Rund 100 Ehren- und Hauptamtliche feierten in Kirche und Gemeindehaus

Zweiter Ehrenamtstag bei St. Nikolai

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Pastorin Dr. Susanne Platzhoff hieß die Gäste nach der Predigt im Gemeindehaus willkommen und mischte sich anschließend wie Pastorin Bettina Axt (r.) unters Volk.

Fehmarn –wa– Trotz des grauen Wetters war der Sonntag für knapp 100 ehrenamtliche Helfer und die hauptamt- lichen Kirchenmitarbeiter ein wunderschöner Tag. Die Kirchengemeinde St. Nikolai hatte nach 2019 zum zweiten Mal all diejenigen eingeladen, die sich im Laufe des Jahres in ganz verschiedenen Missionen für die Kirche engagieren. Nicht nur gemeinsam feiern, „sondern uns feiern“, brachte es Pastorin Bettina Axt auf den Punkt.

Der Tag begann mit einem Gottesdienst, in dem die beiden Pastorinnen Dr. Susanne Platzhoff und Bettina Axt allen, die sich um die Kirche verdient machen, ihren Dank aussprachen. In ihrer Predigt ging Pastorin Platzhoff auf das Ehrenamt ein. Neben all den schlechten Nachrichten dieser Tage gebe es auch eine gute. Rund 16 Millionen Menschen seien in Deutschland ehrenamtlich tätig, sei es für Kinder, Senioren, in Sportvereinen oder bei der Feuerwehr. „Fast jeder Fünfte engagiert sich. Das ist doch eine beachtliche Zahl“, freute sie sich. „Und auch bei uns in der Kirche gibt es viele ehrenamtliche Helfer. Es sind 175, die sich regelmäßig in die Arbeit von St. Nikolai einbringen. Sie sind das Rückgrat unserer Gemeinde“, ergänzte sie.

„Was wäre ein Seniorennachmittag ohne Kaffee und Kuchen und die hübsch gedeckten Tische? Was wäre ein Open-Air-Gottesdienst ohne den Posaunenchor? Was wäre ein Familiengottesdienst ohne die Kirchenband oder der Heilig-Abend-Gottesdienst ohne das Krippenspiel?“

Selbstverständlich ließ Platzhoff auch die Mitarbeiter der Fehmarn-Tafel nicht unerwähnt. Sie sorgten schließlich dafür, dass viele Menschen satt würden, schenkten ihnen ein freundliches Wort und Würde. Und es gebe noch viele mehr, die das Gemeindeleben maßgeblich mitgestalteten, darunter die Chöre, die Gottes Botschaft zu Gehör brächten oder die Lektoren, die dafür sorgten, die Bibeltexte zu verdeutlichen und klar machten, „dass die Bibel allen gehöre, nicht nur uns Pastoren“, fügte sie lachend hinzu.

Viele verschiedene Formen des Ehrenamts

Aber auch die Geburtstagsbesucher seien nicht zu vergessen, die weniger sichtbar, aber für die Menschen, die sie besuchten, sehr wichtig seien, da sie ihnen eine Abwechslung und Freude bereiteten. Und da seien noch die Teamer, die die Konfirmanden auf ihrem Weg zur Konfirmation begleiteten, und die Senioren, die jede Woche als Lesepaten die Zweitklässler der Burger Grundschule besuchten, um sie beim Lesenlernen zu unterstützen, oder der Kirchengemeinderat, der sich aus Haupt- und Ehrenamt- lichen zusammensetze, die in viel gemeinsamer Arbeit unter anderem dafür gesorgt hätten, dass vor nicht allzu langer Zeit die Dächer von Kirche und Sakristei erneuert werden konnten und das Gemeindehaus entrümpelt werden konnte und sich jetzt noch schöner präsentiere, fügte die Pastorin hinzu und ergänzte: „Wir als Gemeinde brauchen zwar viele verschiedene Formen des Ehrenamts. Allen Ehrenamtlichen gemeinsam jedoch ist ihre Motivation. Sie haben Spaß daran, zu helfen, mit Menschen zusammenzukommen und sich einzubringen.“

