Ingo Gädechens zehn Jahre im Deutschen Bundestag / Verteidigung und Haushalt im Fokus

Im Zentrum der Demokratie

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Zehn Jahre im Deutschen Bundestag: Ingo Gädechens.

Fehmarn – Von Andreas Höppner Für Fehmarns Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens (CDU) kommt dem 27. Oktober (Sonntag) eine ganz besondere Bedeutung zu. An diesem Tag ist der 59-Jährige zehn Jahre Mitglied im Deutschen Bundestag, dem Zentrum der Demokratie. Das nimmt das FT zum Anlass, mit dem in Niendorf an der Ostsee aufgewachsenen und seit über 30 Jahren auf Fehmarn lebenden Politiker ein Resümee zu ziehen.

An den 27. Oktober 2009 kann er sich noch genau erinnern. Es war der Tag der konstituierenden Sitzung des 17. Deutschen Bundestages in Berlin. Im Anschluss, als schon fast alle Abgeordneten den Plenarsaal verlassen hatten, sei er noch ein wenig in den Reihen sitzen geblieben, um das Gefühl, es geschafft zu haben, ein wenig aufzusaugen. Schließlich war es ihm vier Jahre zuvor im ersten Anlauf nicht geglückt, das Direktmandat zu gewinnen und in den Bundestag einzuziehen. „Nur 580 Stimmen haben gefehlt, eine bittere Niederlage“, erinnert sich Gädechens. Danach habe er sich aber immer gegen seine Mitbewerberin Bettina Hagedorn (SPD) durchgesetzt und dies mit einer kontinuierlich steigenden Zahl von Erststimmen.

Mit Stolz und großem Respekt vor dem, was auf ihn zukommt, habe er vor zehn Jahren seine Arbeit in Berlin aufgenommen. Unterstützt wird er in der Hauptstadt von einem vierköpfigen Team, bestehend aus einer Sekretärin, die von der ersten Minute an dabei ist, sowie drei wissenschaftlichen Mitarbeitern, wobei der Büroleiter auch schon fast zehn Jahre an der Seite von Ingo Gädechens steht.

„Als aktiver Soldat wollte ich in den Verteidigungsausschuss“, so Gädechens, der sich erinnert, dass im Vorfeld viele Gespräche notwendig waren, um in seinen Wunschausschuss zu gelangen. Sein Interesse galt von Beginn an, die Bundeswehrstandorte in Ostholstein zu erhalten. Dass es ihm beim Aufklärungsbataillon 6 in Eutin gelungen sei, freue ihn besonders, schließlich sollte nach damaligen Plänen Eutin mit Torgelow in Vorpommern zusammengelegt werden. „Wir hätten sonst kein Heer mehr in ganz Schleswig-Holstein gehabt“, blickt Gädechens zurück und erinnert sich an zahlreiche nächtliche Telefonate mit dem Verteidigungsminister. Mittlerweile ist der 59-Jährige Obmann seiner Fraktion im Verteidigungsausschuss.

In den ersten beiden Legislaturperioden wirkte Ingo Gädechens als Mitglied auch im Tourismusausschuss mit und verweist auf gefundene Kompromisse bei der heutigen Bäderregelung, aber auch an die Änderung der Baunutzungsverordnung, anhand derer die Vermietung von Ferienwohnungen in Wohngebieten aus der Grauzone herausgeholt wurde. Gädechens: „Es war schon eine Herausforderung, Rechtssicherheit für die Kommunen seitens des Bundes herzustellen.“

Seinen Platz im Tourismusausschuss habe er mittlerweile geräumt und ihn an seine Parteikollegin Astrid Damerow abgegeben, um für die CDU/CSU-Fraktion zusätzlich Verantwortung im sehr wichtigen Haushaltsausschuss, dem sogenannten „Königsausschuss“, wahrzunehmen.

Ingo Gädechens: „Mehr geht nicht“

Seit zwei Jahren also Verteidigungs- und Haushaltsausschuss – „mehr geht nicht“, macht der 59-Jährige deutlich, da vom Arbeitsumfang her auch das zeitliche Limit erreicht sei. Gleichwohl wisse er auch um seine Verantwortung, denn: „Ich bin im Haushaltsausschuss über alle Parteigrenzen hinweg der einzige Abgeordnete aus Schleswig-Holstein.“ Infolgedessen habe er auch einen sehr engen Draht zur Landesregierung. Mit anderen Worten: Es gibt ganz viele Wünsche, die direkt an ihn herangetragen werden.

Für seinen Wahlkreis konnte er viele Bundeszuschüsse einwerben, berichtet der Christdemokrat nicht ohne Genugtuung und nennt unter anderem Projekte aus dem Sonderprogramm Denkmalschutz, wie zum Beispiel für die Kirchen in Bannesdorf, Grube, Landkirchen, das Schloss Eutin – oder aus einem anderen Titel – vier Millionen Euro für das Umwelthaus in Neustadt.

