Diabetes-Patienten zu teure Medikamente verschrieben: Dr. Jürgen Johansson wird zur Kasse gebeten

Ärzte in der Zwickmühle

+
Dr. Jürgen Johansson in seiner Praxis im Thulboden. In den Händen hält er ein Schreiben der Prüfungsstelle der Vertragsärzte und Krankenkassen in Schleswig-Holstein.

HEILIGENHAFEN -ra- Der Heiligenhafener Arzt Dr. Jürgen Johansson ist derzeit nicht gut auf die Prüfungsstelle der Vertragsärzte und Krankenkassen in Schleswig-Holstein zu sprechen. Die Medikamente gegen Diabetes, die Johannson in den vergangenen Jahren seinen Patienten verschrieben hat, seien zu teuer, moniert die Prüfungsstelle. „Ich hätte ältere, günstigere Medikamente verschreiben müssen. Und das mit dem Wissen, dass diese nicht so gut sind wie die neuen Stoffe, die bereits eine Vielzahl von Nebenwirkungen vermeiden.“ Johannson soll nun 4500 Euro Strafe zahlen – rückwirkend für das Jahr 2015.

„Die Krankenkassen haben ein sattes Plus von vielen Milliarden Euro angehäuft. Trotzdem wird die Ärzteschaft immer wieder bei Arzneimittelverschreibungen und anderen notwendigen Behandlungen gedrängt, die preiswerteste Variante zu wählen“, sagt Dr. Jürgen Johansson kopfschüttelnd, der sich die Frage stellt, warum er überhaupt noch Fortbildungen und Seminare besucht. Rein rechtlich wird der 70-jährige Arzt die Geldstrafe wohl zahlen müssen, denn für die Prüfungsstelle der Vertragsärzte und Krankenkassen zählt alleine die gültige Leitlinie zur Arzneimittelverschreibung. „Und dort stehen die neueren, besseren, aber auch teureren Medikamente nicht an erster Stelle. Das muss man als Arzt so hinnehmen, oder aber man riskiert Strafzahlungen“, berichtet der Mediziner, für den die ganze Angelegenheit nicht zuletzt auch eine ethische Frage darstellt. Von der Prüfungsstelle heißt es derweil unmissverständlich: „Der Vertragsarzt ist in erster Linie dem Wirtschaftlichkeitsgebot verpflichtet.“

Die aktuelle Strafzahlung bezieht sich zwar auf das Jahr 2015, geändert hat sich seitdem aber nichts. Noch immer riskiert Johansson, sich Ärger einzufangen, wenn er seinen Diabetes-Patienten, von denen er rund 150 in der Praxis im Thulboden betreut, die hochwertigeren Medikamente verschreibt. „Die neuen Medikamente sind durch Studien gut untersucht und haben über die blutzuckersenkende Eigenschaft hinaus auch eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem. Weiterhin kann eine Insulintherapie mit ihnen vermieden oder verzögert werden“, erklärt der Arzt im Gespräch mit der HP und ergänzt sarkastisch: „Sie haben nur einen Fehler: Sie sind zu teuer.“ Viele seiner Patienten haben sich bereits an ihre Krankenkassen gewandt und ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht.

Doch es gibt Hoffnung: Eine neue Leitlinie erscheint wohl Anfang 2019. Dann könnte sich die Sache ändern, und die Prüfungsstelle muss einlenken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.