Marcus Christoph macht Homeoffice auf anderem Kontinent / Ausgangssperre in Buenos Aires

12000 Kilometer weg vom Büro

Die Ruhe in seinem Elternhaus in Heiligenhafen nutzt Marcus Christoph, um seiner Arbeit als Redakteur nachzugehen.
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Die Ruhe in seinem Elternhaus in Heiligenhafen nutzt Marcus Christoph, um seiner Arbeit als Redakteur nachzugehen.

Heiligenhafen – „Es war so befreiend.“ Mit diesem kurzen Satz brachte Marcus Christoph das Gefühl, das er erlebt hatte, als er am 9. Juli wieder deutschen Boden betrat, auf den Punkt. Heiligenhafen, die Stadt, in der der Wahl-Argentinier aufwuchs, ist seit sechs Wochen coronabedingt der Zufluchtsort für den 47-jährigen Redakteur, der sich im Homeoffice befindet – rund 12000 Kilometer von seinem eigentlichen Arbeitsplatz entfernt.

  • Homeoffice coronabedingt in Deutschland
  • Ausgangsperre seit März in Buenos Aires
  • Zukunft von Situation in Argentinien abhängig

Der normalerweise inBuenos Aires lebende Auswanderer schreibt auch aus Heiligenhafen für seinen Arbeitgeber, das „Argentinische Tageblatt“ – eine deutschsprachige Auslandszeitung.

Gestartet ist Marcus Christophs Karriere beimFehmarnschen Tageblatt. Nach dem Volontariat auf der Insel unterstützte der Fußballfan die Fehmaraner Redaktion, bevor er seine journalistische Laufbahn in Südamerika fortsetzte.

Für den 47-Jährigen ist die jetzige Situation in Heiligenhafen keineswegs mit der in Buenos Aires zu vergleichen. Eine Situation hat ihm das besonders verdeutlicht: „Es war so schön, die ersten Schritte hier ohne Mundschutz herumzulaufen. Ich bin zum Binnensee gegangen, habe mich auf eine Bank gesetzt und in den Sonnenuntergang geguckt.“ Was hier selbstverständlich ist, ist in Argentinien derzeit unvorstellbar. „Man hat in den Straßen in Buenos Aires eigentlich niemanden mehr ohne Mundschutz gesehen“, erklärte Christoph, der weiter von anderen Einschränkungen in seiner Wahlheimat berichtete. 

Seit März herrsche Ausgangssperre, und auch das Homeoffice dauere für ihn schon so lange an. Private Treffen mit Freunden und Familie: Fehlanzeige. Auch in Sachen Liebe herrscht alles andere als eine einfache Zeit, denn für Marcus Christoph kommt noch die räumliche Trennung zu seiner Lebensgefährtin hinzu. „Sie ist Ärztin und arbeitet auf einer Coronastation.“ Nachdem es immer mehr Patienten auf ihrer Station wurden, entschied sich das Paar aus Vernunftgründen dazu, vorübergehend in getrennten Wohnungen zu leben. Kontakt gab es zu der Zeit nur virtuell – und zwar konsequent. Lediglich kurz vor Christophs Abreise nach Deutschland konnte sich das Paar, nachdem es negativ auf Covid-19 getestet wurde, nach mehreren Wochen Trennung wieder in die Arme nehmen.

Argentinischer Coronatest wird nicht anerkannt

Ausreisen aus dem Corona-Risikogebiet war unterdessen keine Herausforderung, das Einreisen in Deutschland hingegen schon. Besonders, wenn die zweiwöchige Quarantäne, die jeder Einreisende aus einem Risikogebiet antreten muss, umgangen werden soll. Die einzige Möglichkeit, um das 14-tägige Alleinsein zu verhindern, ist ein negativer Corona-Test – aber bitte aus Deutschland. Denn ein Testergebnis aus Argentinien werde hier laut Robert-Koch-Institut nicht anerkannt, sagte Marcus Christoph. Also musste schnell ein Test aus Deutschland her, denn nur zwei Tage nach seiner Ankunft sollte Marcus Christophs Vater seinen 85. Geburtstag feiern. „Ich dachte, es wäre blöd, wenn ich über den ganzen Atlantik reise und dann trotzdem bei dem Geburtstag meines Vaters nicht dabei sein könnte.“ Also ließ der 47-Jährige schnellstmöglich einen Test beim Hausarzt machen, den seine Eltern umgehend nach Kiel ins Labor zur Auswertung brachten. Und noch am selben Tag stand fest: Marcus Christoph ist coronafrei und kann am Geburtstag seines Vaters teilnehmen.

Wie genau es für den Zeitungsredakteur weitergeht, ist unklar. Für die nächsten Wochen wird Marcus Christoph seinen Arbeitsplatz nach Hamburg verlegen. In Deutschland bleibt er noch bis mindestens Anfang Oktober, alles andere müsse man von der Situation in Argentinien abhängig machen. Nur eins steht für den ehemaligen FT-Redakteur fest: „Die Protestierenden in Deutschland beklagen sich auf sehr hohem Niveau. Die Corona-Restriktionen, die in Argentinien herrschen, kann man nicht mit Deutschland vergleichen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“

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