Bauausschuss kann Meeschendorf-Hotelplaner einen halben Meter weniger abringen

50 Zentimeter besänftigen

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Mit gebührendem Abstand tagte der Bau- und Umweltausschuss am Dienstagabend in der Mensa der Inselschule. Auch für die kommende Stadtvertretersitzung am Donnerstag (28. Mai) soll es laut Bürgermeister Jörg Weber bereits ein Konzept für die Aufteilung geben.

Fehmarn –mb– Eine schwere Geburt. Nach über einstündiger Befassung genehmigte der Bau- und Umweltausschuss der Stadt Fehmarn am Dienstagabend im zweiten Anlauf mit Mehrheit (acht Jastimmen, drei Neinstimmen) das Bebauungskonzept des österreichischen Hotelbetreibers Jufa, der in Meeschendorf ein Familienhotel mit knapp 100 Zimmern plant, baut und betreiben möchte. Für die Jufa, die das Gelände der Erholungsstätte des Kreises Hersfeld-Rotenburg im letzten Jahr für 75 Jahre gepachtet hatte, schafft das Ergebnis Planungssicherheit, wenngleich der Ausschuss hinsichtlich der Gebäudehöhe an das Votum eine Nachbesserung knüpfte. 50 Zentimeter sollen die Gebäude niedriger ausfallen.

  • Viergeschoosiger Mittelbau stand zur Abstimmung
  • Kritik an der Visualierung
  • Fehmarn träumt seit 2003 von einem Hotel

Zur Vorstellung des Konzepts trat zunächst Bauleitplaner Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein nach vorne. Mit Blick auf die städtebauliche und landschaftliche Situation – kritische Stimmen mahnten bis zuletzt eine stärker an die Umgebung angepasste Planung an – sprach Nagel von einem „intensiv genutzten Landschaftsraum“, in den sich das Vorhaben auf einem rund 1,1 Hektar großen Gelände einfüge.

Nachdem ein vierstöckiges, rund 90 Meter langes Gebäude im Bauausschuss Ende Oktober keine Zustimmung fand, standen am Dienstag in der Mensa zwei dreigeschossige Seitenflügel und ein viergeschossiger Mittelbau zur Abstimmung. „Einerseits kompakt, andererseits gegliedert mit einem Innenhof“, beschrieb es der Diplom-Ingenieur. Erfreulich sei zudem, dass der Investor nicht um jeden Preis näher am Strand bauen wolle, sondern bereit sei, das Hotel weiter auf die Nordseite des Grundstücks zu setzen. 59 Meter sind es vom Baufenster bis zur Promenade.

So sei die Grünfläche vergrößert und das Baufenster verkleinert worden. Auf einer Fläche von 2800 m2 sollen somit Gebäude und Terrasse (nur innerhalb des Baufensters möglich) realisiert werden. Darauf habe man sich mit der Politik geeinigt, so Nagel, der abschließend von einer „guten landschaftlichen Einbindung und einer wesentlich schöneren Situation, als es jetzt der Fall ist“, sprach.

„Grafiken verniedlichend und verharmlosend“

Davon wollte Stadtvertreter Heino Kühl (WUW) zunächst nichts wissen und kritisierte aus dem Publikum heraus die teilweise „verniedlichenden und verharmlosenden“ Grafiken aufgrund der Perspektive während der Präsentation. „Das Gebäude ist schon ein gewaltiger Komplex“, so Kühl und monierte auch die Firsthöhe des mittleren Baus mit 15,4 Meter. „Wenn wir das billigen, kriegen wir keine Veränderungen mehr hin“, warnte Kühl und plädierte für eine maximal zweigeschossige Bauweise.

Der von Jufa beauftragte Architekt Franz-Josef Nähring von KBNK Architekten aus Hamburg widersprach: „Die Visualisierung stimmt, wir haben nicht geschummelt.“ Es sei aber tatsächlich eine Frage der Perspektive, so Nähring.

Den eigentlichen Kern der Diskussion leitete Hinnerk Haltermann (CDU) ein, der sich eine geringere Beschattung des östlichen Campingplatzes und eine Reduzierung der Gebäudehöhen wünschte. Marco Eberle (Grüne) schloss nahtlos an: „Die Baukörper im Osten und in der Mitte sind zu hoch.“ Eberles Vorschlag: „Wir müssen uns hier auf eine Schmerzgrenze verständigen.“ Beide, zusammen mit dem Ausschussvorsitzenden Andreas Herkommer (SPD), stimmten mit Nein.

Katherin Kleingarn, der östlich des geplanten Hotels der Campingplatz „Insel-Camp Fehmarn“ gehört, zeigte sich von der Entscheidung sehr enttäuscht. „Ich bin frustriert. Wieso wird nur 50 Zentimeter gefordert?“ Im Bauausschuss im Oktober sei deutlich mehr gefordert worden, so Kleingarn. Zudem sei auch die Vorlage der Stadtverwaltung irreführend, wenn geschrieben stehe, der Vorhabenträger sei der Forderung nachgekommen. Sie kritisierte auch die Aussage des Bauleitplanern Andreas Nagel, in unmittelbarer Nähe gebe es bereits hohe Bauten. „Das ist eine Frechheit und schlichtweg falsch“, sagte die Campingplatzbetreiberin gegenüber dem FT am Telefon.

Mehrheit im Ausschuss weist auf Mehrwert hin

Oben ohne Galerie, ein flacheres Dach – „vielleicht kann so ein knapper Meter gespart werden“, schlug Gunnar Mehnert (WUW) vor und hatte später sogar die Idee, das östliche Gebäude um ein Stockwerk zu reduzieren und im Westen um ein Stockwerk zu erhöhen. „Wie sieht das denn aus?“, warf Bauleitplaner Nagel als rhetorische Frage mit kritischem Blick in die Runde.

Bernd Remling, Marianne Unger (beide SPD), Lars Hviid (FWV) und Martin Specht (CDU) hielten‘s allgemeiner. „Wir sollten unterm Strich fragen, was der Mehrwert des Vorhabens ist für Meeschendorf und die Insel“, fand Hviid die Diskussion eher befremdlich. „Wir haben einen ganzjährigen Betrieb, schaffen Arbeitsplätze und bekommen ein Familienhotel“, brach Hviid eine Lanze für das Vorhaben. Specht stimmte zu. „Wir sind uns doch einig, dass wir uns im Tourismus breiter aufstellen wollen.“ Kleinere Probleme müssten über den B-Plan geschärft werden, aber man müsse sich endlich einigen. Remling sah die Entwicklung der Planung positiv, interessierte sich aber auch für eine verminderte Höhe. Unger hatte nichts an der Höhe auszusetzen. „Mit 15 Meter kann ich leben.“ Jahrelang habe man neidisch auf Heiligenhafen geschaut, „jetzt sollten wir zu Potte kommen“, so Unger. Ähnlicher Tenor vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Werner Ehlers aus den Zuschauerreihen: „Seit 2003 träumen wir von einem Hotel auf Fehmarn – jetzt sind wir nah dran.“

Andreas Herkommer durchschlug mit einer Frage an Architekt Franz-Josef Nähring dann quasi den gordischen Knoten: „Wie tief können Sie runter?“ Nähring hielt insgesamt 50 Zentimeter für realistisch. „Darauf kann ich mich einlassen.“ Der Ausschuss mehrheitlich auch.

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