Vereine wie Gildekapelle oder Volkshochschule müssen umziehen / Müller: Finden vernünftige Lösung

Bald nur noch zwei statt vier Schulen

+
Wird erweitert: Regionalschule am Sundweg.

HEILIGENHAFEN · Zum neuen Schuljahr 2012/13 soll die Schullandschaft in Heiligenhafen mit den Umzug der Grundschüler von der jetzigen Theodor-Storm-Schule in die Franz-Böttger-Schule sowie der Unterrichtung der fünften bis zehnten Klassen ausschließlich an der Regionalschule am Sundweg, die zurzeit erweitert wird, neu geordnet sein. Binnen weniger Jahre werden in der Warderstadt dann von ehemals vier nur noch zwei Schulgebäude benötigt.

Steht seit Jahren zum Verkauf: Gorch-Fock-Schule.

Die bis vor einigen Jahren für Sonderpädagogik vorgehaltene Gorch-Fock-Schule in der Feldstraße steht leer und seit 2007 zum Verkauf. Die Hoffnung der Stadt, 250 000 Euro für Grundstück und Gebäude erlösen zu können, währte nur kurz, erfüllte sich aber bislang nicht. Mit dieser Viertelmillion wird vorerst auch nicht geplant, denn im aktuellen Haushalt, der morgen Abend durch die Stadtvertretung verabschiedet werden soll, taucht diese geplante Einnahme nicht mehr auf.

Bewirtschaftungskosten fallen weg

Steht ab Sommer 2012 zum Verkauf: Theodor-Storm-Schule.

In diesem Sommer dürfte dann ebenfalls die Theodor-Storm-Schule (TSS) an der Wendstraße leerstehen. Auch dieses Areal in Zentrumsnähe würde die Stadt Heiligenhafen liebend gern veräußern. Das brächte Geld in die klamme Stadtkasse. Zur Entlastung des Haushaltes trägt auf jeden Fall der Wegfall der jährlichen Bewirtschaftungskosten des Gebäudes bei.

Die Räume in der Theodor-Storm-Schule dienen derzeit nicht nur der schulischen, sondern auch der außerschulischen Nutzung. Die Modellbaugruppe ist hier untergekommen, die Musikschule gibt einen Kurs, die Schifferklavierspieler üben, die Gildekapelle richtet dienstags ihren Übungsabend aus, und auch die Volkshochschule Heiligenhafen (VHS) nutzt die Räumlichkeiten, um an diesem Standort mehrere Kurse anzubieten. In diesem Semester sind es insgesamt acht. Vor allem der Wegfall der Küche und des Werkraums (Kochen, Töpfern etc.) würde laut VHS-Leiter Frithjof Wittrock schmerzen.

Wird saniert: Franz-Böttger-Schule.

Doch wohin? Schon jetzt ist die VHS an zahlreichen Standorten in der Stadt weit verstreut präsent, um ihre Kurse durchziehen zu können. So sind die Dozenten in der Franz-Böttger-Schule ebenso zu finden wie in der Regionalschule, im Sitzungssaal des Rathauses oder beim ASB in der Tollbrettkoppel. Nicht nur im Heimatmuseum, sondern auch im Festsaal der Ameos-Klinik oder bei den Behindertenwerkstätten ist die VHS zu Gast. Wegfallende Kapazitäten an der Theodor-Storm-Schule könnten vielleicht an anderen Standorten wie der Franz-Böttger-Schule aufgefangen werden, aber Wittrock weist auch auf andere Engpässe wie die Möblierung hin. Sie sei in vielen Klassenräumen zwar schüler-, aber eben nicht erwachsenengerecht, wie von der VHS in der Regel benötigt.

Bei einer Schließung der TSS müsste sich auch die Gildekapelle, die in früheren Jahren schon in der Gorch-Fock-Schule geprobt hatte, eine neue Bleibe suchen. Schon die Räume in der TSS seien nicht optimal, da die Instrumente dort nicht deponiert werden könnten, erklärt Kapellenobmann Werner Struck. So heißt es an jedem Dienstag: Instrumente einpacken, zur Schule fahren, Instrumente auspacken, üben, wieder einpacken und nach Hause fahren. Man habe sich aber damit abgefunden, das sei letztendlich auch in Ordnung, so Werner Struck gegenüber der HP. Doch wie sieht eine zukünftige Lösung aus? Da tappen die Musikanten der Gildekapelle noch im Dunkeln.

Der Spielmannszug Heiligenhafen, der seine Proben früher ebenfalls in der Gorch-Fock-Schule durchführte, ist in der Regionalschule untergekommen. Der große Probenabend findet hier immer freitags statt, „die Kleinen“, so 1. Vorsitzende Kristina Knorr, werden von ihr in der Franz-Böttger-Schule unterrichtet.

Mit der zukünftigen Raumsituation der Vereine hat sich die Stadt noch nicht konkret befasst, Bürgermeister Heiko Müller ist jedoch überzeugt, für jeden eine vernünftige Lösung zu finden. „Man muss zusammenrücken.“ Es sei eine Frage der Flexibilität aller Beteiligten, so Müller, denn Räume seien in der Stadt ausreichend vorhanden. So würden die Schulen zwar ganztägig beheizt, doch nur vormittags umfassend genutzt. In der Ameos-Klinik gebe es ebenfalls freie Räume, die dortige Sporthalle würde gar nicht mehr genutzt, und auch der Pavillon am Binnensee wäre eine Alternative.

„Was können wir uns noch leisten?“

Laut Müller müsse man sich immer folgende Frage stellen: „Was können wir uns noch leisten ?“ Ein Bürgerhaus als zentrale Anlaufstelle für Vereine nach Einschätzung des Bürgermeisters derzeit jedenfalls nicht, denn man müsse immer auch die laufenden Kosten (Heizung etc.) im Blick behalten. · hö

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.