Porträt von Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise.
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Der Vorstand der CDU im Kreis Ostholstein hat entschieden, dass Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise, der im Mai 2020 vom CDU-Ortsverband Großenbrode in die Fraktion Christliche Demokraten Großenbrode (CDG) gewechselt ist, nicht mehr CDU-Mitglied auf Kreisebene sein soll.

Vorwurf des parteischädigenden Verhaltens

Keine Zukunft für Jens Reise im CDU-Kreisverband

  • Patrick Rahlf
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Der CDU-Kreisvorstand möchte Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise sowie Christel Georgi und Hans-Heinrich Schröder nicht länger als Mitglieder im CDU-Kreisverband haben. Das Trio hatte im Mai 2020 die Fraktion CDG gegründet.

  • CDU-Kreisvorstand Ostholstein fordert Ausschluss der Großenbroder Kommunalpolitiker Jens Reise, Christel Georgi und Hans-Heinrich Schröder.
  • Reise hat gegen die Entscheidung Widerspruch eingelegt.
  • Den drei Kommunalpolitikern wird von Seiten der CDU parteischädigendes Verhalten vorgeworfen, weil sie in Großenbrode mit der CDG ihre eigene Fraktion gegründet hätten.

Großenbrode – Der Vorstand des CDU-Kreisverbandes Ostholstein ist in einer Sitzung im Dezember vergangenen Jahres zu dem Entschluss gekommen, dass eine Fortführung von Jens Reises Parteimitgliedschaft auf Kreisebene nicht möglich sei. In der vergangenen Woche hat der CDU-Ortsverband Großenbrode diesen Entschluss in einem Schreiben an alle Mitglieder öffentlich gemacht. Ebenfalls sollen Christel Georgi und Hans-Heinrich Schröder nicht länger Mitglied in der CDU sein. 

Alle drei genannten Kommunalpolitiker hatten bereits im April vergangenen Jahres ihre Austritte aus der CDU erklärt, nach einem klärenden Gespräch mit Ingo Gädechens aber immerhin ihre Mitgliedschaft im CDU-Kreisverband aufrechterhalten. Aus dem Ortsverband hat sich das Trio nach internen Differenzen gänzlich zurückgezogen (wir berichteten). „Ingo Gädechens ist auf uns zugekommen und hat den Wunsch geäußert, dass wir doch zumindest dem CDU-Kreisverband erhalten bleiben können. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen“, sagte Jens Reise auf Nachfrage. 

Reise hat Widerspruch eingelegt

Gegen die nun getroffene Entscheidung des CDU-Kreisvorstandes hat Reise unterdessen Widerspruch eingelegt, „weil in der Begründung einige Sachen völlig falsch dargelegt werden“, so Großenbrodes Bürgermeister. „Es heißt, dass meinem Ersuchen, meine Parteimitgliedschaft auf Kreisebene fortführen zu dürfen, vom Kreisvorstand eine Absage erteilt wurde. Doch welches Ersuchen? Ich wurde von Ingo Gädechens gebeten, zu bleiben“, berichtet Reise fassungslos und ergänzt: „Für mich ist das jetzt ganz schlechter Stil.“

Es heißt, dass meinem Ersuchen, meine Parteimitgliedschaft auf Kreisebene fortführen zu dürfen, vom Kreisvorstand eine Absage erteilt wurde. Doch welches Ersuchen? Ich wurde von Ingo Gädechens gebeten, zu bleiben.

Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDG)

Ingo Gädechens erklärte gestern auf Nachfrage: „Ich habe in einem persönlichen Gespräch explizit darauf hingewiesen, dass mit einer Fortführung der Mitgliedschaften auf CDU-Kreisverbandsebene es weder vor Ort noch im Allgemeinen zu einem parteischädigenden Verhalten kommen darf.“ Dieses hätte es aber gegeben, nicht zuletzt weil das frühere CDU-Trio eine eigene Fraktion (CDG) gegründet hätte. „Damit liegt ein gravierender Verstoß im Sinne des Paragraphen zehn der CDU-Landessatzung vor und zeigt ein eindeutig parteischädigendes Verhalten.“  

Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens weist Reises Vorwurf zurück

Vorwürfe in Richtung CDU-Kreisvorstand, dieser hätte mit den Betroffenen einen schlechten Stil gepflegt, weist Ingo Gädechens scharf zurück. „Da die satzungsrechtlichen Bestimmungen eindeutig und transparent sind, wären solche Vorwürfe auch menschlich sehr enttäuschend. In Kenntnis der rechtlichen Sachlage, eine mit der CDU konkurrierende CDG-Fraktion zu gründen, setzt mutwilliges Handeln voraus. Die Schuld jetzt bei anderen abzuladen, ist ein untauglicher Versuch, von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken“, findet der Kreisvorsitzende deutliche Worte. Die Ostholsteiner CDU bedauere die Entwicklung und hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht. „Das hätte aber ein satzungskonformes Verhalten der drei benannten Personen vorausgesetzt.“ 

Da die satzungsrechtlichen Bestimmungen eindeutig und transparent sind, wären solche Vorwürfe auch menschlich sehr enttäuschend.

CDU-Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens

Auch sei der Versuch gescheitert, den früheren CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Klinckhamer als Mediator einzusetzen, erklärte Gädechens. Jens Reise: „Die verbliebene Großenbroder CDU war nur unter einer Bedingung gesprächsbereit: Hans-Heinrich Schröder müsse sein Mandat niederlegen.“ Einen Rücktritt als Bedingung zu fordern, sei keine Basis für Gespräche, um sich wieder anzunähern, stellt Reise klar. 

CDU-Ortsverein ist immer noch empört über die Gründung der Zählgemeinschaft CDG

Die Großenbroder CDU schaut derweil nach vorne. „Es ist im vergangenen Jahr immer deutlicher geworden, dass die CDU Großenbrode an ihrem Wahlprogramm festhält. Wir werden keine touristischen Großprojekte unterstützen, die in einem Turboverfahren ohne Information der Bürger entschieden werden“, heißt es in einem Schreiben der Vorsitzenden Nicole Becker an die Mitglieder. Nach wie vor sei die CDU empört über die Gründung der Zählgemeinschaft, die den Wählerwillen in der Gemeinde völlig umkehren würde.

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