Vorhabenträger vertrösten auf Januar, wenn die finale Querungsvariante feststehen soll

Zukunft Sundbrücke bleibt offen

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„Die Drillinge von Fehmarn“: So nannte DB Netz-Projektleiter Bernd Homfeldt die Variante einer getrennten Schrägseilbrücke samt Erhalt der jetzigen Fehmarnsundbrücke im Hintergrund, die östlich des Neubaus liegen würde.

Oldenburg/Fehmarn – Von Manuel Büchner – Hat das 960 Meter lange Wahrzeichen Schleswig-Holsteins, das Fehmarn mit dem deutschen Festland verbindet, eine Zukunft, oder wird die Fehmarnsundbrücke mit der Fertigstellung des neuen Querungsbauwerkes abgerissen? Eine Frage, die eigentlich von den Vorhabenträgern Deutsche Bahn (DB) und Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) bei der gestrigen Sitzung des Dialogforums Feste Fehmarnbeltquerung beantwortet werden sollte. Fehlanzeige.

Obwohl ein entsprechender Spannungsbogen von der DB aufgebaut wurde, zuletzt bei der Sondersitzung des Dialogforums zu den vier Vorzugsvarianten, reduzierte sich die Aussage von DB Netz-Projektleiter Bernd Homfeldt auf die Feststellung, die jetzige Brücke könne durchaus weiter Verwendung finden für langsame Verkehre (Fußgänger, Radfahrer, Landwirtschaftsfahrzeuge). Besonders interessant scheint dieses Szenario für eine Tunnellösung zu sein, da sich dann der Querschnitt verringern würde, so Homfeldt. Regionalmanager Jürgen Zuch fragte nach den Bauzeiten. Brücken und Absenktunnel etwa fünf Jahre, Bohrtunnel bis zu elf Jahre, antwortete Homfeldt. Hinsichtlich der Beteiligung der Region am Findungsprozess, der sich bereits auf der Zielgeraden befindet, gibt es im Dialogforum weiterhin Unzufriedenheit. Im Januar soll die endgültige Querung feststehen. Diese werden die Vorhabenträger zunächst dem Bundesverkehrsministerium als Auftraggeber vorstellen. „Wenn wir das Okay haben, gehen wir an die Öffentlichkeit“, erklärte der Projektleiter. Auch erst dann soll das endgültige Schicksal der Sundbrücke feststehen.

Landrat Reinhard Sager nutzte nochmals die Gelegenheit, sich zum Prozess der Entscheidungsfindung für den Kreis zu positionieren: „Wir wollen auf keinen Fall, dass in Berlin entschieden wird, wie die neue Querung aussieht.“ Die Bahn müsse prüfen, inwieweit es ein eigenes Gewichtungsmodell der Region geben könne, um deren Interessen abbilden zu können.

Dr. Thilo Rohlfs, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, erinnerte daran, dass es sich „um keine triviale Entscheidung handelt“. Vielmehr sehe man hier schon Vorarbeit für das spätere Planverfahren. Zudem gebe es keinerlei Vorfestlegung für einen Favoriten durch das Ministerium. „Wir sind gespannt auf den weiteren Prozess.“ Da Rohlfs aber auch Staatssekretär für Tourismus ist, konnte er sich immerhin einen Kommentar nicht verkneifen: „Die Variante, dass die langsamen Verkehre durch den Tunnel gehen, können wir uns nicht vorstellen.“

Bleibe die Brücke schließlich erhalten, seien doch für das Land Schleswig-Holstein noch einige Fragen – insbesondere zur Unterhaltung der Brücke – zu klären, bis hin zur grundlegenden Frage: „Was übernehmen wir da eigentlich?“, machte Rohlfs deutlich. Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber nahm sich und seine Kollegen mit Blick auf die Straßenbaulast vorsichtshalber schnell aus dem Rennen. „Bitte denken sie dabei nicht an die Kommunen.“

Auch an der DB-Prognose, die Brücke könne für langsame Verkehre 130 Jahre weitergenutzt werden, zeigte sich der Staatssekretär interessiert. „Das ist doch deutlich am oberen Ende der Lebenserwartung.“ Britta Lüth vom LBV erklärte: „Die großen Lasten durch die Schiene fallen weg. Auch das Eigengewicht würde durch die notwendigen Umbaumaßnahmen sinken.“ Die Prognose gehe natürlich immer mit den weitergehenden Instandhaltungsmaßnahmen einher, so Lüth.

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