Stadtvertreter wünschen großzügigere Handhabung bei Möblierung / Warten auf Rückkehr des Bürgermeisters

Ziel: Wohlfühlen am Eschenweg

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In den Obdachlosenunterkünften am Eschenweg sind auch zahlreiche Flüchtlinge untergebracht.

FEHMARN - hö - Die teilweise nicht zufriedenstellende Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen dürfte die Kommunalpolitik auch in den kommenden Wochen beschäftigen. Ein Gespräch vor Ort mit einigen Beteiligten in der Unterkunft am Eschenweg hat Stadtvertretern wohl einen ersten näheren Einblick gegeben, doch eine gewisse Ratlosigkeit bleibt.

Bürgervorsteherin Brigitte Brill (SPD) hatte dem Ehepaar Weyelkirchner, das privat Flüchtlinge betreut und in der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung auf die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände im Eschenweg aufmerksam machte, zugesagt, Gespräche führen zu wollen (wir berichteten). Die Beratung, zu der Bettina und Wilfried Weyelkirchner einige Stadtvertreter eingeladen hatten, fand nun in der vergangenen Woche statt. Mit dabei: Marianne Unger (SPD), Margit Maaß (CDU) und Martin Brügmann (CDU) als Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Schule, Sport und Soziales, Asylkoordinator Kurt-Henning Marten und Fachbereichsleiter Günther Schröder von der Stadtverwaltung sowie Deutschlehrer Jürgen Kuhlemann-Lages.

Brigitte Brill zeigte sich persönlich sehr betroffen von der Situation einer sechsköpfigen Familie aus Eritrea. Diese lebe seit drei Jahren auf Fehmarn, sei mittlerweile anerkannt, müsse aber weiterhin beengt in der Obdachlosenunterkunft am Eschenweg wohnen, da sie auf dem freien Wohnungsmarkt keine Wohnung finde.

Die Enge im Eschenweg beschreiben Bettina und Wilfried Weyelkirchner wie folgt: „55 Quadratmeter Wohnraum für ein Elternpaar mit vier schulpflichtigen Kindern. Keine Schreibtische, obwohl beide Eltern den Integrationskurs an der VHS in Oldenburg besuchen und alle Kinder selbst in den Ferien lernen müssen, um in der Schule den Anschluss zu finden, Metalldoppelstockbetten, Werkstattspinde und je ein Stapelstuhl pro Person als Einrichtung.“

Der Familie sei zwar nach Auskunft von Kurt-Henning Marten eine andere Wohnung in den größeren Unterkünften in Vadersdorf und Puttgarden angeboten worden, doch das habe sie nicht gewollt, da sie in Burg integriert sei und hier die Freunde der Kinder wohnten, berichtete Brigitte Brill, das könne sie auch verstehen. Das Ehepaar Weyelkirchner ergänzte, dass die Lebensverhältnisse in der zur Flüchtlingsunterkunft umgebauten ehemaligen Schule in Puttgarden schlechter wären als am Eschenweg. Vor allem aufgrund einer „äußerst negativen Toilettensituation“ aber auch der schlechten Anbindung mit dem ÖPNV.

Dass die Obdachlosenunterkünfte am Eschenweg nur relativ einfach ausgestattet sind, hatte Asylkoordinator Kurt-Henning Marten unlängst damit begründet, dass die Stadt Fehmarn flexibel auf Zuweisungen durch den Kreis Ostholstein reagieren müsse (wir berichteten). Allerdings halten es die Stadtvertreter für angebracht, bei Personen, die länger in der Unterkunft untergebracht sein müssen, weil sie keinen Wohnraum finden, die Frage der Möblierung großzügiger zu handhaben, berichtet Marianne Unger, Vorsitzende des Fachausschusses. Eine Mitte September in Kraft getretene Hausordnung setzt diesbezüglich enge Grenzen. „Wir wollen doch, dass die Menschen sich wohlfühlen“, versichert Unger, die hinsichtlich der Qualität der Unterkunft am Eschenweg sagt, dass die Stadt Fehmarn „kein schlechtes Gewissen zu haben braucht“.

Für Bürgervorsteherin Brigitte Brill und auch Marianne Unger stellt die prekäre Situation auf dem Wohnungsmarkt das größte Problem dar. „Vielleicht müssen wir noch einen Neubau am Eschenweg errichten“, meinte Brigitte Brill. „Wir brauchen einfach mehr Wohnungen“, erinnerte Marianne Unger daran, dass viele Menschen auf der Insel, vor allem auch Alleinerziehende, kaum Wohnraum finden würden.

Sie und die anderen Beteiligten setzen nun auf die Rückkehr von Bürgermeister Jörg Weber aus dem Urlaub. Nach den Herbstferien nimmt er am Montag wieder seinen Dienst auf. Er könnte veranlassen, dass die von ihm unterzeichnete Hausordnung weniger stringent gehandhabt wird.

Bürgermeister Jörg Weber hatte vor seinem Urlaub angekündigt, die Thematik im Hauptausschuss am 6. November zu beraten.

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