Touristen müssen bis heute Mittag Unterkünfte verlassen / Das öffentliche Leben steht still

Corona-Krise sorgt für Shutdown in Heiligenhafen

Die Stadtverwaltung Heiligenhafen hat derweil geschlossen.
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Die Stadtverwaltung Heiligenhafen hat derweil geschlossen.

Heiligenhafen –ft/ra— Die Landesregierung hat aufgrund des Coronavirus weitere harte Einschnitte in das öffentliche Leben beschlossen. Die meisten Geschäfte müssen schließen, und auch Restaurants, die unter strengen Auflagen bis gestern noch öffnen durften, müssen dicht machen, dürfen aber außer Haus verkaufen.

  • Tourismus in Heiligenhafen vorerst stillgelegt 
  • Gerüchte über Corona-Fall in Heiligenhafener Ameos-Klinik
  • Private Reisen nach Schleswig-Holstein verboten

Sportanlagen und Spielplätze sind gesperrt, private Besuche in Kliniken und Pflegeheimen wurden verboten, und es gibt zahlreiche weitere Einschränkungen aufgrund der Coronavirus-Ausbreitung. Die Versorgung der Menschen mit Dingen des täglichen Bedarfs soll aber sichergestellt sein – beispielsweise Supermärkte, Banken und Tankstellen bleiben geöffnet.

Zu Gerüchten, dass es in der Ameos-Klinik Heiligenhafen einen Corona-Fall gäbe, sagte Pressesprecherin Erken Schröder: „Wir haben im Ameos-Klinikum keinen Bewohner und keinen Mitarbeiter, der positiv getestet ist. Wir haben aber einen Mitarbeiter, der aus dem Urlaub gekommen ist und sich in häuslicher Quarantäne befindet. Dieser hat das Gelände aber nicht mehr betreten.“ Bis gestern Nachmittag gab es vier bestätigte Corona-Fälle in Ostholstein, 145 waren es landesweit. Die Umstellung im Alltag wegen des Coronavirus ist schon seit einigen Tagen spürbar.

Corona: „Finanziell eine Katastrophe“

Nach den einschneidenden Entwicklungen der vergangenen Tage war es nur eine Frage der Zeit, bis der Tourismus in Schleswig-Holstein kompromisslos heruntergefahren wird. Fehmarn ist schon seit Anfang der Woche für Urlaubsgäste gesperrtTouristen, die sich noch im nördlichsten Bundesland aufhalten, müssen es bis spätestens heute verlassen. Betroffen sind alle Hotels, aber auch Privatvermieter und Campingplätze.

 „Das ist finanziell gesehen eine Katastrophe für alle. Bis zum 19. April gilt diese Maßnahme erst einmal, aber ich rechne fest damit, dass wir noch länger nicht öffnen dürfen“, sagte Ulrich Elsner, Geschäftsführer des Hafenhotels „Meereszeiten“. Viele Mitarbeiter wurden bereits in Kurzarbeit geschickt. „Das Wichtigste ist, dauerhaft alle Arbeitsplätze zu sichern.“ Auch der „Rettungsschuppen“ gehört zu jenen Restaurants, die bereits geschlossen haben.

Und gestern Nachmittag wurde es noch drastischer: Touristen dürfen Schleswig-Holstein vom heutigen Mittwoch an nicht mehr betreten. „Reisen aus touristischem Anlass in das Gebiet des Landes Schleswig-Holstein werden untersagt. Das kann kontrolliert und ordnungsrechtlich durchgesetzt werden“, sagte Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP).

Heiligenhafen: Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden

Zugleich soll die Bäderregelung, die der Versorgung der Gäste in Fremdenverkehrsorten dient, bis zum 19. April ausgesetzt werden. Lebensmittel dürfen allerdings auch sonntags verkauft werden.

Was das Corona-Krisenmanagement für Heiligenhafen bedeutet, erläuterte Tourismusleiter Manfred Wohnrade unserer Zeitung. „Wir haben bereits Montagabend damit angefangen, die Urlauber, die gebucht haben, zu informieren. Die Stornierung ist für die Gäste kostenfrei. Wie hoch der damit verbundene finanzielle Schaden ist und ob wir mit einer Entschädigung rechnen können, vermag ich jetzt noch nicht zu sagen.“ 

Die 1000 Dauermieter der Marina Heiligenhafen werden ebenfalls in dieser Woche informiert, dass der Saisonstart zunächst auf den 20. April verschoben wird. „Wir werden die Anlage weiter vorbereiten, damit wir ohne Verzögerung die Infrastruktur hochfahren können, wenn es dann doch losgehen kann“, so Wohnrade. Der Reisemobilstellplatz wird ebenfalls zunächst bis 19. April geschlossen, ebenso das Aktiv-Hus.

Zur Minimierung einer Ansteckungsgefahr wurde zudem der Bauhof in zwei Teams aufgeteilt. „Für alle touristischen Betriebe in Heiligenhafen ist es eine schwierige Zeit, die nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Wir alle hoffen, dass sich die Verhältnisse bald wieder stabilisieren werden. Momentan stehen jedoch die Gesundheit und der Schutz der Bevölkerung im Vordergrund“, sagte der Tourismusleiter.

„Beginn einer sehr harten Zeit“

Zahlreiche Einzelhändler, die nicht als Grundversorger gelten, werden ab heute (18. März) ebenfalls schließen müssen. „Es ist der Beginn einer sehr harten Zeit. Wir können nur hoffen, dass wir diese alle heil überstehen“, sagte Hanna Maschke, Pressesprecherin des Gewerbevereins Heiligenhafen. Das Schlimmste sei die Ungewissheit, dass die Dauer der Einschränkungen derzeit nicht absehbar sei. Aber auch in dieser harten Zeit, wird in Heiligenhafen zusammengehalten.

Auch die Stadtverwaltung hat reagiert und gestern den Notbetrieb verkündet. „Aufgrund der aktuellen Entwicklung und der Personalsituation werden die regelmäßigen Öffnungszeiten der Stadtverwaltung Heiligenhafen einschließlich Servicebüro ab sofort bis auf Weiteres ausgesetzt und ein Notbetrieb mit telefonischer und schriftlicher Voranmeldung durchgeführt. Das Rathaus bleibt daher für die Öffentlichkeit zunächst geschlossen“, teilte der Büroleitende Beamte Kai-Uwe Maurer am gestrigen Vormittag mit.

Großenbrode: Jens Reise bietet Unterstützung an

GroßenbrodesBürgermeister Jens Reise ruft unterdessen alle Senioren dazu auf, so wenig wie möglich das Haus zu verlassen. „Unsere Lebensmittelläden bieten

Lieferdienstean. Die Märkte werden bei Bedarf von unseren Gemeindemitarbeitern mit kommunalen Fahrzeugen unterstützt“, so Reises Versprechen. Angehörige, Nachbarn und Freunden seien derzeit ebenfalls in der Pflicht, zu unterstützen, so sein Appell.

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