Schwimmausbidung in einem Pool
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Die Scheu vor dem Wasser ist weg: Insgesamt 17 Kinder erlangten in diesem Sommer in diesem Pool in Fehmarnsund das Seepferdchen-Schwimmabzeichen.

86 Teilnehmer in Schwimmkursen

Zu viele Nichtschwimmer: DLRG-Ortsgruppe Fehmarn kämpft gegen den Trend

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Die DLRG-Ortsgruppe Fehmarn bringt Menschen das Schwimmen bei und will im technischen Bereich gut ausgebildete Ehrenamtler vorhalten. Nicht immer einfach, erklärt Ortsgruppenchef Hans-Peter Lafrentz.

  • Fehmarn DLRG-Vorsitzender Hans-Peter Lafrentz beklagt Ausbildermangel.
  • Aufgaben bei der DLRG sind zahlreich und vielfältig.
  • Rund 650 Mitglieder hat die Ortsgruppe auf Fehmarn.

Fehmarn – Längst ist die Saison der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an den Stränden beendet, sind die Rettungsschwimmer in ihrer unverkennbaren rot-gelben Bekleidung von den Stränden verschwunden. Pause bis zum Mai 2022. Die Arbeit in den Ortsgruppen kennt indes keine Pause – so auch auf Fehmarn. Der Vorstand, der alle drei Jahre gewählt wird, ist noch bis 2023 im Amt. Das sei aber nur die halbe Miete, weiß der Vorsitzende der Ortsgruppe auf Fehmarn, Hans-Peter Lafrentz. „Es braucht nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer.“ Und so heißt es, Ärmel hochkrempeln an gleich mehreren Fronten.

Wir haben zu wenig qualifizierte Ausbilder.

Hans-Peter Lafrentz, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe

„Wir haben zu wenig qualifizierte Ausbilder“, betont der Vorsitzende. Zudem wolle man die Jugendlichen stärker an das Konstrukt DLRG heranführen. Der Nachwuchs soll also hineinwachsen. Dafür braucht es Fortbildungsangebote, die seit Ausbruch der Pandemie vor fast 20 Monaten immer wieder abgesagt wurden. „Wir haben Interessenten für Lehrgänge“, so Lafrentz.

Zwei motorisierte Schlauchboote sorgen für Auftrieb

Hinzukommt, dass nicht jeder in die Schwimmausbildung gehen wolle, was kein Problem sei, biete die DLRG doch viele Facetten. Funker, Sanitäter, Bootsführer – also der komplette technische Part. Wobei man die eigenen Ziele noch nicht abdecken könne. „Wir waren viele Jahre im Dornröschenschlaf“, so der 58-Jährige. Erst in den letzten vier, fünf Jahren sei man wieder aktiver geworden. Wichtiger Meilenstein für den Wiedereinstieg: zwei IRBs, motorisierte Schlauchboote. 3,5 Meter lang, klein, wendig, relativ schnell, geeignet für den küstennahen Bereich. „Das hat uns wieder einen guten Ruf beschert.“ 

Hans-Peter Lafrentz ist seit August 2020 der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe auf Fehmarn.

Die Aufgaben sind zahlreich und vielfältig. Beispielsweise wenn auf Fehmarn Filme und Serien gedreht werden und die DLRG für Sanitätsdienst und wasserseitige Absicherung hinzugezogen wird. „Wenn ‚Nord bei Nordwest‘ gedreht wird, sind wir dabei“, so der Fehmaraner. Gleiches gilt für Veranstaltungen wie das SUP-Festival im August. Allein beim Surffestival im September sei die Ortsgruppe über 60 Einsätze gefahren, verdeutlicht Lafrentz.

Wir suchen noch Sponsoren, wurden aber durch Corona vollständig ausgebremst.

Hans-Peter Lafrentz, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe

Der nächste Schritt für die hiesige DLRG-Sektion: die Anschaffung eines Ausbildungsbootes. Kostenpunkt: knapp 60000 Euro. „Wir suchen noch Sponsoren, wurden aber durch Corona vollständig ausgebremst“, bedauert der Vorsitzende, zumal man sich vollständig aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziere. Für jedes Mitglied, das dem Verein die Treue halte, sei er entsprechend dankbar.

Ortsgruppe Fehmarn hat rund 650 Mitglieder

Rund 650 Mitglieder hat die Ortsgruppe auf Fehmarn, davon sind etwa 450 älter als 16 Jahre. Vor vier, fünf Jahren waren es insgesamt etwa 850 Mitglieder. Der Jahresbeitrag ist 40 Euro, bis zum 17. Lebensjahr sind es 30 Euro, und als Familie bezahlen Erwachsene 30 und Kinder 20 Euro. Für jedes Mitglied gehen jährlich 18 Euro an den Landesverband.

