„Sail United“ bietet Menschen mit und ohne Behinderung barrierefreien Wassersport an / Lübecker Gruppe zeigt, wie gut das klappt

Ein Beitrag zum Selbstverständnis

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Bereit fürs Wasser: Eine Gruppe der Rehabilitäts- und Behindertensportgemeinschaft Lübeck besuchte am Wochenende die Wassersportschule „Sailaway Watersports“ in Großenbrode.

GROSSENBRODE -mb- Barrieren in den Köpfen zu lösen, ist das Motto des Vereins „Sail United“ in Großenbrode, der Wassersport für Menschen mit und ohne Behinderung anbietet und damit einen Beitrag leisten will, einen gesellschaftlichen Wandel anzuregen. „Was für uns längst selbstverständlich ist – eine gleichberechtigte Teilhabe vom behinderten Menschen im Alltag –, ist in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen nicht gegeben“, erklärt Tobias Michelsen, Vorsitzender von „Sail United“.

Wie das Bekenntnis in der Praxis Realität wird, zeigte am Wochenende eine Gruppe Lübecker Wassersportler, die zu Besuch in der Großenbroder Wassersportschule „Sailaway Watersports“ war. Gelebte Integration, wie es so oft zu hören und zu lesen ist, fand so in Reinform statt.

Die Lübecker gehören zur Rehabilitations- und Behinderten-Sportgemeinschaft (RBSG) und verfolgen das übergeordnete Ziel, eine gefahrlose und effektive sportliche Bewegung unter fachkundiger Anleitung anzubieten. Die eigenständige Sparte im TuS Lübeck 93 hat 140 Mitglieder und ungefähr 200 Reha-Teilnehmer. „Seit 1952 beschäftigen wir uns mit allem, was in irgendeiner Form mit Sport zu tun hat – Wasser spielt dabei eine durchaus entscheidende Rolle“, erklärte Gisela Babies, 1. Vorsitzende der RBSG und zeigte sich mit den Begebenheiten vor Ort sehr zufrieden. „Das Angebot von ‚Sail United‘, innerhalb der Infrastruktur der Wassersportschule, ist einmalig“, so Babies, die seit 22 Jahren im Verein tätig ist und bei lediglich sieben Übungsleitern jederzeit engagierte Menschen sucht. „Wir haben beispielsweise Jugendliche in der RBSG, die uns tatkräftig unterstützen.“

Tobias Schmeets ist einer dieser Jugendlichen und engagiert sich seit sechs Jahren in der Sportgemeinschaft. Der 17-jährige Gymnasiast aus Stockelsdorf hat keine körperliche oder geistige Einschränkung, jedoch als Kind keine einfache Beziehung zum Element Wasser. „Ich hatte Angst davor.“ Der Besuch von diversen Kursen habe daran nichts geändert. Eine Verbesserung stellte sich in der Sportgemeinschaft ein. „Die andere Herangehensweise, die sich vor allem in einem entspannteren Lernen ohne Druck manifestiert, hat mir geholfen.“

Babies: „Seine Entwicklung ist beispielhaft positiv und er hilft unserer Arbeit auf so vielfältige Art und Weise.“ Auch Michelsen sucht engagierte Menschen. „Unterstützung in allen Bereichen und Spenden brauchen wir für unsere Arbeit.“ Beide wünschen sich, dass auch andere Vereine auf den Zug aufspringen und entsprechend inklusive Angebote vorhalten. „Behinderte wollen kein Mitleid, sondern auf Augenhöhe akzeptiert werden“, ergänzt Michelsen und meint: „Wenn wir zeigen, dass selbst bei Extremsportarten fast alles möglich ist, kann dies für Akzeptanz sorgen.“

Zurzeit sucht Michelsen strategische Partner für ein größeres Vorhaben. Zusammen mit dem Segler Heiko Kröger, der bereits Vizeweltmeister und Zweiter bei den Paralympics in London war, sollen extreme Wassersportarten mehr in den Fokus gerückt werden. „Gerade nachdem Segeln bei den Paralympics 2020 nicht mehr dabei ist, sollten wir uns auch auf andere Disziplinen wie beispielsweise SUP konzentrieren.“ Am Ende müsse es das Ziel sein, die Menschen aufs Wasser zu bekommen.

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