23-Jähriger gesteht, seine Freundin im Februar mit 34 Messerstichen getötet zu haben

Zwölf Jahre Haft wegen Totschlags

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Der Angeklagte, hier beim Prozessauftakt im August, ist gestern zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Lübeck/Gremersdorf – Von Eva-Maria Mester (DPA) Sie war selbstbewusst und wollte ihr Leben genießen. Weil ihr Freund damit nicht klar kam, musste eine 28 Jahre alte Frau im Februar sterben. Nach einem heftigen Streit tötete ihr 23 Jahre alter Freund sie mit einem mitgebrachten Küchenmesser auf einem einsamen Feldweg zwischen Weissenhäuser Strand und Heiligenhafen. „Sie hat mich beschimpft und beleidigt, da bin ich ausgerastet“, hatte der aus dem Irak stammende Angeklagte im Prozess ausgesagt. Am Dienstag verurteilte ihn die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Lübeck wegen Totschlags zu zwölf Jahren Gefängnis.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten lebenslange Haft wegen Mordes gefordert, die Verteidigung acht Jahre wegen Totschlags. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass der Angeklagte seine aus dem Iran stammende Freundin am frühen Morgen des 16. Februar auf einem abgelegenen Feldweg bei Gremersdorf zunächst gewürgt und etwa 15 Meter weit in ein Gebüsch gezogen hatte. Dort stach er mit einem mitgebrachten Küchenmesser 34 Mal auf die junge Frau ein. Stichverletzungen an Hals, Nacken und Oberkörper führten zum Tod des Opfers.

„Das planvolle Verhalten des Angeklagten vor und nach der Tat spricht gegen eine Tat im Affekt“, sagte der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Christian Singelmann, gestern. Täter und Opfer hätten sich zuvor zu der nächtlichen Autofahrt verabredet, um zu reden, sagte Singelmann. Kurz zuvor hatte der Angeklagte von seinem Auto aus beobachtet, wie die Frau von einem Liebhaber nach Hause gebracht wurde. „Wir sind deshalb davon ausgegangen, dass das Opfer nicht völlig arglos zum Angeklagten ins Auto stieg“, sagte der Vorsitzende.

Für eine Verurteilung wegen Mordes, wie von der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage gefordert, hätte dem Angeklagten nachgewiesen werden müssen, dass er die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt oder aus niederen Beweggründen gehandelt hat. „Beides war nicht mit der erforderlichen Sicherheit möglich“, sagte Singelmann. Der Angeklagte und die junge Frau hatten sich im August 2018 in Oldenburg kennengelernt. Ihre Beziehung war geprägt von der Lebenslust der 28-Jährigen und der extremen Eifersucht des Mannes. „Er kontrollierte sie und ihr Handy“, sagte der Richter. In seinem Geständnis hatte der 23-Jährige die Tat als Kurzschlusshandlung dargestellt. Seine Freundin habe ihn beschimpft und beleidigt, hieß es in der Erklärung. „Sie sagte, sie habe versucht, von einem anderen Mann schwanger zu werden, um mir das Kind unterzuschieben“, hatte er ausgesagt. „Aber ich bereue zutiefst, was ich getan habe“, sagte er.

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