Ortsgruppen und ZWRD-K – zwei unterschiedliche Angelegenheiten

Passend dazu weist Lafrentz noch auf eine andere Begebenheit hin: „Wir müssen leider immer wieder feststellen, dass viele Menschen nicht wissen, dass die gut ausgestatteten Wachen nicht zur DLRG Fehmarn gehören“, ist laut Lafrentz auch mehr Aufklärungsarbeit nötig in Sachen Abgrenzung zwischen Ortsgliederung und dem Zentralen Wasserrettungsdienst Küste (ZWRD-K), der in der Saison die Rettungsschwimmer an die Strände entsendet.

DLRG im Land Bestandteil des Badesicherheitsgesetzes

Am Ende kann es also auch am Material scheitern, wenn es ums Personal geht. „Die Flutkatastrophe hat gezeigt, wie wichtig gut ausgebildete Ehrenamtler sind“, sagt Lafrentz und ist stolz auf Gunnar Dölling, Leiter Einsatz auf Fehmarn, der über den Katastrophenschutz in Ahrweiler im Einsatz war. „Das wird für uns in naher Zukunft auch ein Thema sein“, erklärt Lafrentz, denn die DLRG ist in Schleswig-Holstein seit letztem Jahr Bestandteil des Badesicherheitsgesetzes, also bei Wasserrettungseinsätzen mit gleichen Rechten wie Feuerwehr und Rettungsdienst ausgestattet, wodurch Personal und Ausrüstung noch wichtiger werden. In einem nächsten Schritt müsse man dafür auch Interessierte mittleren Alters für die DLRG rekrutieren.

Erst ab Bronze ist man ein sicherer Schwimmer

Das andere große Betätigungsfeld der DLRG-Ortsgruppen ist die Schwimmausbildung. Aus Nichtschwimmern in einem ersten Schritt Seepferdchenschwimmer zu machen, damit bestenfalls weitere Schwimmabzeichen folgen können. Erst ab Bronze sei man ein sicherer Schwimmer, erklärt Lafrentz, der auch Leiter der Schwimm- ausbildung bei der DLRG Fehmarn ist. Viele Anfragen bekomme die Ortsgruppe von Acht- bis Zehnjährigen für das Bronze-Schwimmabzeichen, aber auch von 15- und 16-Jährigen für ihre Ausbildung bei Zoll und Polizei. „Ohne deutschen Schwimmpass geht es nicht“, so Lafrentz.

Rund 120 Kinder konnten wir seit diesem Zeitpunkt nicht mehr ausbilden.

Hans-Peter Lafrentz, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe

Auch hier torpedierte die Pandemie elementare Ziele der Lebensretter. Nach der dritten Unterrichtseinheit Mitte März 2020 mussten die Kurse für das gesamte Jahr ausgesetzt werden. „Rund 120 Kinder konnten wir seit diesem Zeitpunkt nicht mehr ausbilden“, so Lafrentz. Gleichzeitig gibt es immer mehr Nichtschwimmer. „Diesem Trend müssen wir entgegenwirken“, mahnt Lafrentz und ist froh darüber, dass seit Ende Oktober wieder Kurse im „FehMare“ in Burgtiefe angeboten werden können. „Allerdings nur auf zwei Bahnen und ohne Absperrung für Schwimmbadgäste“, dämpft der DLRG-Vorsitzende ein wenig die Euphorie. „Wir haben es zähneknirschend angenommen. Es geht ja eigentlich nur um ein paar Stunden in der Woche.“

73 Kursteilnehmer sind es mittwochs von 16 bis 19 Uhr, verteilt auf Seepferdchen, Pirat (Vorbereitung für Bronze), Bronze, Silber, Gold und Juniorretter. Sonnabendmorgen sind es nochmals 13 Teilnehmer im Rettungsschwimmerkurs.

Die Scheu vor dem Wasser ist weg.

Hans-Peter Lafrentz, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe

Einen Lichtblick gab es aber bereits im Sommer dieses Jahres. Nachdem die DLRG-Ortsgruppe einen Aufruf gestartet hatte, auf der Suche nach einem Schwimmbecken fürs Seepferdchen zu sein, wurde man in Fehmarnsund fündig. In einem Pool erlangten 17 der 21 Kinder das See- pferdchen-Schwimmabzeichen. Herausfordernd sei die 1,37 Meter Wassertiefe gewesen. „Da war keine normale Wassergewöhnung möglich, die Kinder haben die Herausforderung aber angenommen und hervorragend gemeistert. Auch bei schlechtem Wetter waren alle anwesend“, so Lafrentz. „Die Scheu vor dem Wasser ist weg, und Spaß haben die Kinder auch gehabt.“

Hans-Peter Lafrentz, Silke Krause und Sohn Peer sowie Andrea Vehstedt und ihre Töchter Mila und Pia ermöglichten das kostenlose Angebot an 26 Tagen in 52 Unterrichtseinheiten.

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