Ein „Badedeck“ an der Ostsee?

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So könnte das „Badedeck“ auf dem Steinwarder aussehen, das direkt an den großen Sandparkplatz westlich des „Beach Motels“ grenzt. Links würde außerdem ein Hotelneubau entstehen. Nur so wären die Betriebskosten überhaupt finanzierbar.

VON PATRICK RAHLF – Zahlreiche Heiligenhafener Bürger haben der Vorstellung der Schwimmbad-Pläne gelauscht. Für das „Badedeck“, so der Arbeitstitel, wird mit Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro gerechnet. Das Projekt ist nur mit einem neuen Hotel darstellbar, der Standort Steinwarder scheint alternativlos zu sein.

Heiligenhafen – Das Bürgerinteresse war wieder einmal riesig: Kein Stuhl ist Mittwochabend im Pavillon am Binnensee frei geblieben. Kein Wunder, schließlich stand eine Projektvorstellung auf der Tagesordnung, die nahezu alle Heiligenhafener interessieren dürfte. Wird auf der 18000 Quadratmeter großen Potentialfläche westlich des Sandparkplatzes ein öffentliches Schwimmbad mit angrenzendem neuen Hotel gebaut?

Die Faktenlage ist einfach: Um die Unterhaltungskosten für ein Schwimmbad in Höhe von 1,4 Millionen Euro jährlich stemmen zu können, braucht es ein finanzkräftiges Hotel mit 220 Betten als Partner. Jens Sroka, der bereits „Bretterbude“ und „Beach Motel“ betreibt, hat großes Interesse, ein drittes Hotel in Heiligenhafen zu bauen. Ebenfalls im Rennen ist Hotelier Marc Vollbracht aus dem Sauerland. Doch um das Hotel ging es am Mittwochabend nicht. Das Schwimmbad stand im Fokus. Hierfür wird es zeitnah einen Grundsatzbeschluss der Stadtvertretung geben, ob das Projekt weiterverfolgt werden soll.

Heiligenhafens Touristikleiter Manfred Wohnrade skizzierte in seiner Einleitung die positive touristische Entwicklung Heiligenhafens in den vergangenen Jahren, um dann den Bogen zur Potentialfläche zu spannen. „2008 wurde die Fläche im touristischen Masterplan der Stadt bereits berücksichtigt, 2017 hat uns der HVB-Aufsichtsrat schließlich mit der Entwicklung beauftragt.“ Es sei ihm wichtig, darzustellen, dass das Schwimmbad selbstverständlich für die Bürger der Stadt offen sei. „Für Ältere, genauso für Schulklassen, Vereine und auch für die Schwimmausbildung.“ Für rund vier Euro soll die Nutzung des reinen Schwimmbeckens möglich sein, 19 Euro soll das Komplettpaket mit Sauna und Badeerlebnis-Bereich kosten. „Hier würde ein echter Mehrwert für Einheimische geschaffen werden“, ist Wohnrade überzeugt.

Wie sieht die Finanzierung aus? 15 Millionen Euro soll das Schwimmbad kosten, hier sei eine 70-prozentige Förderung des Landes möglich. „Diese ist nur an diesem touristisch geprägten Standort denkbar. In einem Gewerbegebiet würde es beispielsweise kein Geld geben.“ Die Betriebskosten von 1,4 Millionen Euro im Jahr sollen durch drei geteilt werden. Die Stadt, der Hotelbetreiber sowie die generierten Einnahmen sollen die Kosten decken. „100000 Gäste im Jahr sind realistisch“, sagte Schwimmbad-Planer Torsten Michelmann. Wie Manfred Wohnrade berichtete, zahle die Stadt bereits aktuell eine halbe Million Euro pro Jahr für den Spa-Bereich im Aktiv-Hus. Dieser Betrag soll zukünftig in das Schwimmbad fließen, für den Spa-Bereich im Aktiv-Hus müsste ein Nachnutzungskonzept erstellt werden. „Ideen gibt es einige. Eine Jugendherberge wäre möglich, ebenso ein Gesundheitszentrum“, so der Touristikleiter. Die schon jetzt kritische Parkplatzsituation auf dem Steinwarder griff er ebenfalls auf. Der erst vor einigen Jahren geschaffene Sandparkplatz würde eine zweite Ebene erhalten, sodass sich die Platzanzahl verdoppeln würde.

Im Anschluss stellte Torsten Michelmann die mögliche Planung vor: ein 25 Meter langes reines Schwimmbecken mit sechs Bahnen, außerdem zusätzliche Freizeit- und Kinderbecken. Rutsche, Sprungturm, Abenteuer-Parcours und Gastronomie runden die Planung ab. Ebenfalls ist ein großzügiger Sauna-, Anwendungs- und Ruhebereich mit Dachterrasse vorgesehen. „Die umliegenden unter Naturschutz stehenden Biotope bleiben selbstverständlich unangetastet“, merkte Michelmann an.

Im Saal selbst waren Mittwochabend die Befürworter in der Überzahl. „Diese Planung ist ein Geschenk für die Stadt“, sagte Oliver Leu. Doch auch kritische Stimmen zum schon jetzt sehr hohen Verkehrsaufkommen gab es. Die Fraktionen werden nun beraten. Bis 2021 müsste ein B-Plan aufgestellt werden, später könnten neue Landesnaturschutzrichtlinien den Bau unmöglich machen.

Das sagen die Parteien:

Gerd Panitzki (CDU): „Wir werden jetzt das Gespräch mit den Bürgern suchen. Auch innerhalb der Fraktion besteht noch Redebedarf.“ Monika Rübenkamp (SPD): „Die SPD unterstützt die Schwimmbad-Planungen. Einige Fragen müssen parallel weiter bearbeitet werden, damit es ein geschlossenes Konzept wird.“ Simon Schulz (BfH): „Die BfH steht, vorbehaltlich einer fraktionellen Diskussion, dem Projekt Schwimmbad positiv gegenüber.“ Helmut Gideon (FDP): „Wir setzen uns für eine Haushaltskonsolidierung und sanfte Weiterentwicklung des Tourismus ein. Zum jetzigen Zeitpunkt lehnen wir das Vorhaben ab.“ Manfred Ebken (Grüne): „Ein Bad für den Schwimmunterricht begrüßen wir grundsätzlich, aber ohne Hotelanbindung und auch nicht auf dem Steinwarder.“Elke Teegen (Forum BisS): „Mit Rücksicht auf die noch vorhandene Natur, die jetzt schon angespannte Verkehrssituation und den defizitären städtischen Haushalt lehnen wir das Projekt ab.“

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