Schöner Abschluss: Trotz aller Widrigkeiten hocherfreut über die Zusammenarbeit zeigten sich Bürgermeister Kuno Brandt (2.v.r.) und das Bauamt mit Roland Pfündl (r.) und Marcus Schmidt (3.v.r.) sowie Oliver Hayn von Grothe-Bau (M.) und Planer Stephan Müller (2.v.l.). Eingebunden in die Gestaltung des Platzes vor der Stadtapotheke waren auch der Seniorenbeirat (Peter Schlumbohm, l.) und der städtische Behindertenbeauftragte, Michael Rosch (3.v.l.).
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Schöner Abschluss: Trotz aller Widrigkeiten hocherfreut über die Zusammenarbeit zeigten sich Bürgermeister Kuno Brandt (2.v.r.) und das Bauamt mit Roland Pfündl (r.) und Marcus Schmidt (3.v.r.) sowie Oliver Hayn von Grothe-Bau (M.) und Planer Stephan Müller (2.v.l.). Eingebunden in die Gestaltung des Platzes vor der Stadtapotheke waren auch der Seniorenbeirat (Peter Schlumbohm, l.) und der städtische Behindertenbeauftragte, Michael Rosch (3.v.l.).

Fünf Jahre Regenwasserkanäle in der Heiligenhafener Altstadt saniert / Tiefbau Kraftakt für den Haushalt

Alles neu für 3,8 Millionen Euro

Heilgenhafen –Von Manuel Büchner– Seit Ende 2015 wurde in der Heiligenhafener Altstadt in drei Bauabschnitten die Regenwasserkanalisation in Angriff genommen. Neu verlegt und angeschlossen wurden im Hafenbereich, rund um den Wilhelmplatz, in der Zollstraße, Werftstraße, Hafenstraße, Poststraße und im Thulboden 2600 Meter Kanal. 3,8 Millionen Euro hat die Stadt in den fünf Jahren in das Vorhaben investiert. „Im Hafen haben wir eine Infrastruktur geschaffen, sodass wir bei Hochwasser und Regen das Oberflächenwasser über eine große Pumpenanlage der Ostsee zuführen können, wenn die Abläufe nicht frei sind“, sagte Bauamtsleiter Roland Pfündl über das nun leistungsfähigere und gebündelte Netz.

  • 16 Kilometer „schlimmste Schäden oder hydraulische Probleme"
  • Regenwasserkanäle in der Innenstadt neu gebaut und saniert
  • Kein einfaches Projekt: Widrigkeiten verlängerten die Maßnahme bis in den November

Regenwasserkanalisation ist ein Thema, das die Warderstadt noch lange Zeit beschäftigen wird. Das Netz, insgesamt etwa zur gleichen Zeit gebaut, ist mindestens 50 Kilometer lang, davon, so Pfündl, hätten etwa 16 Kilometer „schlimmste Schäden oder hydraulische Probleme, mit denen wir uns in den kommenden zehn Jahren auseinandersetzen müssen“. Nicht zuletzt müsse man die gehäuft auftretenden kurzen Starkregenereignisse berücksichtigen. Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos) sprach von „notwendigen Maßnahmen“, wenngleich es immer ein Kraftakt für den Haushalt sei.

Um Kosten zu sparen, wird Heiligenhafen, wie andere Orte auch, die Kanalarbeiten mit dem Straßenbau und Maßnahmen der Versorgungsträger verbinden. Pfündl nennt als kommende Projekte den ersten Bauabschnitt Am Wachtelberg zwischen Kurzer Kamp und Wendstraße sowie die Vorbereitung der Ausschreibung in Strandhusen.

Sperrung viel länger als ursprünglich geplant

„Wir haben einen bedeutenden Teil der Arbeiten am Niederschlagswasserkanalsystem beendet“, zeigte sich Brandt vor Ort erleichtert und dankte den Anwohnern für ihre Geduld, denn „die Sperrung war viel länger als ursprünglich angedacht“. Es sei zum Teil zu erheblichen Einschränkungen gekommen.

