Grasnelken blühen so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr / Klaus Dürkop: Positive Entwicklung bei der Zwergseeschwalbe

Blütenteppiche überziehen Graswarder

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Teppiche von blühenden Grasnelken verzaubern den Graswarder.

HEILIGENHAFEN (ft) · Soweit das Auge reicht prägen in diesem Jahr tausendfach Grasnelken die Graswarder-Nehrung. Wohl an keiner anderen Stelle der Ostseeküste leuchten den Besuchern so ausgeprägt teppichartige Flächen an. Grasnelken haben in diesem Jahr besonders von den Niederschlägen Ende April und Mai profitiert. In den vergangenen Jahren waren sie durch die  niederschlagsarmen   Frühlingsmonate regelrecht vertrocknet. Eine ähnlich starke Blüte konnte letztmalig vor mehr als 20  Jahren nach einem frost-  und schneereichen Winter beobachtet werden.

Die ausdauernde Rosetten-staude besitzt fleischrosa bis hellkaminrote und kugelige Blütenköpfe, die einen angenehm betörenden Duft abgeben. Allgemein findet die Grasnelke an den Meeresküsten eine weite Verbreitung, doch da sie auch als Zuchtform gehandelt wird, trifft man sie vielerorts in Gärten wieder.

In den etwa 15 Zentimeter hohen Grasnelken haben sich darüber hinaus  in diesem Jahr schwerpunktmäßig Säbelschnäbler zur  Brut niedergelassen. Ein wunderschöner Anblick und außerdem in unmittelbarer Nähe zum Besucherriegel, sodass die Besucher mit dem Fernglas einen Blick  in die Kolonie werfen können. Zu den weiteren Brutvögeln in dieser Zone zählen Eiderenten, bei denen insgesamt eine erfreuliche Bestandszunahme zu verzeichnen ist. Sie haben offensichtlich schnell erkannt, dass sich keine Füchse im Naturschutzgebiet aufhalten. Die Bejagung und die Einzäunungen mit Elektro-Zaun und Maschendraht zeigen endlich durchschlagende Wirkung. Gut getan hat dieser Zustand auch der großen Sturmmöwenkolonie südlich des Naturzentrums. Hier herrscht eine Ruhe wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Während die Presse über Ölverschmutzungen im Golf von Mexiko berichtet und ölverschmierte Vögel zeigt, können wir froh sein, dass sich im Naturschutzgebiet Graswarder die Vogelwelt wohl fühlt. So kann der Landesnaturschutzbeauftragte Klaus Dürkop nur über eine positive Entwicklung im NSG Graswarder berichten. Anlass bildet dafür die Zwergseeschwalbe.

▪ Zweitgrößte Kolonie an der Ostseeküste

Diese äußerst seltene und empfindliche  Vogelart kehrt offensichtlich dauerhaft auf den Graswarder zurück. Was sich mit wenigen Paaren im Osten des Gebietes bereits in den vergangenen Jahren zaghaft ankündigte, ist nun eingetreten. 24 Paare und damit die zweitgrößte Kolonie an der Ostseeküste bilden eine wehrhafte Gemeinschaft, um sich auch gegen Silbermöwen durchzusetzen. Da nicht ganz auszuschließen ist, dass Marder oder Marderhund in die Brutkolonie eindringen könnten, wurde zur Abwehr ein Elektro-Zaun installiert. Füchse sind bisher überhaupt noch nicht aufgetaucht. Ein  Zeichen für die gute Zusammenarbeit mit hiesigen Jägern.

Die Zwergseeschwalben haben für sich auf dem neu entstandenen Strandwall im Osten des Naturschutzgebietes einen sicheren Brutraum gefunden. Selbst in der „Blütezeit” um 1976 hat es auf dem Graswarder keinen so großen Bestand gegeben. Damals brüteten sie sogar noch westlich des „Berliner Lagers” und auf  Aufspülungsflächen, die durch die Vertiefung der Fahrrinne im Osten entstanden waren. Im Naturschutzgebiet Graswarder sind die ersten Zwergseeschwalben bereits geschlüpft und warten auf genügend Sandaale, ihre Hauptspeise. Natürlich muss nun auch noch das Wetter  mitspielen, denn gegen Sturm und Regen sind die winzigen Jungtiere nur ungenügend gefeit. Selbstverständlich haben in dieser Zeit auch  Zweibeiner wie wir Menschen keinen Zutritt, denn Ruhe ist das Gebot der Stunde. „Als Anwälte für die Erhaltung von Natur wird es unser besonderes Anliegen sein, diesen Schatz an Zwergseeschwalben für die Zukunft zu sichern“, so Dürkop.

Elegante Vögel auf  grau-blauen Stelzenfüßen zählen an der Ostseeküste schon zu den großen Seltenheiten. Die Rede ist von den Säbelschnäblern. Sie lassen sich von März bis Juli regelmäßig auf dem Weg zum Naturzentrum gut beobachten. In diesem Jahr hatten sie bei ihrer ersten Brutplatzsuche leider noch Pech, denn auf den tief liegenden Salzwiesen am Beobachtungsturm wurden ihre Gelege nach einem Hochwasser fortgeschwemmt. Jetzt brüten sie erfolgreich am Rande eines höher gelegenen Strandwallhakens in unmittelbarer Nähe zum Naturzentrum. So können sie stets bei ihrer Nahrungssuche in den flachgründigen Lagunen von den Besuchern erlebt werden. Mitten zwischen tausendfach blühenden Grasnelken entstand auf engstem Raum eine äußerst wehrhafte Kolonie mit 26 Paaren. In unmittelbarer Nähe haben sich zwar einige wenige Silbermöwenpaare angesiedelt, doch sie werden stets stark attakiert, sobald sie auch nur Anstalten machen,  sich den Gelegen der Säbelschnäbler zu nähern.

Wie ein Schlag in die Magengrube kommt es dem Landesnaturschutzbeauftragten Klaus Dürkop vor, wenn er von erneutem Diebstahl von Sturmmöweneiern spricht.

▪ Eierklau: 350 Gelege verschwunden

Klaus Dürkop: „Wir wissen zwar, dass Menschen für diese Tat infrage kommen, doch stichhaltige Beweise konnten bisher nicht erbracht werden.  Die Personen kommen in der Nacht oder in der Dämmerung, wenn die Naturschutzwarte noch in ihrem verdienten Schlaf sind.“ Als Referent für das Schutzgebiet unternahm Klaus Dürkop zwar frühmorgens mehrere stichprobenartige Kontrollen, doch dann blieb stets alles ruhig im Gebiet.  Etwa 350 Gelege der Sturmmöwe, die zu dem noch hochbebrütet waren, verschwanden.  Welcher  Personenkreis für diese verabscheuungswürdige Tat infrage komme, sei leider nur schwer auszumachen.  Fest stehe nur, dass sie von See her das Gebiet im Osten aufsuchten, sagte Dürkop. Die Kolonien der Sturmmöwen in der Nähe des Naturzentrums bleiben stets unangetastet. Die lauten Schreie der Möwen  würden nämlich die Naturschutzwarte hellhörig machen. Versuche, die örtliche Polizei für dieses Problem zu interessieren, seien leider weitestgehend erfolglos geblieben, bemängelt Klaus Dürkop.

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