Tourismusakteure Ostholsteins steckten beim „Strandkorbgespräch“ in Dahme künftigen Kurs ab

Sonnenschein ist nur die halbe Miete

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Die Tourismustreibenden in Ostholstein wollen sich dafür stark machen, die Ferienzeiten der Bundesländer effektiver zu verteilen – 90 Tage sind theoretisch drin, 2014 werden es gerade einmal 71 Tage sein. Darunter leide der Tourismus, mahnte Ingo Gädechens (3.v.l.).

OSTHOLSTEIN · Sonne, Wellenrauschen und feinster Sand unter den Füßen – das perfekte Urlaubswetter bei der traditionellen „Strandkorbrunde“ der CDU in Dahme konnte gestern nicht darüber hinwegtäuschen, dass der touristische Start ins Jahr 2013 gründlich ins Wasser gefallen war. Die sommerlichen Aussichten stimmten Bürgermeister und Tourismusleiter zwar zuversichtlich, doch die Rahmenbedingungen für den Fremdenverkehr seien derzeit alles andere als ideal.

So berichteten die Anwesenden annähernd unisono von Rückgängen bei den Übernachtungszahlen. Nachdem das kühle Oster- und das kaum angenehmere Pfingstwochenende dem Fremdenverkehr „gründlich die Petersilie verhagelt“ hatte, wie Gastgeber Ingo Gädechens feststellte, müsse es nun also die unmittelbar bevorstehende Hauptsaison wieder ins Lot bringen.

Plön: Kurabgabe erhöhen ist keine Option

Doch was sich angesichts der aktuell guten Wetterlage nach einer leichten Übung anhört, birgt durchaus einige Fallstricke, wie unter anderem der Dahmer Bürgermeister Heinrich Plön deutlich machte: So machten es die wieder verschärfte Bäderregelung sowie ein schlecht abgestimmter und viel zu kurzer Ferienkorridor den Touristikern schwer, halbwegs vorzeigbare Bilanzen abzuliefern. Eine Erhöhung der Kurabgabe, machte Plön seinen Standpunkt deutlich, könne jedenfalls nicht der Weg sein, die wegfallenden Einnahmen auszugleichen; man dürfe die Urlaubsgäste nicht zusätzlich belasten, befand der Bürgermeister.

Anregungen kamen erstmals aus der Lübecker Bucht: Eine andere Möglichkeit zum Gegensteuern sah Volker Weidemann, Bürgermeister in Sierksdorf, in der stärkeren Vermarktung der Wintermonate. Doch auch die Infrastruktur in den Orten müsse stimmen.

Depenau: Unabhängiger vom Wetter machen

Einige Schritte weiter ist in dieser Hinsicht offenbar Weissenhäuser Strand: Der Geschäftsführer des dortigen Ferienparks, David Depenau, konnte über ein erneutes Rekordgeschäftsjahr berichten, allein im Juni habe man 34 000 Übernachtungen verzeichnen können und liege damit knapp unter der Kapazitätsgrenze. Als tragende Säulen für diesen Erfolg nannte Depenau die wetterunabhängigen Attraktionen des Ferienparks sowie umfangreiche Investitionen in das Fremdenverkehrs-Angebot.

Doch nicht nur die Tourismus-Hochburgen direkt an der Ostsee, sondern auch das „Achterland“ könne von einer Steigerung des Gästeaufkommens profitieren, gab Lensahns Bürgermeister Klaus Winter zu bedenken und nannte als Beispiele das Gewerbe in Autobahnnähe, das durch die Urlaubsgäste mehr Umsatz generiere. Daher appellierte Winter auch an die umliegenden Orte, sich mit einem starken touristischen Partner zusammenzuschließen.

Eine „Riesenchance“ für den Tourismus sah Depenau zudem in der Festen Fehmarnbeltquerung; diese eröffne ganz neue Möglichkeiten im skandinavischen Markt. „Der Kuchen ist nicht größer geworden“, stimmte Gädechens zu – die touristische Orientierung über die Grenze sei da naheliegend, um die hiesigen Gästebetten zu füllen.

Über einen eher schleppenden Start in die Saison berichtete auch Nadine Fischer vom Tourismus-Service Heiligenhafen. Allerdings habe die Erlebnis-Seebrücke den Zulauf an Tagesgästen in der Warderstadt merklich angekurbelt – eine Belebung des Fremdenverkehrs sowie saisonverlängernde Wirkung erwarte man zusätzlich durch den Bau des Marina-Resorts und des Hafenhotels. „Wir sind auf einem guten Weg“, fasste Fischer optimistisch zusammen.

„Keine Langeweile“ in Großenbrode

Etwas verhaltener dagegen der Ausblick bei den Großenbroder Nachbarn: „Bei uns kommt keine Langeweile auf“, gab sich Kurverwaltungs-Leiterin Sandra Hamer Mühe, der vertrackten Situation Positives abzugewinnen. Doch „viele Fragezeichen“, etwa bezüglich der Hinterlandanbindung, der LTO-Zugehörigkeit und nicht zuletzt der Zukunft der GmbH, lassen hier Ungewissheit über Zuversicht überwiegen.

Vor große Herausforderungen sah auch Tourismusdirektorin Imke Grotelüschen den Fremdenverkehr auf Fehmarn gestellt. Die Insel ist am unmittelbarsten durch den Bau des Festen Beltquerung betroffen, das müsse man schon bei der Bauphase berücksichtigen und entsprechend mit den Unterkunftsgebern zusammenarbeiten. Auf der anderen Seite sprächen gerade die stetig wachsenden Besucherzahlen aus Skandinavien für eine stärkere Ausrichtung in diese Richtung, konnte Grotelüschen der Querung durchaus auch Positives abgewinnen.

Die SPD-Abgeordneten Lars Winter und Bettina Hagedorn, machte der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Timo Gaarz deutlich, fügten der Region durch ihren "taktischen Protest" mittlerweile nur noch Schaden zu. Die Querung komme, das sei eine Tatsache – es bringe nichts, den Menschen hier Sand in die Augen zu streuen, sähe Gaarz es lieber, wenn Ostholstein mit einer Stimme spräche, um eine möglichst verträgliche Hinterlandanbindung zu erreichen.

Als nächstes großes Ziel nahm sich die Strandkorbrunde die Verbreiterung des Ferienkorridors vor. Den Entwurf einer entsprechenden Resolution gab Ingo Gädechens den Teilnehmern zur weiteren Ausarbeitung mit auf den Heimweg. · wob

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