Touristische Zukunft: Auch in Großenbrode könnte es einen Bürgerentscheid geben

CDU für Bürgerbeteiligung

Tobias Michelsen, Vereinsgründer von Sail United, hat keine Planungssicherheit. Gerne würde er sein Engagement in Großenbrode fortführen.
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Tobias Michelsen, Vereinsgründer von Sail United, hat keine Planungssicherheit. Gerne würde er sein Engagement in Großenbrode fortführen.

Großenbrode –ra– Die Großenbroder CDU hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, für wie wichtig sie es erachtet, dass die Gemeinde eine Verschnaufpause erhält, was touristische Großprojekte betrifft. „Der Appartement-Bau Südstrand 54 ist fast abgeschlossen, und die nächsten Vorhaben stehen schon in den Startlöchern. Einen Hotelkomplex an der Mole, der bereits jetzt in die Wege geleitet werden soll, halten wir derzeit für unpassend“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Sehmel.

  • Großenbroder CDU will Bürger über neues Hotel abstimmen lassen
  • Jetzige Stimmverteilung spiegle nicht den Bürgerwillen wider
  • Vereinsgründer der Segelschule Sail United besorgt

Doch ein möglicher Grundstücksverkauf an einen Investor steht bereits bei der Sitzung der Gemeindevertretung (Dienstag, 19 Uhr) auf der Tagesordnung – allerdings im nichtöffentlichen Teil. „Wir wollen einen Bürgerentscheid. Die Einwohner Großenbrodes sollen darüber abstimmen dürfen, ob sie zeitnah an der Mole ein 150-Zimmer-Hotel haben möchten“, sagte Hans Sehmel. Der CDU-Antrag für einen Bürgerentscheid steht an 26. Stelle der Tagesordnung am kommenden Dienstag.

In der vergangenen Woche haben mehrere Investoren ihre Konzepte für das Filet-Grundstück an der Mole hinter verschlossenen Türen vorgestellt. „Und schon am 29. September steht das Thema auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Für uns ist das viel zu wenig Zeit“, so Sehmel. Nach Meinung der CDU stelle die Größe des Hotels – und die damit verbundenen zukünftigen Übernachtungszahlen – einen massiven Eingriff in das soziale Leben der Großenbroder dar. „Schließlich sprechen wir hier von 90000 bis 100000 Übernachtungen pro Jahr. Die jetzt schon stark belastete Strandstraße ist zudem die einzige Zuwegung zu dem geplanten Hotel, ebenso verhält es sich mit der Straße Am Kai“, heißt es in dem Antrag der CDU. „Uns geht es vor allem darum, dass die jetzige Stimmenverteilung in der Gemeindevertretung nicht den Wählerwillen der Kommunalwahl von 2018 widerspiegelt. Die Zählgemeinschaft um SPD, FDP und CDG ist am Drücker, dabei hat die CDU die Wahl souverän gewonnen. Deshalb sprechen wir uns für einen Bürgerentscheid aus, so wie Kuno Brandt es in Heiligenhafen gemacht hat“, erklärte Hans Sehmel. Grundsätzlich habe die CDU in Zukunft nichts gegen ein Hotel in der Gemeinde, aber in den kommenden Jahren müsse zunächst die Infrastruktur den gestiegenen Gästezahlen angepasst werden.

Der vorgesehene Hotelstandort an der Mole ist unterdessen ein echtes Filet-Grundstück mit Ostseeblick. Allerdings ist auch die Segelschule Sail United, die sich für inklusiven Wassersport einsetzt und schon bundesweit für positive Schlagzeilen gesorgt hat, aktuell auf einer Ecke der Fläche beheimatet. „Wir haben einen Pachtvertrag, der in jedem Jahr bis Ende Oktober einseitig von der GTS gekündigt werden kann. Wenn der Hotelbau kommen sollte, sehe ich kaum eine Perspektive für uns in Großenbrode“, sagte Vereinsgründer Tobias Michelsen und ergänzte: „Die Alternativen, die uns aufgezeigt worden sind, sind für uns kaum darstellbar. Ich erwarte nicht, dass uns von der Gemeinde der rote Teppich ausgerollt wird, aber mittlerweile fühlen wir uns nicht mehr wirklich willkommen hier.“

Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDG) sagte gestern zu dem von der CDU initiierten Vorstoß, einen Bürgerentscheid zum Hotelprojekt durchzuführen: „Ich verstehe den Sinneswandel bei der CDU nicht. Die Fraktion, in er ich damals noch Mitglied gewesen bin, war absolut für die Entwicklung eines Hotels an diesem Standort und für den Verkauf an einen Investor. Mit fehlt nun jegliches Verständnis.“ Grundsätzlich sei ein Bürgerentscheid das höchste demokratische Votum, „ich bin aber als Gemeindevertreter vertretend für die Gemeinde gewählt und habe dann meine Meinung zu vertreten für die Bürger“. Es dürfte spannend werden am Dienstag.

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