Nicht mehr um Millionen, sondern mittlerweile um Milliarden geht es bei der Finanzierung der Hinterlandanbindung für die Feste Fehmarnbeltquerung (FFBQ) und ein neues Querungsbauwerk für den Fehmarnsund. Erst kürzlich hat der Bundesrechnungshof allein für die Hinterlandanbindung einen Kostenrahmen von rund 3,5 Milliarden Euro prognostiziert, was die Deutsche Bahn postwendend dementierte und lediglich von 1,7 Milliarden Euro sprach. Unabhängig davon, wie hoch der finanzielle Rahmen nun wirklich ausfallen wird, hat der Haushaltsausschuss für den Kreis Ostholstein eine Schlüsselfunktion, um das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen. „Die endgültige Entscheidung beim übergesetzlichen Lärmschutz an der Trasse liegt aber beim Bundestag“, so Gädechens, der überzeugt ist, dass sich die Abgeordneten „den Fakten nicht verschließen“ und zustimmen werden.

„Wir müssen aber auch anderweitig mehr Geld in die Hand nehmen“, weiß Gädechens mit Blick auf geplante Ausgabensteigerungen beispielsweise für die Ressorts Verteidigung und Entwicklungshilfe. Und ganz aktuell: das Klimapaket. Diesbezüglich ist Fehmarns Bundestagsabgeordneter optimistisch, dass die Bundesrepublik als hoch entwickelte Volkswirtschaft auch genügend „innovative Kraft aufwendet, die Beschleunigung des Klimawandels deutlich zu verlangsamen“.

Der Deutsche Bundestag ist mit aktuell 709 Abgeordneten so aufgebläht wie noch nie. Und es gibt Befürchtungen, dass der nächste Bundestag aufgrund der Regelung für Überhang- und Ausgleichsmandate zahlenmäßig noch weiter anwachsen könnte.

Keine schnelle Lösung in Sicht

„Es ist schon eine missliche Situation“, bedauert Ingo Gädechens die Entwicklung. Und die ist markant. Bei Gädechens‘ Einzug in den Bundestag waren es 622 Abgeordnete, 2013 schon 631 und weitere vier Jahre später 709. Wer aber allein in der Reduzierung der Wahlkreise ein Allheilmittel sieht, der macht es sich aus Sicht von Ingo Gädechens zu einfach. So dürfte ein Wahlkreis nicht nur nach der dortigen Bevölkerungszahl definiert werden. Auch die Flächengröße eines Wahlkreises müsste Berücksichtigung finden, meint Gädechens und verweist auf Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern, die einen Wahlkreis von der Größe des gesamten Saarlandes vertreten müssten. An eine schnelle Lösung des Problems glaubt der Christdemokrat nicht so recht, denn das Zeitfenster bis zur Bundestagswahl 2021 sei bereits sehr klein.

Von großer Bedeutung für seine Arbeit in Berlin sei die gute Verbindung zur Basis in seinem Wahlkreis, wo er auf Fehmarn in der ehemaligen Stadt Burg seinen Einstieg in die Kommunalpolitik gefunden hatte. Er führte die CDU-Fraktion, war Erster Stadtrat, Kreistagsabgeord- neter und stellvertretender Landrat. Und seit 16 Jahren ist er Kreisvorsitzender der CDU. „Ich habe unter anderem mit Timo Gaarz einen exzellenten Stellvertreter“, der ihm bei der Gestaltung der Kreispolitik als engagierter Mitstreiter zur Seite steht und auf den er sich absolut verlassen kann, wenn er in Berlin sein muss. „Insgesamt sind wir in der CDU-Kreispartei und Fraktion sehr gut aufgestellt“, so Gädechens.

Privat bezeichnet er seine Frau Cornelia „als Ruhepol und Fels in der Brandung“, mit der er seit 1986 verheiratet ist. Ingo Gädechens räumt ein, dass für Hobbys und Freizeitaktivitäten nur noch wenig Zeit übrig bleibt. „Einen Segeltörn oder auch nur die Teilnahme an der Freitagsregatta, das schaffe ich meistens nicht mehr.“ Die Motorräder wurden auch abgeschafft, dafür geht es „bei Wind und Wetter“ raus zu ausgedehnten Spaziergängen mit dem Hund. Das entspannt und härtet ab. Was er aber weiterhin gerne mal macht, ist einen Raum im Häuschen neu tapezieren.

In Berlin steht aber wohl noch kein Tapetenwechsel an, denn wenn die Gesundheit mitspielt, dann möchte er 2021 ein weiteres Mal antreten, um auch dem 20. Deutschen Bundestag anzugehören.

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