Kursaal im Ferienpark.
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Auf dem jetzigen Kursaal-Gelände soll ein zehngeschossiger Neubau entstehen.

120 Einwendungen sind bei der Stadt Heiligenhafen eingegangen

Zahlreiche Bedenken gegen Bau eines zehngeschossigen Gebäudes im Ferienpark

  • Patrick Rahlf
    vonPatrick Rahlf
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Ende April ist die Frist für die Abgabe von Einwendungen gegen den geplanten Bau eines zehngeschossigen Gebäude-Komplexes im Ferienpark abgelaufen. Rund 120 Einwendungen sind bei der Stadt Heiligenhafen eingegangen.

  • Heiligenhafens Politik steht mehrheitlich hinter dem Bauvorhaben.
  • Initiative Ferienpark fasst Klageschritte ins Auge.
  • Verschattung und fehlender Luftaustausch sind Hauptargumente.

Heiligenhafen – „Da die nächste politische Sitzungsrunde bereits Anfang Juni startet, wird das Thema erst wieder in der Herbstsitzung auf der Tagesordnung stehen“, sagte Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos). Zum Vergleich: Gegen die weitere Bebauung des Steinwarders mit einem Hotel und einem Schwimmbad lagen seinerzeit 60 Einwendungen vor. 

Erst im Februar dieses Jahres hatte sich Heiligenhafens Kommunalpolitik wieder mit dem Thema beschäftigt und klar zum Ausdruck gebracht, dass sie mehrheitlich hinter den Plänen des Investors steht. Lediglich die Grünen und die Liberale_BIsS-Fraktion hatten Bedenken geäußert und sich gegen eine Realisierung  ausgesprochen (wir berichteten). 

Mit mehreren Gutachten ist nun die Initiative Ferienpark an die HP herangetreten, die die Baupläne am Standort des jetzigen Kursaals ablehnt. „Wer es sich bislang noch nicht vorstellen konnte, was dort geplant ist, dem rate ich, sich auszumalen, wie es ausschauen würde, den Kursaal vierfach aufzutürmen – und das auf einer Länge von mehr als 100 Metern“, erklärte Gerold Krüger, einer von drei Sprechern der Initiative und selbst Architekt und Stadtplaner. 

90 Ferienwohnungen sollen entstehen. Im Erdgeschoss sind Freizeiteinrichtungen, ein Supermarkt und Gastronomie geplant.

Besonders die Häuser O, P und Q würden bei der Realisierung des Bauvorhabens gegen eine „40 Meter hohe Wand“ schauen. „Natürlich könnte man fragen, was das die anderen Eigentümer interessiert, die Richtung Steilküste gucken. Aber mit dem Ferienpark verhält es sich wie mit einem Schiff: Wenn es an einer Stelle ein kleines Leck gibt, sinkt über kurz oder lang alles.“ 

Hier fahren gerade zwei ICE-Züge frontal aufeinander zu.

Gerold Krüger, Sprecher der Initiative Ferienpark

Derzeit wartet die Initiative die weitere Entwicklung ab und hält Klageschritten gegen eine vollzogene B-Plan-Änderung weiterhin für sehr realistisch. „Wir haben bei 1694 Wohnungen keinerlei Prozesskostenrisiko“, sagte Gerold Krüger. Besonders die Punkte „Verschattung“ und „Reduzierung des Luftaustausches“ des in U-Form gebauten Ferienpark-Komplexes würden stark ins Gewicht fallen, ist der Sprecher überzeugt. „Hier fahren gerade zwei ICE-Züge frontal aufeinander zu“, fasste Krüger die Lage bildlich zusammen. 

Reinhard Denß: Abkehr vom Massentourismus-Ausbau überall erkennbar

Reinhard Denß, früherer Sprecher der Ferienpark-Initiative, kann die Haltung von Heiligenhafens Kommunalpolitkern einfach nicht verstehen. „Die Bürgerinnen und Bürger haben erst im Februar wieder gezeigt, dass sie keinen weiteren Ausbau des Massentourismus in ihrer Stadt wünschen. Und das ist nicht nur in Heiligenhafen erkennbar, sondern von Arnis bis Westerland in ganz Schleswig-Holstein.“ Mit der Realisierung der Baupläne würden Teile des gerade erst für 30 Millionen Euro sanierten Ferienparks zu einem „regelrechten Hinterhof“ avancieren. „Das wäre der Anfang vom Ende“, ist Denß überzeugt, der keinesfalls gegen die Modernisierung des alten Kursaals ist und diese sehr begrüßen würde. „Aber doch bitte nicht in dieser Massivität und Höhe.“  

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