Eine Seniorin hält ihr Impfbuch mit dem Aufkleber einer Schutzimpfung gegen Covid-19 vom Hersteller Biontech/Pfizer in der Hand.
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Eine Seniorin hält ihr Impfbuch mit dem Aufkleber einer Schutzimpfung gegen Covid-19 vom Hersteller Biontech/Pfizer in der Hand. Die meisten vertragen die Impfstoffe gut, doch allergische Reaktionen sind in sehr seltenen Fällen möglich.

Sehr seltene Beschwerden

Allergische Reaktionen nach Corona-Impfung? Was Allergiker beachten müssen

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Seit Ende Dezember 2020 wird in Deutschland gegen Corona geimpft. Die Impfstoffe gelten als gut verträglich. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu allergischen Reaktionen. 

  • In der Europäischen Union (EU) sind drei Impfstoffe gegen Covid-19 zugelassen. Die Hersteller hinter den Präparaten sind Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Letzterer Impfstoff erhielt seine EU-Zulassung allerdings erst am 30. Januar 2021.
  • In den klinischen Phase-III-Impfstudien der Hersteller Moderna sowie Biontech/Pfizer hatte sich gezeigt, dass beide Präparate verträglich sind und wirksam eine Covid-19-Erkrankung verhindern können, wie unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) informierte. Zwar wurden auch Nebenwirkungen* nach der Impfung beobachtet, allerdings waren diese in der Regel harmlos.
  • In sehr seltenen Fällen kam es allerdings zu schwerwiegenden Beschwerden nach der Impfung, etwa allergischen Reaktionen wie Enge-Gefühl im Hals oder Luftnot durch Schwellung im Rachen.

Jede Substanz kann theoretisch eine Allergie auslösen. Bei Impfungen gelten Bestandteile wie tierische Proteine, antimikrobielle Wirkstoffe, Konservierungsmittel, Stabilisatoren und das in Vektorimpfstoffen enthaltene Antigen als potentielle Auslöser von allergischen Reaktionen. Auch nach Corona-Impfungen wurden diese beobachtet – allerdings sehr selten. In 11,1 Fällen pro einer Million Impfungen mit der Biontech-mRNA-Impfung Comirnaty (auch BNT162b2) wären schwere anaphylaktische Reaktionen beobachtet worden, wie das Ärzteblatt das US-Center of Disease Control and Prevention (CDC) und die Food and Drug Administration (FDA) zitiert. In ihrer Studie geben die Autoren an, dass es sich bei den meisten betroffenen Personen um Allergiker gehandelt habe.

Schwere allergische Reaktionen nach Corona-Impfung in elf von einer Million Fällen

Wie Springer Medizin meldete, informierte die britische Arzneimittelbehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) im Dezember 2020 über schwere allergische Reaktionen bei zwei Mitarbeitern des englischen Gesundheitssystems National Health Service (NHS). Nach der Impfung mit dem Biontech-Präparat BNT162b2 war es zu heftigen allergischen Reaktionen gekommen, die aber schnell erfolgreich behandelt werden konnten, heißt es. Springer Medizin zufolge waren beide NHS-Mitarbeiter vorbelastet und hatten in der Vergangenheit bereits heftige allergische Reaktionen erlitten.

Die beiden gemeldeten Fälle führten in Großbritannien zur behördlichen Empfehlung, Personen nicht gegen Corona zu impfen, bei welchen in der Vergangenheit schwere allergische Reaktionen gegen einen Impfstoff, ein Medikament oder ein Lebensmittel aufgetreten waren. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel sowie die Europäische Arzneimittelbehörde EMA haben die Datenlage geprüft und kommen dem PEI zufolge zu dem Ergebnis: „Nach der derzeitigen Datenlage ist ein generell erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen für Personen mit vorbekannten allergischen Erkrankungen bei Impfung mit Comirnaty nicht abzuleiten. Daher sieht die Zulassung der Europäischen Kommission bei bekannten Allergien gegenüber Lebensmitteln und Medikamenten keine Kontraindikation gegen die Impfung vor“. Kurz: Eine Allergie spricht nicht gegen eine Corona-Impfung – außer es handelt sich um eine Allergie gegen Substanzen im Impfstoff.

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Im Video: Allergische Reaktion nach Covid-Impfung

Allergisch auf PEG? Was gegen eine Corona-Impfung spricht

Wer auf einen Bestandteil der Corona-Impfung wie etwa Polyethylenglykol (PEG) allergisch ist und/oder eine allergische Reaktion nach der ersten Impfdosis entwickelt hat, sollte nicht geimpft werden bzw. die zweite Dosis erhalten, wie das PEI warnt. Grundsätzlich solle jeder Geimpfte mindestens 15 Minuten nach der Impfung medizinisch überwacht werden. Um allergische Reaktionen wie einem anaphylaktischen Schock vorzubeugen und im Fall des Falles sofort handeln zu können, müssen Menschen über mögliche allergische Reaktionen nach einer Corona-Impfung aufgeklärt werden, wie aus einer Stellungnahme der deutschen allergologischen Gesellschaften AeDA (Ärzteverband Deutscher Allergologen), DGAKI (Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie) und GPA (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin) hervorgeht. Auch das Abfragen der Krankheitsgeschichte in Hinblick auf allergische Reaktionen auf in Impfstoffen verwendete Zusatzstoffe wie PEG solle erfolgen. Auch müsse Personal, das Covid-Impfungen durchführt, immer die nötigen Medikamente parat haben, falls es zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommt. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Mehr Quellen: https://www.springermedizin.de/covid-19/allergien-und-intoleranzreaktionen/schwere-allergische-reaktionen-nach-covid-19-impfung-mit-dem-imp/18696458; https://www.pei.de/DE/newsroom/positionen/covid-19-impfstoffe/stellungnahme-allergiker.html; https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-stellungnahme-zu-allergischen-reaktionen-122713/; https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bislang-21-anaphylaxien-nach-der-corona-impfung-in-den-usa-122885/

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Weiterlesen: Tod kurz nach Corona-Impfung: Daran verstarben die Menschen wirklich.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
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