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Die Hühnerretterin von Großenbrode

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Von: Patrick Rahlf

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Angelika Regenstein steht mit Henne „Beauty“ vor dem Hühnerstall in ihrem weitläufigen Garten. Weil „Beauty“ viele kahle Stellen hatte, trägt sie als Sonnenschutz ein Kleid.
Angelika Regenstein steht mit Henne „Beauty“ vor dem Hühnerstall in ihrem weitläufigen Garten. Weil „Beauty“ viele kahle Stellen hatte, trägt sie als Sonnenschutz ein Kleid. © Rahlf

In der Massentierhaltung werden Hennen schnell unbrauchbar und geschlachtet, wenn sie verletzt sind oder eine zu geringe Legeleistung erbringen. Wenn die Tiere allerdings großes Glück haben, dann werden sie dem Verein „Rettet das Huhn“ übergeben.

Großenbrode – Dieser Verein arbeitet wiederum mit Menschen wie Angelika Regenstein aus Großenbrode zusammen. Bei ihr können sich die Hühner auf einen entspannten Lebensabend ohne Stress und mit viel Auslauf freuen. „Ich bin 2016 im NDR-Fernsehen auf den Verein und seine großartige Arbeit aufmerksam geworden. Ich war schon immer tierlieb, und viel Platz haben wir im Garten auch“, berichtet die 74-Jährige über die Anfänge.

Mit 125000 Artgenossen lebten die Hühner in Bad Segeberg auf engstem Raum, jetzt genießen sie die Großenbroder Sonne.
Mit 125000 Artgenossen lebten die Hühner in Bad Segeberg auf engstem Raum, jetzt genießen sie die Großenbroder Sonne. © Rahlf

Liebevoll wurde ein eigenes Dorf im Garten für die Gäste angelegt und ein Hühnerstall aufgebaut, den es so in Deutschland wohl kaum ein zweites Mal gibt. „Die Liebe zum Detail hat sich mit der Zeit entwickelt. Das Wichtigste ist aber, dass sich diese kleinen Geschöpfe hier wohlfühlen und hoffentlich ganz schnell vergessen, was ihnen angetan wurde.“ In Deutschland sei es nach wie vor erlaubt, dass pro Quadratmeter neun Hennen gehalten werden dürfen. „Das ist eine Qual. Wer sich da nicht behaupten kann, wird von den Artgenossen gemobbt und bekommt die Federn gezogen. Dann bleiben die Hühnchen sehr klein, weil sie sich kaum trauen, etwas zu essen oder zu trinken.“ 

Für die Tiere ist „Chicken Village“ ein Traum.
Für die Tiere ist „Chicken Village“ ein wahres Paradies. © Rahlf

Drei neue „Pflegis“ liebevoll aufgepäppelt

Drei ihrer neuesten „Pflegis“, wie Angelika Regenstein ihre Hühner nennt, kommen direkt aus einem 125000 Hühner großen Mastbetrieb aus Bad Segeberg. „Beauty, Minnie und Daisy sind seit dem 22. April bei mir und sahen wirklich schlimm aus – besonders die kleine Beauty. Mittlerweile wurden sie von meinem Mann und mir wieder aufgepäppelt. Zudem haben wir einen tollen Tierarzt in Kiel.“ Weil sie kaum noch Federn hatten, hat die Großenbroderin den Tieren Pullover genäht, die sie vor Kälte schützen sollten. Mittlerweile sind die Federn an den kahlen Stellen wieder nachgewachsen. 

„Es gab schon welche, die danach fünf Jahre bei mir waren. Andere lebten nur wenige Monate bei uns, weil sie es trotz intensivster Pflege nicht geschafft haben.“ 

Angelika Regenstein
Chicken Village.
Chicken Village in Großenbrode. © Rahlf

Aktuell leben zehn Hennen und zwei Hähne in „Chicken Village“ und fühlen sich in ihrem eigenen Reich mit mehreren tausend Quadratmetern Auslauf pudelwohl. „Ich kann nur einen kleinen Teil aus der Massentierhaltung retten. Aber diesen Tieren versuche ich, schöne Monate oder gar Jahre zu schenken.“ Gut ein Jahr alt sind die Hennen, die aussortiert wurden. „Es gab schon welche, die danach fünf Jahre bei mir waren. Andere lebten nur wenige Monate bei uns, weil sie es trotz intensivster Pflege nicht geschafft haben.“ 

Wer Angelika Regenstein bei ihrer Arbeit unterstützen möchte oder sich allgemein für die Arbeit von „Rettet das Huhn“ interessiert, kann gerne mit der Großenbroderin Kontakt aufnehmen (04367 2100087).

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