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Ukrainerin und Russin treten gemeinsam auf: Musik überwindet Krieg und Grenzen

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Von: Peter Foth

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An der Orgel spielte die Russin Olga Zhukova (linkes Bild) Stücke von Bach und Mendelssohn Bartholdy. Links daneben sitzt Kantor Tim Weigardt, der das Benefizkonzert organisiert hatte.
An der Orgel spielte die Russin Olga Zhukova (linkes Bild) Stücke von Bach und Mendelssohn Bartholdy. Links daneben sitzt Kantor Tim Weigardt, der das Benefizkonzert organisiert hatte. © Peter Foth

Wie friedlich das Zusammenleben sein kann, haben die Ukrainerin Dariia Lytvishko und die Russin Olga Zhukova bei ihrem gemeinsamen Benefizkonzert am Sonnabend in der Heiligenhafener Stadtkirche bewiesen.

Heiligenhafen –  „Wir werden das alles gemeinsam überstehen“, sagte Dariia Lytvishko und erntete dafür Beifall in der Stadtkirche. „Ich bin noch am zittern, aber nicht vor Aufregung, wie bei jedem anderen Konzert, sondern weil die Situation in der Ukraine mich so unglaublich mitnimmt.“ 

Dariia Lytvishko ist 26 Jahre alt und verzweifelt, dass die Welt, und besonders ihre Landsleute, diese Kriegs-Erfahrung im Jahr 2022 durchmachen muss. „Man hat gedacht, die Menschheit hat aus der Vergangenheit gelernt und sowas passiert nie wieder.“ Es sei wunderbar, dass die ganze Welt Solidarität zeige und Menschen auf die Straße gehen würden und deutlich ihr „Nein“ zum Kriegsgeschehen zum Ausdruck bringen. „Für mich waren das schreckliche Tage. Einen ganzen Monat habe ich wie in einem Vakuum gelebt.“ Sie freue sich einerseits, dass ihre Mutter in Deutschland sei, andererseits sei es schrecklich, dass sich ihr Vater in der West-Ukraine befinde, weil er damit rechne, eingezogen zu werden. 

Die Ukrainerin Dariia Lytvishko (r.) begeisterte die Zuhörer derweil am Flügel.
Die Ukrainerin Dariia Lytvishko (r.) begeisterte die Zuhörer derweil am Flügel. © Peter Foth

„Ich möchte meine große Dankbarkeit an Sie aussprechen. Ich danke allen Menschen, die uns unterstützen und auch zu diesem Konzert gekommen sind. Wenn wir zusammenstehen, dann habe ich die große Hoffnung, dass der Krieg bald enden wird“, so die Ukrainerin Dariia Lytvishko,

„Ich bin ein Viertel auch Ukrainerin. Meine Oma kommt aus der Ukraine und ich habe viel Zeit verbracht in Irpin, diese Stadt ist nun aber total zerstört.“

Olga Zhukova

Ihre Kollegin, die Russin Olga Zhukova, sprach von einem furchtbaren Krieg. Ihre Gedanken seien bei den ukrainischen Menschen, die unendliches Leid erleben. „Ich bin ein Viertel auch Ukrainerin. Meine Oma kommt aus der Ukraine und ich habe viel Zeit verbracht in Irpin, diese Stadt ist nun aber total zerstört. Das sind für mich Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen“, sagte Olga Zhukova. 

Beide Solistinnen leben in Deutschland und studieren an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford. Olga Zhukova hat in St. Petersburg und Lausanne Orgel studiert. Dariia Lytvishko hatte 2014 ihre Klavierausbildung in der Ukraine abgeschlossen. 

Die Besucher in der Stadtkirche erlebten ein einmaliges Konzert für Klavier und Orgel, das mit der ukrainischen Nationalhymne begann. Danach erklang Musik von Bach, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und Rachmaninov. Zum Abschluss erklang in der Heiligenhafener Stadtkirche die Europahymne. Die eingesammelten Spenden sollen ukrainischen Flüchtlingen helfen.  

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