Deponie Johannistal kommt weiter infrage / Henning Pries: Ängste der Bürger ernst nehmen

Wohin mit dem AKW-Schutt?

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In der Deponie Johannistal könnte bald AKW-Schutt gelagert werden.

Gremersdorf -ra- Bis zu 50000 Tonnen Schutt werden beim Abriss der drei Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein in den kommenden zehn bis 20 Jahren anfallen. Für die Lagerung des Materials zieht das Land jetzt noch vier Deponiestandorte in Betracht, wie Energieminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Montag in Kiel mitteilte. Einer davon ist weiterhin die Deponie Johannistal in der Gemeinde Gremersdorf. Zu lagern sind unter anderem Mineralwolle, Bauschutt und Isolierungen.

„Es handelt sich um nichtradioaktives Material“, betonte Albrecht. Als Standorte kommen nach dem Gutachten nun noch Wiershop im Kreis Herzogtum Lauenburg, Lübeck-Niemark, Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) und eben die Deponie Johannistal in Gremersdorf in Betracht. Großenaspe und Damsdorf/Tensfeld im Kreis Segeberg sowie Schönwohld im Kreis Rendsburg-Eckernförde wurden am Montag ausgeklammert, weil sie in ein bis zwei Jahren voll sein werden und die in nächster Zeit aufzunehmenden Dämmmaterialien aus bautechnischen Gründen nicht deponieren können.

Für das seit Jahren abgeschaltete AKW Brunsbüttel ist der Abriss bereits genehmigt, Ende 2021 soll das letzte Kraftwerk im Land vom Netz gehen. Der dadurch entstehende Schutt ist zwar kein Atommüll, treibt aber Emotionen und Widerstand an. Trotz der sehr niedrigen Werte bei „freigemessenem“ AKW-Schutt haben Gemeinden mit Deponien die Aufnahme bisher abgelehnt. Mit „doppeltem Boden“ werde sichergestellt, dass niemand gesundheitliche Gefahren befürchten müsse, sagte Energieminister Jan Philipp Albrecht. Er erhoffe sich auf Grundlage des neuen Gutachtens an den Deponiestandorten eine Versachlichung der Diskussion. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Betreiber von kerntechnischen Anlagen und Deponien gemeinsam zu einer angemessenen Verteilung der zu deponierenden Abfälle aus den Kernkraftwerken finden und dass diese Lösungen Akzeptanz finden“, sagte Albrecht am Montag.

Henning Pries (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Gremersdorf, betonte auf HP-Nachfrage, dass die Gemeindevertretung bereits 2016 eine Stellungnahme an das Land geschickt habe und sich gegen die Aufnahme von AKW-Schutt ausgesprochen hatte. „Wir haben erst am Freitag davon erfahren, dass Johannistal weiterhin als mögliche Lagerstätte infrage kommt. Ebenfalls haben wir neue Unterlagen vom TÜV erhalten, die wir nun in der Gemeindevertretung besprechen müssen“, sagte der Bürgermeister, der Bedenken und Ängste von Bürgern sehr ernst nimmt. „Gerade für eine touristisch geprägte Region, wie wir es hier oben sind, befürchte ich Nachteile, wenn Johannistal als Lagerstätte ausgewählt werden würde.“ Schließlich ist die Ostsee mit ihren Stränden nur einen Katzensprung von der Recyclinganlage entfernt. Nebenan gibt es einen Campingplatz und natürlich Landwirte, die unter anderem Obst verkaufen. Gremersdorfs Bürgermeister sieht das Land in der Pflicht, „bei diesem hochsensiblen Thema“ eine umfangreiche Aufklärungsarbeit zu leisten und den Bürgern ihre Ängste zu nehmen. „Wir wurden jetzt zu einem Treffen eingeladen und warten die weitere Entwicklung ab“, so Pries abschließend.

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