Die Situation in der Warderstadt war verhältnismäßig entspannt – Heute fällt die Schule aus

„Daisy“ sorgte für Schneechaos

Das Meer wütete an der Ostseeküste wie hier in Dahme. Ganz Norddeutschland hatte das Tief „Daisy“ in ein Schneechaos gestürzt.  Foto: Otto Kasch

HEILIGENHAFEN (nic) • Tief „Daisy“ hat Norddeutschland in ein Schneechaos gestürzt. In Ostholstein war die Situation am Wochenende stellenweise regelrecht besorgniserregend.Der Schneesturm über Lübeck und Ostholstein hatte zahlreiche Einsatzkräfte beschäftigt.

Allein in Ostholstein waren 253 Notrufe bei der Polizei in der Nacht zu Sonntag eingegangen, in der Nacht bis in die Morgenstunden hatten sich landesweit 50 Unfälle leichterer Art ereignet, im Laufe des Sonntags zählte die Polizei 60 überwiegend leichte Unfälle. In Dithmarschen waren dabei jedoch zwei Schwer- und ein Leichtverletzter zu beklagen.

Viele Menschen, auf dem Weg zur Arbeit, steckten gestern Morgen mit ihren Fahrzeugen in meterhohen Schneewehen fest. Selbst Räumfahrzeuge blieben immer wieder stecken.

Bei Dahmeshöved drohte ein Deich zu brechen. Auch in Lübeck kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen. So hatte die Priwall-Fähre gestern zunächst ihren Betrieb eingestellt. Der Priwall war für diese Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. Der Pegelstand der Trave betrug gestern am frühen Morgen 6,50 Meter in der Lübecker Altstadt, das Wasser war über die Ufer getreten. Gegen Abend beruhigte sich der Pegelstand, war leicht rückläufig und lag bei 6,27 Meter.

Auch in Travemünde war die Situation lange Zeit äußerst angespannt. Die Wellen der Ostsee peitschten gegen die steinerne Strandpromenade und rissen mit ungeheurer Wucht Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumflogen, beschrieb die Polizei.

• Kein

• Vergleich

• zu Fehmarn

Vor dem Hintergrund dieser beunruhigenden Szenarien ist die Warderstadt noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Kein Vergleich zu Fehmarn, wo die Situation in der Nacht zu gestern bei zehn Windstärken aus Nordost regelrecht dramatisch war.

Zeitweise waren in der Nacht alle Dörfer abgeschnitten. Von 9.22 bis 10.05 Uhr gab es einen Stromausfall, der auch Großenbrode betraf. Zwischen Puttgarden und Matthiasfelde hatten sich mehrere Räumfahrzeuge festgefahren, der Deich in Fehmarnsund war gleich an zwei Stellen auf mehrere Meter Länge unterspült. Der Zug- und Busverkehr auf der Vogelfluglinie waren gestern vollständig eingestellt.

Im Vergleich dazu war die Lage in Heiligenhafen geradezu entspannt. Einige Heiligenhafener unternahmen gestern Mittag am Binnensee sogar einen Spaziergang. Auch wenn die Lage in der Warderstadt derzeit nicht über alle Maßen dramatisch scheint –  Heiligenhafens Schüler wird‘s freuen: In Heiligenhafen fällt heute aufgrund der Witterung nach Entscheidung des Bildungsministeriums die Schule aus.

Die Hauptstraßen in Heiligenhafen waren am Wochenende allesamt befahrbar. Gemeinde- und Kreisstraßen waren in Ostholstein fast alle unpassierbar.

Große Schwierigkeiten bereitete auch die B 501 von Heiligenhafen nach Grömitz, die bei Grömitz teilweise aufgrund der starken Schneeverwehungen gesperrt wurde. Hier dauerten die Räumarbeiten noch mindestens bis in die Nacht.

• „Hatten mit

• ,Daisy' gar nicht

• so viel zu tun“

Die Schneeverwehungen machten auch sonst ein Durchkommen unmöglich. Klausdorf, Neukirchen, Heringsdorf – „da kommen wir derzeit gar nicht hin“, so die Polizei in Heiligenhafen gestern Mittag. Die registrierte am Wochenende zwar mehrere, aber glücklicherweise kleinere Unfälle ohne Personenschaden. Äußerst unangenehm war es für einen Verkehrsteilnehmer, der mit seinem Fahrzeug mehrere Stunden zwischen Klausdorf und Neukirchen festgesteckt hatte.

  Mit „Daisy“ hatten die Kameraden der Heiligenhafener Wehr nicht so viel zu tun. „Unsere Einsätze waren zufällig andere Einsätze“, so Wehrführer Stephan Brumm gestern gegenüber der HP.

In der Nacht zu Sonnabend hatte die Wehr noch der Brand einer Werkstatt des örtlichen Schlüsseldienstes in der Bergstraße, Ecke Schmiedestraße, auf Trab gehalten (siehe Seite 2), zuvor waren sie bereits zu einem Öleinsatz in den Kommunalhafen gerufen worden (Seite 2).

Da wurden die rund vier bis fünf „Daisy“-Einsätze quasi nebenher abgearbeitet, so Brumm. So leisteten die Kameraden Hilfe, als sich am Sonnabend gegen 10.35 Uhr ein Dienst-Pkw des Arid-Huses vom Hof Wiesengrund in einer Schneewehe festgefahren hatte. Das Fahrzeug hatte Lebensmittel an Bord und wurde von der Wehr aus der Notlage befreit. Der Pkw wurde zum Hof geschleppt und die Lebensmittel verteilt. Anschließend wurden einige Bewohner in ihre Unterkünfte gefahren.

Am frühen Abend waren die Kameraden damit beschäftigt, einen Pavillon bei der Eisbahn am Yachthafen zu sichern, der aufgrund des starken Sturms wegzuwehen drohte.

Und was „Daisy“ und ihre etwaigen Launen anbelangte, waren Heiligenhafens Kameraden die Nacht von Sonnabend auf Sonntag auf „Stand-by“: Das Heiligenhafener Feuerwehrhaus war die gesamte Nacht mit sechs Kameraden besetzt, um im Bedarfsfall mit dem Rüstwagen einen Rettungswagen in die Außenbezirke zu begleiten. Die Anforderung kam vom Fachdienst für Sicherheit und Ordnung des Kreises Ostholstein. Und – als hätten sie nicht schon genug um die Ohren gehabt, kam ihnen gestern um 9.52 Uhr noch eine Fehlalarmierung in den Kram. Der vermeintliche Einsatz bei CP Celco wurde durch die Rettungsleitstelle abgebrochen.

hp-online vom 11. Januar 2010

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