgrund der steigenden Attraktivität der Insel auch die Nachfrage nach Grunderwerb zu touristischen Zwecken beziehungsweise zur gewerblichen Ferienvermietung als Herausforderung für sozialverträglichen Wohnraum auf Fehmarn.

Wie sozialer Wohnungsbau im 21. Jahrhundert aussehen kann, zeigt zurzeit noch die Wanderausstellung im Foyer des Landtages in Kiel. Nächste Station ist übrigens vom 10. bis 16. September die Nordbau in Neumünster.

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