So zitierte Platzhoff aus dem 1. Korintherbrief: „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen“, und fügte hinzu: „Mit diesen Gaben ergänzen wir uns und bilden eine Gemeinschaft, wie sie Gott gefällt. Wenn wir auch vieles, was auf der Welt passiert, nicht beeinflussen können, hier vor Ort können wir Einfluss nehmen. Ihr seid das Licht dieser Gemeinde. Weil ihr nicht nur an euch selbst denkt, bringt ihr Licht in das Leben anderer, setzt euch für sie ein und schenkt ihnen Zeit.“

Im Anschluss an den Gottesdienst ging die Feier im hübsch gedeckten Gemeindesaal munter weiter. Das köstliche Büfett mit Kasseler, Roastbeaf, Bratkartoffeln und Salaten sowie Kuchen – da blieben keine Wünsche offen und alle Gäste ließen es sich gut schmecken. „Das Essen und die Kuchen haben wir glücklicherweise zu sehr guten Konditionen bekommen“, freuten sich die Pastorinnen. Dazu anregende und interessante Gespräche, bei denen man zum Beispiel erfuhr, dass es möglich ist, auch mal eine Besteigung des Kirchturmes anlässlich eines Kindergeburtstages zu machen.

Und dann kam Erzählkünstlerin Alexandra Kampmeier aus Hamburg. Die gebürtige Ostwestfälin hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihrem Publikum nicht einfach eine Geschichte zu erzählen. Nein, das wäre ja auch nichts Besonderes. Sie wird beim Erzählen selbst zu den einzelnen Figuren. Lautmalerisch, mit ausdrucksstarker Gestik und Mimik meint man, jeden einzelnen Charakter in ihr zu erkennen. Großartiges Kino.

Die gelernte Reiseverkehrskauffrau erzählte auch ein bisschen aus ihrem Leben, von ihren Erfahrungen und dem Tod einer lieben Freundin, die sie dahin gebracht hätten, das zu machen, was sie machen wollte – schon als Kind hätten sie Geschichten und Märchen extrem fasziniert und später habe sie in Spanien einer Geschichtenerzählerin zuhören dürfen. So sei sie dazu gekommen, die Ausbildung zur Märchenerzählerin zu absolvieren. Und man merkte ihr an, dass es ihr viel Freude bereitet, den Menschen Geschichten zu vermitteln.

Das Glück direkt vor der Nase

„Menschen brauchen etwas, um zu sehen, dass das Glück direkt vor ihrer Nase liegt“, erklärte sie und hatte ein spezielles Programm mit sechs ganz unterschiedlichen Geschichten für diesen frühen Nachmittag im Gepäck. Zur Einstimmung gab es die Geschichte von Frau Mond, die zwei Freunde hat, den einen, der gut kochen kann, sodass sie, wenn er zu Besuch ist, immer so wunderbar zunimmt, und den anderen, der dafür sorgt, dass sie wieder abnimmt.

Eine weitere Geschichte handelte von der armen Mutter, die auf einem Markt Brot für ihre Kinder stiehlt und dabei von einem Soldaten erwischt wird, der sie hinrichten lassen will. Sie ersinnt eine schlaue List, mit der sie den König schließlich dazu bringt, sie gehen zu lassen. Auch eine großartige Geschichte über die Entstehung von Gerüchten fehlte nicht. Die Gäste hatten sehr viel Spaß und es gab viel Gelächter.

Alexandra Kampmeier gelingt es nicht nur, die Fantasie ihrer Zuhörer, oder besser gesagt Zuschauer, anzuregen, sie performt so lebendig, dass man meinte, die Charaktere ihrer Geschichte direkt vor sich zu haben. Und gegen 15 Uhr ging ein erfüllender zweiter Ehrenamtstag zu Ende.

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