Jule Flormann und Marcel Würfel zurück aus Südafrika / Warten auf den Rettungsflug

Zehn Tage in Ungewissheit

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Jule Flormann und ihr Freund Marcel Würfel lebten rund fünf Monate in Südafrika.

Fehmarn – Eine kleine Odyssee hinter sich gebracht haben die Fehmaranerin Jule Flormann und ihr Freund Marcel Würfel. Sie organisieren weltweit Kitesurf- Events und leben in jedem Jahr von November bis Ende März in Kapstadt. Am 25. März war der Rückflug geplant, doch das Coronavirus machte beiden einen dicken Strich durch die Rechnung. Erst nach zehn Tagen in großer Ungewissheit ging es für sie am 4. April dann doch mit einem Rettungsflug nach Hause in Richtung Deutschland.

  • Komplette Ausgangssperre verhängt
  • Militär überwachte Ausgangssperre akribisch
  • Gespenstischer Weg zu Flughafen

Jule Flormann erzählt: „Wie gewohnt lief die Saison dort in den letzten Wochen aus und wir bereiteten uns für den geplanten Rückflug am 25. März vor. Von Corona war in unserem idyllischen Ort noch nicht groß die Rede. Wir nutzten das sonnige Wetter und verbrachten jede Minute auf dem Wasser

Einige Tage vor Abflug drang der Ernst der Krise jedoch auch zu uns nach Südafrika vor.

Am 24. März wurden alle Strände gesperrt

Die ersten Flüge wurden gecancelt, am 24. März wurden alle Strände gesperrt. Mit der Hoffnung, unseren abgesagten

Flug

umbuchen zu können, gingen wir leider leer aus. Also schrieben wir uns in sämtliche

Rückholprogramme

ein und ließen uns für Rettungsflüge auf die Liste setzen. Das

Auswärtige Amt

gab in einer

E-Mail

grünes Licht für die ersten Flieger jeweils am 26. und 27. März. Der erste Rettungsflug wurde erfolgreich durchgeführt, bis schließlich in der Nacht vom 26. auf den 27. März eine komplette Ausgangssperre verordnet wurde. Das

Haus

durfte lediglich für einen Einkauf oder den Besuch eines Arztes verlassen werden. Der Flugverkehr und damit auch der zweite Rettungsflug wurden komplett eingestellt. Ob es eine Sondergenehmigung für Rückholflüge geben sollte, war eher unwahrscheinlich. Ab jetzt hieß es: warten.

Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir das Land in der dreiwöchigen Ausgangssperre nicht verlassen würden. Für die Zeit des Lockdown baten wir unserer Hausfrau an, mit ihrer Familie aus dem Township zu uns ins Gästehaus zu kommen, da niemand die Auswirkungen der Krise dort vorhersehen konnte. Hier waren sie sicher – und wir hatten mit sieben Köpfen, darunter vier Kinder, keine Langeweile mehr im Haus. Zum Glück hat das Haus einen großen Garten und wir konnten von der Dachterrasse aus die Nachbarn beobachten, die ihre morgendlichen Jogging-Einheiten jetzt um das eigene Haus herum bezwangen. Teilweise flogen Helikopter über die Wohnsiedlungen, und das Militär bewachte die Ausgangssperre akribisch.

Am 1. April erhielten wir eine erneute E-Mail der Botschaft. Wir wurden tatsächlich auf die Liste für einen Rettungsflug am 4. April gesetzt.

Nun hieß es: Sachen packen und Formulare ausfüllen. Die Anreise zum Flughafen mit eigenem Mietwagen wurde nicht gestattet, und somit fuhren wir zum Stadion ins Stadtzentrum, das als Sammelplatz aller Flugpassagiere vorgesehen war.

Der Weg dorthin war irgendwie gespenstisch. Der sonst so belebte, vom Stau geprägte Stadtkern war menschenleer und verlassen. Lediglich ein paar Polizisten waren hier unterwegs.

Am Stadion angekommen, hatten sich bereits einige Menschen versammelt, die bereit waren, ihre Rückreise nach Deutschland anzutreten. Von Sicherheitskräften betreut, ging es in kleinen Gruppen durch ein Metalltor ins Stadion. Dort stellten wir uns jeweils zu zweit für den bevorstehenden Gesundheitscheck in einer Reihe auf. Bis bei jedem Einzelnen die Papiere kontrolliert waren sowie Fieber gemessen wurde, vergingen einige Stunden.

Nach der

Kontrolle

gab es für uns im Aufenthaltsraum eine Kleinigkeit zu essen. Vom Stadion aus ging es mit Bussen Richtung Flughafen. Die Zweierreihen durften jeweils nur mit einer Person besetzt werden, vor dem

Bus

wurden Handschuhe sowie Schutzmasken verteilt.

Nach einer halben Stunde erreichten wir den Flughafen. Einzeln wurden die Busse von der Polizei kontrolliert, entladen und die Personen nach drinnen gebracht. Alles war abgesperrt, hier und da mal ein paar Sicherheitskräfte und Spürhunde. Nach dem Check-in und zwei weiteren Stunden Wartezeit ging es endlich vom Gate ins Flugzeug. Die Besatzung von South African Airways empfing uns eingekleidet in Ganzkörperanzügen mit Haube, Schutzmaske sowie Visier vor dem Gesicht. Elf Stunden Flug standen an und endeten schließlich am Flughafen München. Alle applaudierten dem Flugpersonal, das uns sicher zurück nach Deutschland brachte, zur Landung.

Die Einreise verlief wie gewohnt – mit dem Unterschied, dass wir neben dem Personal die einzigen Gäste weit und breit am Flughafen waren. Nach dem Empfang unseres Gepäcks stand nun noch eine siebenstündige Bahnfahrt vom Süden in den Norden des Landes an.

Hamburg empfing uns mit schönstem Wetter und machte uns somit die Umstellung vom Sommer in den Frühling etwas leichter: Endstation nach 27 Stunden reisen.

Die Rettung aus Südafrika war selbstverständlich etwas nervenaufreibend, rückblickend aber sehr gut organisiert. Alles verlief ruhig und durchdacht, man fühlte sich sicher und gut aufgehoben.

Jetzt sind wir wieder zu Hause und nutzen unsere geschenkte Zeit, um positive Dinge daraus resultieren zu lassen. Natürlich hoffen wir auch das Beste für unsere zweite Heimat Südafrika, ein

Land

, in dem das

Virus

aufgrund der Umstände eine deutlich schwerere Herausforderung für alle darstellt.“

In den letzten Tagen waren Jule Flormann und Marcel Würfel damit beschäftigt, das ebenfalls nach Deutschland zurückgekommene Equipment wie Kites auszupacken und zu sichten.

Über Ostern geht‘s dann für Jule Flormann zu den Eltern nach Neue Tiefe.

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