Um 19.50 Uhr fiel der Gildevogel und die Amtszeit des neuen Regenten begann unter großem Jubel

Detlef Graupner gelang der Königsschuss

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Das frisch gebackene Königspaar Detlef Graupner und Christa Brauer. Mit einem gezielten Schuss brachte Graupner, der erst vor drei Wochen der Gilde beigetreten war, den hölzernen Vogel zu Fall.

HEILIGENHAFEN (wob) · Für den Höhepunkt der Festwoche hatte sich auch Petrus als Gildebruder offenbart: Bei strahlendem Sonnenschein konnte die Große Bürgergilde zu Heiligenhafen ihr Vogelschießen abhalten. Zuvor repräsentierte König Günter Roden ein letztes Mal die Gilde bei der traditionellen Kranzniederlegung am Ehrenmal im Stadtpark, wo der verstorbenen Gildebrüder und -schwestern gedacht wurde. Neben der Großen Bürgergilde fanden sich auch zahlreiche Abordnungen befreundeter Gilden ein, um den Festtag gemeinsam zu begehen.

Die sommerlich anmutenden Temperaturen hatten jedoch nicht nur Vorteile: Nach dem Marsch durch die Stadt, den die Gildekapelle wie immer sehr stimmungsvoll intonierte, klagte so mancher Bruder über Erschöpfung des Gehwerkzeugs. Doch beim anschließenden Feldgottesdienst unter der Vogelstange mit Gildebruder Pastor Carsten Sauerberg und dem darauf folgenden Festkommers im Gill-Hus gab es wieder ausreichend Gelegenheit, die zuvor so stark beanspruchten Füße zu entlasten.

▪ Ehrungen und Strafen beim Festkommers

Bei seiner Ansprache dankte 1. Ältermann Hans-Dieter Eybächer der Gilde, den zahlreich erschienenen Gästen sowie der Gildekapelle für ihren Einsatz. Im gut gefüllten Gill-Hus nahm Eybächer im weiteren Verlauf des Festkommerses zahlreiche Ehrungen an verdienten Gildemitgliedern vor.

Zu Ehrenmitgliedern der Großen Bürgergilde wurden Hermann Much und Otto Damerau ernannt. Für 40 Jahre in der Gilde dankte der 1. Ältermann Jürgen Christof, Harald Sedelky und Diethard Ramm; auf ein Vierteljahrhundert bei den Brüdern brachten es Reinhard Hallmann und Tilo Heinrich. Für ihre 20-jährige Mitgliedschaft in der Gildekapelle wurden Markus Richert, Bode Wienczkowski und Tim Meyer geehrt. Dankesurkunden gingen an Klaus Ditzler, Rolf Rocksien sowie Uwe Fahrenkrog. Als besondere Anerkennung für sein Engagement bekam schließlich Karl-Heinz Schiprowski das Gilde-Ehrenkreuz überreicht.

Doch es wurden auch Strafen verhängt, für Gildebrüder, die im Verlauf des Gildejahres ungebührliches Verhalten an den Tag gelegt hatten und gegen eines oder mehrere der – nicht immer ganz ernst gemeinten – Gildegesetze verstoßen hatten. Besonders Karl-Heinz Schiprowski, der zuvor mit dem Ehrenkreuz ausgezeichnet worden war, musste für zahlreiche „Entgleisungen“ büßen, was für allgemeine Erheiterung sorgte.

Die Kapelle trug mit abwechslungsreichen Stücken zwischen den Redebeiträgen zusätzlich zur guten Stimmung im Saal bei. Zum Schluss ergriffen die Sprecher der befreundeten Gilden das Wort und bedankten sich bei der Großen Bürgergilde für die schöne Feier und wünschten für das anstehende Vogelschießen „goode hand un good Schuss“. Nach Abschluss der Formalitäten ging es dann zum gemütlichen Teil des Kommers über, und die versammelten Gildeleute und ihre Gäste stärkten sich noch einmal, bevor es mit dem Vogelschießen losgehen sollte.

▪ Der Gildevogel musste reichlich Späne lassen

Am Nachmittag fieberten die Gildebrüder sowie zahlreiche Gäste auf dem Festplatz vor dem Gill-Hus dem großen Schießwettbewerb entgegen, bei dem der neue Gildekönig erkoren würde. Mit ihren 12 mm-Kaliber-Gewehren rückte die Gilde dem fast schon bedauernswerten Flattermann zu Leibe und konnten schon nach wenigen Durchgängen viele der begehrten Insignien zu Boden schießen. So fielen nach und nach in vorher festgelegter Reihenfolge die äußeren Ziele, die so genannten „Flattern“ des Vogels, Reichsapfel und Zepter, Kronen, Fahnen und Zitronen, bevor es dem eigentlichen Vogel an den hölzernen Kragen ging. Unterdessen achtete ein wachsames Komitee darauf, dass auch ja die richtigen Ziele anvisiert wurden. Denn auch das vorzeitige Abschießen „falscher“ Ziele wurde von den Gildebrüdern unnachgieig geahndet.

Nach vielen weiteren Durchgängen war von dem einst stolzen Gildevogel nur ein durchlöcherter Holzkörper übrig, als der 1. Ältermann zum entscheidenden Königsschießen aufrief. Mit einem gezielten Schuss brachte Detlef Graupner um 19:50 Uhr den geschundenen Vogel zu Fall und wurde damit zum neuen Gildekönig. Unter großem Jubel ließen die Brüder ihre Majestät hochleben und führten Graupner, der erst drei Wochen zuvor der Gilde beigetreten war, zur Königsproklamation. Seine Gildeausrüstung hatte Graupner bei einer Veranstaltung im Januar gewonnen – für ihn ganz klar ein „Wink des Schicksals“, der Großen Bürgergilde beizutreten, die er nun für ein Jahr repräsentiert.

Den Abschluss der Festivitäten markierte dann der Sonnabend, wo sich alle noch einmal für den Gildeball in Schale warfen. Doch zuvor musste der neue König erst von den Gildebrüdern abgeholt und zum Gill-Hus gebracht werden. Den neuen Majestäten Detlef Graupner und Christa Brauer stand dann natürlich auch der erste Tanz zu, den beide mit Bravour absolvierten. Sogleich schlossen sich viele weitere Paare den Vortänzern an und füllten rasch die Tanzfläche des Gill-Hus aus.

So ließ die Gilde eine äußerst geglückte Festwoche zufrieden ausklingen.

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