Bürgermeisterwahl in Heiligenhafen: Parteien verzichten auf eigene Kandidaten

Es bleibt bei drei Bewerbern

+
Drei Bewerber gibt es für den Chefsessel im Heiligenhafener Rathaus.

Heiligenhafen -ra- Niclas Boldt, Kuno Brandt oder Manfred Wohnrade: Einer dieser drei Bewerber wird neuer Bürgermeister der Stadt Heiligenhafen. „Ein vierter Kandidat hat sich nicht mehr gefunden, die Frist endete bekanntlich Montagabend um 18 Uhr“, sagte Gemeindewahlleiter und 1. Stadtrat Folkert Loose. Zum Vergleich: Bei der Bürgermeisterwahl 2016 hatte es noch fünf Kandidaten gegeben, die mit dem Chefsessel im Rathaus geliebäugelt hatten.

Boldt, Brandt und Wohnrade könnten unterschiedlicher nicht sein, haben aber dennoch eine Gemeinsamkeit: Sie alle treten als unabhängige Kandidaten an, wurden also nicht im Vorfeld von einer Partei oder einer Wählervereinigung nominiert. Überhaupt haben sich alle politischen Ortsvereine bislang aus der bevorstehenden Bürgermeisterwahl herausgehalten, was ungewöhnlich ist. 2016 trat CDU-Mann Georg Rehse an, zudem wurde Ellen Schülke von der SPD nominiert. Sechs Jahre zuvor ist Klaus-Michael Tatsch von der CDU, der SPD und den Grünen unterstützt worden, um Amtsinhaber Heiko Müller Paroli zu bieten. 2004 wurde Matthias Rasch von den Christdemokraten ins Rennen geschickt. Die HP hat bei den Parteien und Wählervereinigungen nachgefragt, warum diese für die bevorstehende Wahl keine eigenen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt haben und was sie von der Bewerberauswahl halten.

„Die Heiligenhafener CDU hat bei allen Direktwahlen seit 1998 einen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt oder unterstützt. Wir haben allerdings festgestellt, dass die Bürger der Direktwahl eines Bürgermeisters eine ganz besondere Bedeutung zukommen lassen und eine Parteiunterstützung kritisch sehen. Diese Einschätzung haben wir intensiv erörtert und sind zu dem Ergebnis gekommen, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen“, sagte Timo Gaarz, Vorsitzender des CDU-Ortsvereins. Weil Manfred Wohnrade und Kuno Brandt ausgebildete Verwaltungsfachleute in leitenden Funktionen seien, erwarte er zwischen den beiden Bewerbern ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gaarz betonte abschließend: „Wir stehen allen Kandidaten für Gespräche zur Verfügung.“

Für Dr. Theodor Siebel, Vorsitzender des Heiligenhafener SPD-Ortsvereins, habe schlichtweg die Zeit gefehlt, um mit einem eigenen Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl an den Start zu gehen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mindestens sechs Monate Vorlauf für einen erfolgreichen Wahlkampf haben muss, wenn man keinen Kandidaten in petto hat. Und das hatten wir nicht.“ Die aktive Unterstützung einer Partei könne aber auch hinderlich und eher störend für die optimale Entfaltung der Persönlichkeit eines Bewerbers sein. „Mit drei Kandidaten aus Heiligenhafen ist das Feld gut bestellt. Schön wäre es gewesen, wenn es auch eine weibliche Bewerberin gegeben hätte“, sagte Siebel abschließend. 

„Zwar gab es in den Reihen der BfH Interesse, das Amt des Bürgermeisters zu bekleiden, jedoch sieht man auch eine starke Konkurrenz und Kompetenz in den anderen Kandidaten, sodass man sich darauf verständigt hat, keinen eigenen Bewerber ins Rennen zu schicken“, sagte Simon Schulz, 2. Vorsitzender der „Bürger für Heiligenhafen“. „Wir sind mit der jetzigen Bewerberauswahl zufrieden, und rein persönlich hat jeder seinen Favoriten.“

Auch die Grünen haben auf einen eigenen Bewerber verzichtet. „Ob und eventuell für welchen Kandidaten die Grünen sich stark machen, wird in einer basisdemokratischen Mitgliederbefragung entschieden. Es ist geplant, die drei Kandidaten darüber hinaus noch insbesondere zu Grünen-Fragen zu interviewen“, sagte Jörn Brauer, neuer Sprecher des Grünen-Ortsverbandes Heiligenhafen. Helmut Gideon von der FDP erklärte die Zurückhaltung des Ortsvereins: „Zurzeit hat sich in der Heiligenhafener FDP kein Kandidat ergeben. Alle in Frage kommenden Personen sind in ihrer jetzigen Lebensphase zu sehr eingebunden oder aus persönlichen Gründen nicht verfügbar.“ Er sagte über die drei Bewerber: „Ich denke, wir haben qualifizierte Kandidaten mit großer Fachkompetenz in der Runde.“ Die FDP werde nicht für einen der drei Bewerber Partei ergreifen, „sondern jeder stimmt nach seinem Empfinden ab“. Wie Holger Mikolajczak (Forum BisS) der HP sagte, sei er von vielen Menschen ermutigt worden, selbst als Kandidat bei der Bürgermeisterwahl anzutreten, habe sich aber schlussendlich dagegen entschieden. „Von den drei Bewerbern halte ich Kuno Brandt für den geeignetsten Kandidaten, um Heiko Müllers Arbeit weiterzuführen“, so Mikolajczak. 

Der Wahlprüfungsausschuss tritt am Freitag (17. Januar) um 16 Uhr im Rathaus-Sitzungssaal zusammen, um die Rechtmäßigkeit der drei Bewerbungen festzustellen und den Kandidaten grünes Licht zu geben.

Am 8. März hat Heiligenhafen entschieden und Kuno Brandt zum neuen Bürgermeister gewählt.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.