Landgericht: Schwerer Raub in zwei Fällen auf Fehmarn und Drogenhandel

Zäher Prozessauftakt in Lübeck

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Sitzen auf der Anklagebank: Ein 26-Jähriger (r.) und ein 31-Jähriger, der wegen eines Fluchtversuches in Untersuchungshaft sitzt, werden unter anderem wegen schweren Raubes vor dem Landgericht in Lübeck angeklagt.

Lübeck –mb– Wegen unter anderem zweifachen schweren Raubes auf Fehmarn, in einem Fall einhergehend mit gefährlicher Körperverletzung, sitzen seit Donnerstag zwei Männer (26 und 31 Jahre) vor dem Landgericht Lübeck auf der Anklagebank. Dem 26 Jahre alten Angeklagten werden zudem zahlreiche Drogenvergehen zur Last gelegt. Abgespielt haben sollen sich die Vergehen auch in Heiligenhafen, Hamburg und andernorts zwischen Januar 2018 und Ende Mai 2019. Sechs Hauptverhandlungstage mit 16 Zeugen sind unter dem Vorsitz von Richterin Helga von Lukowicz anberaumt. Doch bereits am Donnerstag zum Auftakt kam Sand ins Getriebe.

  • Erster Zeuge fiel aus gesundheitlichen Gründen aus
  • Mann aus Bannesdorf zusammengeschlagen
  • Scharmützel zwischen Staatsanwalt und Verteidiger
So fiel der erste Zeuge aus gesundheitlichen Gründen aus. Das Gericht bat daraufhin den zweiten für nachmittags geladenen Zeugen, eher von Fehmarn anzureisen. Dessen Befragung gestaltete sich äußerst zäh und führte zu Verwerfungen zwischen dem Vorsitz und den Verteidigern.

Bedroht mit Pfefferspray, Pistole, Axt und Taser

Staatsanwalt Stavros Karagiannidis verlas zunächst die Anklageschrift. Beide Angeklagten sollen im Januar 2019 zusammen mit einem bisher nicht ermittelten Mittäter einen 34-jährigen Mann in dessen Wohnung in Bannesdorf zusammengeschlagen haben. Das Treffen sei dadurch zustande gekommen, weil der 26-Jährige die Absicht Drogen zu kaufen, als Vorwand angegeben habe. „Alle drei Täter prügelten mit Fäusten und Fußtritten auf den Geschädigten ein“, so Karagiannidis. Der bisher unbekannte Dritte im Bunde forderte vom Geschädigten, auf Fehmarn keine Drogen mehr zu verkaufen – und wenn, müsse er es bei dem 26-Jährigen Angeklagten beziehen. Bedroht und verletzt wurde der überrumpelte Bannesdorfer zudem mit Pfefferspray, einem Taser (Elektroschockpistole), einer Pistole und einer Axt. Der Geschädigte, der unter anderem multiple Schnittwunden und eine Brustkorbprellung erlitt, wurde zudem gefesselt. Der mutmaßliche Drogendealer forderte 5000 Euro und die Herausgabe des Marihuanas. „Die Angeklagten wollten den Geschädigten auf Fehmarn vom Markt drängen“, schlussfolgerte der Staatsanwalt.

Bereits im Januar 2018 hatte der jüngere Angeklagte, wohnhaft in Oldenburg, einer Person etwas mehr als 700 Gramm Marihuana verkauft. Nach telefonischer Absprache wurden die Drogen am Südstrand in Burgtiefe übergeben, eine weitere Person sollte die Drogen nach Kiel fahren, das Hauptzollamt beendete allerdings Höhe Selent die Fahrt des Drogenkuriers. „Die Grenze zur nicht geringen Wirkstoffmenge (THC) war um das 12,7-fache überschritten“, so Karagiannidis, der weitere Tatbestände in Landkirchen und Heiligenhafen aufzählte. In der Warderstadt verkaufte der mutmaßliche Drogendealer bei zwei Gelegenheiten an eine Person Kokain für rund 800 Euro und habe zugleich noch größere Mengen zum Kauf angeboten. Zwischen November 2018 und Mai 2019 lagerte er bei einem Komplizen in Heiligenhafen zudem einen Rucksack mit Marihuana und Kokain, den er mindestens zehnmal auffüllen ließ.

Der „Obergangster von hier bis Hamburg“

Am 11. Mai 2019 wurde das angeklagte Duo erneut aktiv. Sie lockten eine Person am späten Abend auf einen Parkplatz nahe der Kirche in Landkirchen. Der Ältere der beiden hielt dem 33-Jährigen eine Waffe an den Kopf. Der Jüngere stellte sich als „Obergangster von hier bis Hamburg“ vor und habe 5000 Euro gefordert, berichtete Karagiannidis. Beide hätten zudem Drohungen gegen die Familie des 33-Jährigen ausgesprochen.

Arne Willer, Strafverteidiger des 26-Jährigen, teilte dem Gericht nach der Verlesung der Anklageschrift mit, dass er sich nicht „in der Lage sieht, weiterzuverhandeln“, da er keine vollständige Akteneinsicht gehabt habe und dies keine ausreichende Vorbereitung zugelassen habe. Willer beantragte die Vertagung auf den 11. Juni, den zweiten Verhandlungstag. Das Gericht lehnte nach Beratung ab. Die Anklageschrift sei am 28. Januar zugestellt worden, die fehlenden Akten nicht sehr umfangreich und in der Pause inhaltlich erfassbar gewesen, begründete die Vorsitzende.

Weiter ging es mit der ersten Zeugenbefragung – mehr oder weniger: „Ich frage mich, was ich hier zu suchen habe?“ Aussagen seien ihm während der Vernehmung in den Mund gelegt worden. Der Verteidiger des 31-Jährigen, Oleg Georgieff, schaltete sich ein: „Der Zeuge hat das Recht, die Aussage vollumfänglich zu verweigern.“ Richterin von Lukowicz: „Hat er nicht.“ Zumal man ihn nur zu einem kleinen Teil seiner Zeugenaussage befragen wolle. Zwar sei seine Mittäterschaft am Raub durch einen DNA-Test ausgeschlossen worden, aber der Zeuge sei Tatverdächtiger gewesen, widersprach Georgieff der Argumentation der Vorsitzenden. So soll das Opfer des Raubüberfalls den Zeugen per Facebook-Nachricht als Mittäter beschuldigt haben. Georgieff schlug daraufhin einen Zeugenbeistand vor, was die Vorsitzende ebenfalls ablehnte. „Das können Sie gar nicht“, erwiderte der Verteidiger kopfschüttelnd und mahnte, auch mit Blick auf die abgelehnte Vertagung: „Wir haben Verfahrensrechte und sind hier keine Bittsteller.“

Beide Verteidiger stellten keine Fragen, die des Staatsanwalts führten zu nichts. Karagiannidis wurde dann noch von Georgieff unterbrochen, was dieser als „Unverschämtheit“ bezeichnete. Am 11. Juni soll weiterverhandelt werden. Dann sind voraussichtlich fünf Zeugen geladen.

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