Die Arbeiten am letzten Bauabschnitt, die Zusammenführung des Kanalsystems von Poststraße und Thulboden, sollten sechs Wochen dauern und noch vor Ostern erledigt sein. Jedoch habe man im März feststellen müssen, so Pfündl, dass der verrohrte Stadtgraben in diesem Bereich, der eigentlich nur über ein Schachtbauwerk umgeschlossen werden sollte, in einem sehr schlechten Zustand war. „Wir hatten die Befürchtung, dass der Graben in sich zusammenbricht. Da war nichts mehr zu retten“, erinnerte sich der Chef des Bauamtes. Die Arbeiten dauerten schlussendlich bis in den November, auch aufgrund der Nähe zur unmittelbaren Bebauung, was die Standsicherheit der angrenzenden Gebäude gefährdete. In der Konsequenz musste der Graben verlegt werden. Kosten: 410000 Euro. „Der stillgelegte Graben wurde verdämmert und mit Flüssigbeton verfüllt, damit er standsicher ist“, so Pfündl.

Es musste eine neue Trasse her. Die Anlieger des Thulbodens waren gefragt. „Mit ihnen haben wir sehr schnell Lösungen gefunden. Mehr oder weniger hinter den Häuser entlang, durch die Gärten“, erklärte Pfündl. Da regelmäßig mit Regen- und Drainagewasser belastet, mussten alleine für die aufwendige Wasserhaltung 210000 Euro in die Hand genommen werden, um in der Bauphase das anfallende Wasser mit einer großen Pumpe aufzufangen und zur Wendstraße umzuleiten.

I-Tüpfelchen: „schön und funktional“

Obwohl Tiefbau nach Vollendung bekanntermaßen vom Auge unentdeckt bleibt, hat der Abschluss der mehrjährigen Maßnahme ein kleines, optisches Highlight, sozusagen ein i-Tüpfelchen, hervorgebracht. Der Platz vor der Stadtapotheke wurde für 40000 Euro neu gestaltet. „Schön und funktional“, so Brandt: drei Behindertenparkplätze, Fahrradständer, etwas Grün und eine Parkbank sowie die Orientierung über eine unterschiedliche Pflasterung in einer Ebene.

Der Behindertenbeauftragte der Warderstadt, Michael Rosch, und auch der 1. Vorsitzende des Seniorenbeirates, Peter Schlumbohm, zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden – und dankten Brandt und seiner Verwaltung für die Teilhabe an der Neugestaltung des Platzes. „Alles barrierefrei – das ist schon ein großer Pluspunkt“, so Schlumbohm, der für sich auch die historisch anmutende Laterne als Hingucker ausmachte, aber auch die nun geringere Geräuschkulisse durch die neue Pflasterung lobte. Daumen hoch für die übersichtliche Gestaltung auch von Rosch. Die drei Behindertenparkplätze seien mit Blick auf Arzt- und Physiopraxen sowie Apotheke absolut notwendig.

Herausforderungen groß, Zusammenarbeit sehr gut

So groß die Herausforderungen auch waren, das Miteinander der Akteure stimmte. Die Zusammenarbeit mit der ausführenden Firma Grothe-Bau, die sich in der Ausschreibung alle drei Bauabschnitte sicherte, bezeichnet Pfündl als „Schicksalsgemeinschaft“. Man habe ein sehr gutes Team beisammengehabt. Grothe-Bauleiter Oliver Hayn sah das genauso: „Wir waren die Überbringer schlechter Nachrichten, bei der Stadt wurde aber sofort und konstruktiv reagiert. Uns wurden keine Steine in den Weg gelegt.“ Dem schloss sich auch Diplomingenieur Stephan Müller vom Oldenburger Ingenieurbüro „Maas+Müller“ an – verantwortlich für den zweiten und dritten Bauabschnitt. „Es wurden immer schnellstmöglich Entscheidungen getroffen. Das ist nicht in allen Kommunen selbstverständlich.“ Im ersten Teil war noch das Ingenieurbüro Walter Benthien verantwortlich.

„Es war kein einfaches Projekt“, resümierte Pfündl. Im Hafenbereich sei es herausfordernd gewesen, zwischen vielen Leitungen und Kanälen die Trasse zu finden. „Wir haben auch Schwierigkeiten mit der Höhenlage gehabt“, zählte Pfündl auf, und das alles weitestgehend unter Straßenverkehr.

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