Unheilbare Störung?

Sie knirschen nachts ständig mit den Zähnen? Das steckt wirklich dahinter

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Wer oft Zähne knirscht, sollte dringend einen Zahnarzt aufsuchen. Der klärt ab, ob es sich um Bruxismus handelt.

Wer in der Nacht Zähne knirscht, der leidet unter "Bruxismus". Welche Anzeichen Sie hellhörig werden lassen sollten und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Kennen Sie das? Sie wachen mitten in der Nacht auf, weil Sie mit den Zähnen knirschen. Am nächsten Tag schmerzt Ihr Kiefer. Oder aber es fällt Ihnen bei Ihrem Partner oder Familienmitglied auf. Der eine knirscht mit den Zähnen nur in der Nacht, andere sogar tagsüber. Doch woran liegt das? Stimmt etwas mit den Beißerchen nicht? Schließlich erklärten Zahnärzte den betroffenen Patienten früher: "Wer mit den Zähnen knirscht oder sie aufeinanderpresst, dessen Biss ist nicht in Ordnung."

Bruxismus: Sie knirschen nachts mit den Zähnen? Dann kann Stress daran schuld sein

So gingen die Ärzte davon aus, dass dem Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, wohl eine Zahnfehlstellung zugrunde liegt. Aus diesem Grund wurden Zähne früher teilweise abgeschliffen oder erhöht, um so die Position der Zahnreihen zu verändern. "Eine Fehlstellung des Gebisses spielt mit ziemlicher Sicherheit keine Rolle für die Entstehung von Bruxismus", entgegnet allerdings Professor Marc Schmitter von der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Uniklinikum Würzburg.

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Stattdessen gehen die Forscher heute davon aus, dass zu viel Stress ein möglicher Auslöser von Bruxismus sein könnte. So soll das zentrale Nervensystem das unwillkürliche Zähneknirschen beeinflussen. "Unter psychischer Belastung fängt man an, die Zähne zusammenzubeißen", erklärt Professor Olaf Bernhardt von der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie in Greifswald. Aber Bruxismus kann den Forschern zufolge auch genetisch bedingt sein. Andere Ursachen sollen zudem der Konsum von Psychopharmaka, Kaffee oder Nikotin sein.

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Video: Hellt Aktivkohle wirklich die Zähne auf?

Bruxismus: Diese Symptome und Anzeichen sollten Sie stutzig werden lassen

Eine Begradigung der Zähne macht also nur dann Sinn, wenn die Zähne eines "Bruxers" durch den Vorgang bereits stark beschädigt wurden. Doch nicht nur die Zähne können in Mitleidenschaft gezogen werden, zudem leiden Bruxismus-Patienten durch die starke Anspannung der großen Kiefermuskeln unter weiteren (schmerzhaften) Symptomen wie:

  • Kieferschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Druck auf den Ohren
  • Tinnitus
  • Nackenschmerzen
  • Gefühl von Benommenheit

Wenn Sie diese Symptome verspüren, sollten Sie am besten so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen. Dieser wird Ihr Gebiss auf typische Anzeichen untersuchen. Diese sind:

  • abgekaute Zähne
  • vergrößerte Kaumuskeln
  • Abdrücke der Zähne in Wange und Zunge

Therapie bei Bruxismus: Warum Zahnschienen und Entspannungstechniken helfen

Wer im Schlaf Zähne knirscht, dem wird der Zahnarzt schließlich zu einer Zahnschiene raten. "Sie schützt nicht nur die Zähne, sondern vermindert bei 50 bis 75 Prozent der Patienten auch die Aktivität der Kiefermuskeln in der Nacht", sagt Experte Bernhardt gegenüber der Apotheken Umschau. Die Kosten für die Schiene werden in den meisten Fällen von der Krankenkasse übernommen.

Allerdings werden manche Zahnärzte eine Funktionsdiagnostik des Kiefers anfordern. Dies müssen Sie aus eigener Tasche bezahlen - meist kostet die Untersuchung zwischen 120 und 250 Euro. Es ist ratsam, die Schiene in fünf aufeinanderfolgenden Nächten zu tragen und danach zwei Tage Pause zu machen. "Das reduziert die Muskelaktivität besser als dauerhaftes Tragen", so Bernhardt weiter.

Außerdem empfiehlt es sich, Stress im Alltag zu reduzieren, indem man sich öfter Pausen einräumt oder Entspannungstechniken vor dem Schlafengehen übt. "Heilen kann man Bruxismus nicht", räumt Professor Bernhardt allerdings ein.

Doch eine gute Nachricht gibt es: Angeblich soll sich die Störung mit der Zeit von alleine bessern. Schließlich leiden vor allem junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren unter Bruxismus. Im fortgeschrittenen Alter zeige sich die Störung dagegen seltener.

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jp

Bruxismus: Darum knirschen wir mit den Zähnen

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