Ausschuss übt harsche Kritik an Schulleitung / Nachhaltige Kinderbetreuung: Noch vertragliche Probleme zu bewältigen

Bildung: Schande, Arroganz, Ignoranz

Ausschussvorsitzender Stephan Karschnick (l.) musste bereits zum zweiten Mal eine geplante Podiumsdiskussion zur Bildungspolitik absagen. Rechts Bürgermeister Heiko Müller. Foto: Höppner

HEILIGENHAFEN (hö)  • Schule in Heiligenhafen – das ist ein Thema für sich. Eigentlich hat die Warderstadt im Jahr 2009 nur Nackenschläge einstecken müssen.

So wurde die Gemeinschaftsschule nicht genehmigt und zwei geplante Podiumsdiskussionen mit Bildungspolitikern mangels Masse abgesagt. In der Sitzung des Ausschusses für Bildung und Soziales erfolgte noch einmal eine sprachlich deftige Aufarbeitung dieser Negativentwicklung.

„Es ist augenscheinlich, dass ein Großteil des eingeladenen Personenkreises, vorrangig verantwortliche Personen der Bildungspolitik, nicht bereit ist, sich in einer öffentlichen Diskussion den betroffenen Schülern, Eltern und Lehrern mit ihren Sorgen, Fragen und Nöten zu stellen“, ärgerte sich Ausschussvorsitzender Stephan Karschnick (CDU) über die zahlreichen Absagen. „Das ist eine Schande, man lässt uns hier im Regen stehen“, kritisiert Karschnick die fehlende Möglichkeit der Basis Einfluss zu nehmen.

Sich einer Diskussion mit den Betroffenen zu entziehen, spiegele eine „furchtbare Arroganz“ wider, fehlte auch Monika Rübenkamp (SPD) jegliches Verständnis für die Ignoranz der Verantwortlichen. In diesem Zusammenhang erinnerte sie auch an die im März abgehaltene Demonstration der Schüler und Eltern, die eine bessere Lehrerversorgung an den hiesigen Schulen forderten. Weder vom Kreis noch vom Land sei eine Reaktion auf die Demo erfolgt, bemängelte Rübenkamp.

Als einzigen Silberstreif am Horizont bezeichnete Gerd Panitzki (Grüne) das Engagement des Heiligenhafener Bürgers Harry Mielke, der auf Eigeninitiative und in Absprache mit dem Schulverbund Heiligenhafen ehrenamtliche Schulassistenten gewinnen möchte, die zum Ausgleich von Schulausfallstunden den Schülern mit AGs und sonstigen sinnvollen Aktivitäten ein zusätzliches Angebot unterbreiten könnten. Ersatz für den „normalen“ Unterricht könne dieses Angebot aber nicht sein, so Mielke, dessen Initiative wir in einer der nächsten Ausgaben noch genauer vorstellen werden.

Als positive Entwicklung zur Schülerbetreuung konnte Bürgermeister Heiko Müller vermelden, dass zum Schuljahr 2009/10 in Trägerschaft des Ortsverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes ein Schulsozialarbeiter eingestellt werden soll. Unterschrieben sei der Vertrag aber noch nicht. Nach Empfehlung des Hauptausschusses soll die Stelle mit einem Erzieher besetzt werden. „Ich denke, das ist ein schlechter Start“, kritisierte Schulleiter Bernd Wiegand das Vorhaben, da man in Konkurrenz zu anderen Schulstandorten stehen würde. Er hätte sich einen Sozialpädagogen für diese Tätigkeit gewünscht. Monika Rübenkamp entgegenete hingegen, dass Erzieher diese Aufgabe ebenso gut erfüllen könnten und es nicht in Ordnung sei, dass Wiegand von „schlechterer Qualität“ der Betreuung spreche.

Doch dem Rektor des Schulverbundes Heiligenhafen, der als Gast den Verlauf der Sitzung verfolgte, blies wenig später noch ein eisigerer Wind entgegen.

So lasteten die Politiker das Scheitern der Gemeinschaftsschule zu einem nicht unerheblichen Teil der „grottenschlechten Vorstellung“ der Gemeinschaftsschule, so Monika Rübenkamp, den verantwortlichen Rektoren an. Es sei nicht im Ansatz Vertrauen für die Gemeinschaftsschule geschaffen worden, ergänzte die SPD-Politikerin. Das sei von zahlreichen Eltern, die die Veranstaltung besucht hätten, an sie herangetragen worden. Parteikollege Peter Ascheberg pflichtete ihr bei, indem er sagte, das sei beileibe keine Einzelwahrnehmung gewesen. Vielleicht hätte man auch selbst noch mehr investieren müssen, schränkte er ein, doch es habe ja bekanntlich alles ganz schnell gehen müssen.

