HIV-Medikamente - hier eine Pille mit dem Wirkstoff Emtricitabin - lähmen HI-Viren und verhindern so den Ausbruch von AIDS.
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HIV-Medikamente - hier eine Pille mit dem Wirkstoff Emtricitabin - lähmen HI-Viren und verhindern so den Ausbruch von AIDS.

Medizinischer Fortschritt

Durchbruch in Brasilien: Erster Mensch durch Medikamente frei von HIV - Anti-Aids-Pille könnte Krankheit bald ganz ausrotten

Eine HIV-Infektion kann Aids auslösen: Ein Virus schwächt das Immunsystem derart, dass es Krankheitserreger nicht mehr abwehren kann. Der Fall eines Brasilianers macht jetzt Hoffnung.

  • Ist Aids endlich heilbar? Ein Brasilianer, der jahrelang mit HIV-Medikamenten* behandelt wurde, ist seit einem Jahr HIV-frei.
  • Damit ist er der erste Mensch, bei dem Medikamente langfristig diesen Effekt haben.
  • Auch in Hinblick auf die Prävention machen Mediziner Fortschritte: So soll eine Pille so gut gegen eine HIV-Infektion schützen können wie Kondome.

Update vom 9. Juli 2020: Ein 34-jähriger Brasilianer, der an Aids erkrankt ist, ist möglicherweise durch medikamentöse Behandlung geheilt worden. Wie die Bild aktuell berichtet, könnte der Mann der erste Mensch sein, der durch Medikamente geheilt wurde - sofern auch zukünftige HIV-DNA-Tests negativ ausfallen. Bei dem Brasilianer wurde 2012 die Diagnose HIV-positiv gestellt, HIV steht für Humane Immundefizienz-Virus, das eine schwere Immunschwäche beim Menschen auslöst. Behandelt wurde der Mann seitdem mit diversen HIV-Medikamenten: unter anderem einem Integraseinhibitor (Dolutegravir) und einem CCR5-Blocker (Celsentri), der den Eintritt von HIV in die Zelle blockiert. „Beide Medikamente sind ganz gut verträglich. Zusätzlich erhielt er dann noch Nicotinamid (Vitamin B3)„ zitiert die Bild Armin Schafberger von der Deutschen Aids-Hilfe. Seit über einem Jahr nehme der Mann die Medikamente nicht mehr ein und trotzdem ist das Virus nicht mehr nachweisbar.

Allerdings gibt Schafberger zu bedenken: Es sei möglich, dass eine mit HIV infizierte Zelle nach zwei oder drei Jahren wieder aufwacht. Und auch fehlen im Fall des Brasilianers Testergebnisse von Zellen aus Lymphknoten, Nervengewebe und Darmschleimhaut, mit denen sichergestellt werden kann, dass auch in Geweben, in denen sich HIV versteckt, nichts mehr auffindbar ist.

Update vom 25. November 2019: Heute startet in Bayern die HIV-Testwoche. Die Staatsregierung wirbt noch bis 1. Dezember 2015 (Welt-Aids-Tag) dafür, einen HIV-Test machen zu lassen. Dieser ist in allen Gesundheitsämtern in Bayern anonym und kostenfrei möglich. Zum Hintergrund: Wird eine HIV-Infektion frühzeitig erkannt und behandelt, kann der Ausbruch von AIDS verhindert werden.

Artikel vom 22. November 2019: Es gibt sie bereits seit 20 Jahren: die Anti-Aids-Pille, kurz PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe). Sie wurde lange Zeit nur für die Behandlung der Krankheit eingesetzt. Doch sie wirkt auch präventiv - kann also vor einer Ansteckung mit HI-Viren schützen. Das Präparat wurde 2012 zur Prävention unter dem Markennamen Truvada in den USA zugelassen und ist seit 2016 auch in Europa erhältlich.

Rezeptpflicht: Ärzte können PrEP verschreiben

In Deutschland bekommt man die PrEP in Form von Pillen in der Apotheke - sofern man ein Rezept vom Arzt hat. Zugelassene Ärzte können die Anti-Aids-Pillen zum Schutz vor HI-Viren verschreiben - dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das Medikament und die nötigen Untersuchungen, wie die Deutsche Aidshilfe schreibt.

Die enthaltenen Wirkstoffe in dem Arzneimittel, unter anderem Emtricitabin, lähmen Humane Immundefizienz-Viren (kurz HIV). Diese schädigen unbehandelt die körpereigenen Abwehrkräfte, was im schlimmsten Falle lebensgefährliche Krankheiten wie schwere Lungenentzündungen zur Folge haben kann. Sind derartige Erkrankungen bereits ausgebrochen, sprechen Mediziner von AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), das übersetzt so viel heißt wie "erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom".

HIV-Klinik in London setzt Anti-AIDS-Pille erfolgreich ein

HIV-Medikamente wie PrEP unterdrücken das HI-Virus im Körper und verhindern so den Ausbruch von AIDS: "Mit HIV können die meisten Menschen dank Behandlung gut und lange leben", so Heike Gronski, Fachreferentin "Leben mit HIV" der Deutschen Aidshilfe. Mit der Entwicklung von Medikamenten ist die Medizin im Kampf gegen AIDS zwar weit fortgeschritten, dennoch kommt es immer wieder zu neuen Infektionen. Der Einsatz von PrEP könnte die Krankheit aber gänzlich verschwinden lassen, wie das Schweizer Portal NZZ am Sonntag berichtete - vergleichbar mit der Einführung von Impfstoffen gegen Kinderlähmung (kurz Polio).

Im Video: Experten wagen Prognose, dass AIDS in zehn Jahren besiegt sein könnte

Eine HIV-Klinik in London gibt eine positive Prognose ab: Dort geben britische Mediziner bereits seit 2015 PrEP an Risikogruppen ab, wie NZZ am Sonntag schreibt. Seither sei ein Rückgang der HIV-Neuansteckungen von satten 80 Prozent verzeichnet worden.

Lesen Sie auch: Sensation: Wohl dritter HIV-Patient durch Stammzellen-Therapie virenfrei - ist Aids bald heilbar?

PrEP schützen nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten

Homosexuelle Männer sind besonders gefährdet, sich mit HI-Viren anzustecken, weil Analverkehr der häufigste Übertragungsweg ist. PrEP soll hier so gut wie ein Kondom schützen. Die Anti-Aids-Pille schützt jedoch nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Tripper oder Syphilis. Bei derartigen Krankheiten gibt es bislang keinen besseren Schutz als die Verhütung mit Kondomen - und die Aufklärung durch einen Facharzt. (jg) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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Weiterlesen: Betroffener schildert - so ist mein Leben mit HIV wirklich.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene.
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