Auf der Suche nach der Lösung für Orth / Stadt Fehmarn setzt auf Ortsentwicklungskonzept

Zugeparktes Kulturdenkmal

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Nicht immer, aber immer öfter zugeparkt sind die Flächen am Kommunalhafen in Orth. Die Stadt Fehmarn setzt für eine nachhaltige Lösung auf das Ortsentwicklungskonzept.

Fehmarn – hö – Der Kommunalhafen in Orth, seit etwas mehr als einem Jahr sogar als Kulturdenkmal gelistet, kann zumindest aus der Vogelperspektive nicht viel idyllischer sein. Ein kurzer Einspieler vor Krimis, die in der ARD ausgestrahlt werden, lässt das Kleinod im Inselwesten über die Mattscheiben zahlreicher Haushalte in der ganzen Republik flimmern. Doch beim näheren Hinsehen ist es mit der Idylle schnell vorbei, wenn Orth einmal mehr von (zu) vielen Ausflüglern angesteuert und zugeparkt wurde.

In Zeiten von Corona hat sich dieses Problem noch einmal potenziert. Die Stadt Fehmarn als Ordnungsbehörde sah sich deshalb veranlasst, an stark frequentierten Wochenenden – Himmelfahrt und Pfingsten – für bestimmte Bereiche Kfz-Halteverbote auszusprechen. Doch auch an ganz normalen Wochentagen geht oftmals nichts mehr im Hafenbereich.

Am westlichen Ortseingang ist im B-Plan Nr. 7 eine große Stellplatzfläche ausgewiesen.

Im Ortsentwicklungskonzept (OEK), das die Stadtvertretung vor vier Wochen auf den Weg gebracht hat, nimmt die Weiterentwicklung des Ortsteils Orth eine bedeutende Rolle ein, sie gehört als Einzelmaßnahme zu den Schlüsselprojekten. Planungsgrundlage ist der B-Plan Nr. 7, den die ehemalige Gemeinde Westfehmarn 1995 aufgestellt hat und für den die Stadt Fehmarn im Oktober 2017 einen Aufstellungsbeschluss für die 1. Planänderung gefasst hat.

In Orth allerdings existieren mehrere Probleme, die gelöst werden müssen. Da gibt es im Kern eine äußerst enge Bebauung, eine für viele unbefriedigende Parkplatzsituation, eine nicht minder verbesserungswürdige Versorgung mit öffentlichen Toiletten und eine kaum existente Barrierefreiheit von Gehwegen. Schließlich greift nach § 35 Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) Mitte des kommenden Jahres die Ausweitung des Küstenschutzstreifens auf 150 Meter.

„Eine Komplexität, die es woanders auf der Insel kaum gibt“, macht Benjamin May, Fachbereichsleiter Bauen und Häfen bei der Stadtverwaltung Fehmarn, die Gemengelage deutlich. Diese spiegelt sich auch in einer Vielzahl unterschied- licher Interessen wider. Dabei sieht May in der Ausweitung des Küstenschutzstreifens noch das geringste Konfliktpotenzial. Hier hält er, sollte es erforderlich werden, Chancen für Ausnahmegenehmigungen für realistisch.

Ralf Sippel vor dem historischen Gebäude am Orther Hafen, das er aufwendig saniert hat.

Um nun auf Basis der 1. Änderung des B-Plans Nr. 7 den Ortsteil Orth mithilfe der im OEK verankerten Handlungsempfehlungen nachhaltig zu entwickeln, sieht die Stadt Fehmarn ihre Aufgabe zunächst einmal darin, die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen. Stadtplanerin Claudia Parge aus dem Fachbereich Bauen und Häfen hält deshalb eine „externe Moderation“ für hilfreich. Hierfür sollen über das OEK Fördermittel beantragt werden. Sie geht aber davon aus, dass diese Form der Öffentlichkeitsbeteiligung in diesem Jahr nicht mehr durchgeführt werden kann.

"Architektonischer Wolpertinger"

Dass es umfassenden Gesprächsbedarf gibt, davon ist beispielsweise Ralf Sippel aus Orth überzeugt. Er als Grundstückseigentümer und Anwohner in unmittelbarer Hafennähe sieht viele Ungereimtheiten in der bisherigen Planung. Festsetzungen des B-Plans seien teilweise nicht berücksichtigt worden, bemängelt er. Auch den beabsichtigten Bau eines Apartmenthauses mit integriertem öffent- lichen WC am südlichen Hafenplatz sieht er überaus kritisch und tituliert das Projekt abfällig als „architektonischen Wolpertinger in 1-a-Lage“. Aus seiner Sicht sei der Ursprungsplan des Architekten Senfft aus dem Jahr 1995 hingegen ausgesprochen weitsichtig angelegt gewesen und verwies auf die Ausweisung eines großen Parkplatzes mit rund 300 Stellplätzen und einer öffentlichen WC-Anlage am westlichen Ortseingang. Und, so Sippel mit Nachdruck, im B-Plan Nr. 7 sei der Hafenplatz als Fußgängerzone ausgewiesen.

Die Realität sieht hingegen etwas anders aus: Der Hafenplatz ist in diesen Tagen regelmäßig zugeparkt. Für Sippel „eine unvertretbare Zumutung“ und Folge der „peinlichen allgemeinen Bemühungen um Orth“.

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