„Die Politik habe alles sauber abgearbeitet“, konnte Gerd Panitzki jedoch keinen Fehler bei der Selbstverwaltung erkennen.

„Hier wird die Wahrheit verdreht, das ist ja wohl das Letzte“, reagierte Wiegand mit Empörung auf Äußerungen der Kommunalopolitiker, die selbst nicht an der Veranstaltung teilgenommen hätten und nun auf diese Weise Kritik übten. Das sei „ein Skandal“, wetterte Wiegand, der wenig später aufgebracht den Saal verließ.

Zuvor hatte er noch mitverfolgen können, dass der Ausschuss sich dafür aussprach, zum Schuljahr 2009/10 die bisherige Hauptschule mit der Realschule organisatorisch zur „Realschule mit Hauptschulteil“ zu verbinden.

Zum kommenden Schuljahr soll dann noch parallel die „Grundschule mit Förderzentrumsteil“ gegründet werden. Und diese wiederum organisatorisch verbunden werden mit der Grundschule Großenbrode. Dem Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages mit der Nachbargemeinde steht der Ausschuss positiv gegenüber, zumal das Gebäude der Großenbroder Grundschule in der Zuständigkeit Großenbrodes bleibe. Gestern gab es noch Verhandlungen mit der Gemeinde Großenbrode, doch zur Sitzung der Stadtvertretung am 25. Juni 2009 soll der ausgearbeitete Vertrag den Stadtvertretern zur Abstimmung vorliegen. Eine Einigung der beiden Kommunen gilt als sicher.

Nicht zum ersten Mal vertragliche Differenzen gibt es zwischen der Stadt Heiligenhafen und der Ev.-Luth. Kirchengemeinde in Sachen Kindergartenvertrag, der zum Ende des Jahres ausläuft und schon in diesem Jahr nur ein auf ein Jahr befristeter Übergangsvertrag ist.

Die Stadt Heiligenhafen möchte ein nachhaltiges Betreuungskonzept für Kinder ab dem ersten Lebensjahr auf den Weg bringen und dieses schon vor 2013, wenn ein gesetzlicher Anspruch auf eine Betreuung der Null- bis Dreijährigen besteht, installieren. Hierzu haben die Kirche auf der einen Seite, und Kreis- und Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes auf der anderen Seite Konzepte vorgelegt.

Die Kirche würde Kinder im Alter von null bis sechs Jahren am Standort Kurzer Kamp im Martin-Luther-Kindergarten und dem jetzt noch vom Kinderschutzbund als Hort genutzten Mitarbeiterhaus betreuen, während der Kinderschutzbund sich am Stadtpark um Kinder von null bis 14 Jahren kümmern würde. Hierzu würde er den jetzigen Kindergarten „Arche Noah“ von der Kirche pachten. Zusätzlich ist auf diesem städtischen Gelände ein Neubau für zwei Gruppen geplant. Karschnick berichtete im Ausschuss davon, dass bei der Verhandlung mit der Kirche Probleme aufgetaucht seien. So wolle die Kirche einen auf fünf Jahre angelegten Vertrag. Eine dreijährige Bindung halte er aber für ausreichend. Zudem beinhalte das Konzept der Kirche eine nicht unerhebliche Kostensteigerung, so Karschnick. Auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung mit zurückgehender Kinderzahl halte er dies für unangebracht. Bis jetzt habe die Kirche einen städtischen Zuschuss von 215 000 Euro im Jahr erhalten und dabei sogar Rücklagen bilden können. Im Ausschuss sprach man deshalb auch von einem „sehr auskömmlichen“ Zuschuss.

Aus Sicht des Ausschusses für Bildung und Soziales sei eine Grundbedingung für den Vertragsabschluss mit beiden Trägern die Festlegung einer Vertragslaufzeit auf drei Jahre. Mit den finanziellen Modalitäten und entsprechender Forderungen für die weiteren Verhandlungen soll sich der Finanz- und Wirtschaftsausschuss unter Vorsitz von Monika Rübenkamp in seiner Sitzung am 16. Juni befassen. Die Verantwortung für einen endgültigen Vertragsabschluss wird dem Hauptausschuss übertragen.

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