Dirk Willmer vom Hafenhotel „Meereszeiten“ ist Deutschlands bester Barkeeper

Mehr als Flaschen werfen

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Mit Präzision und Liebe zum Detail: Wenn Dirk Willmer Cocktails zubereitet, sitzt jeder Handgriff.

Heiligenhafen –Von Mareike Falz– Party, viel Alkohol und jede Menge Frauen. Das Bild des oberflächlichen Barkeepers ist in vielen Köpfen fest verankert. Dabei hat die Barkultur rund um die facettenreichen Cocktails so viel mehr zu bieten. Dass ein nieveauvolles Auftreten, Präzision und Bodenständigkeit genauso zum Beruf des sogenannten Bartenders gehören wie ein geschicktes Händchen und fundiertes Fachwissen, beweist Dirk Willmer vom Hafenhotel „Meereszeiten“. Denn jüngst wurde der gelernte Hotelfachmann und Hotelmeister zum besten Bartender Deutschlands gekürt.

Seit zehn Jahren nimmt der Barchef nun schon an Cocktail-Wettbewerben teil, doch von Beginn an stand fest: „Wenn ich 50 bin, dann höre ich auf damit.“ Umso größer war die Freude, als Willmer sich ausgerechnet bei seinem letzten Wettstreit den Titel der deutschen Meisterschaft sichern konnte. Organisiert wurde der Wettbewerb von einem der ältesten Berufsverbände: der Deutschen Barkeeper-Union.

Bar-Koryphäen aus Deutschland, wie der 50-jährige Spirituosenfachmann die Jurymitglieder nennt, bewerteten die selbst kreierten Drinks nach Geschmack, Aroma und Innovation. Auch die Technik und das Auftreten der insgesamt 23 Teilnehmer flossen in die Bewertung mit ein. „Die perfekte Balance zwischen Süße und Säure ist das Wichtigste bei einem Cocktail.“ Doch letztendlich bleibe es Geschmackssache, sagte Willmer bescheiden und ließ seine Gäste während des gesamten Gesprächs mit der HP nicht aus den Augen, denn für ihn steht der Kunde an erster Stelle.

Dem sympathischen Getränke-Profi gehe es darum, dem Gast die bestmögliche Zeit zu bieten. Denn ein guter Bartender zu sein, bedeute nicht, dass man Flaschen durch die Luft werfen muss. „Die Zeit der coolen Säue ist vorbei. Es ist nicht mehr so, dass ich der Star bin, sondern die Gäste. Damit habe ich vielleicht auch gepunktet, denn ich bin mehr der dröge bodenständige Norddeutsche“, mutmaßte der Pönitzer, der seit drei Jahren in Heiligenhafen arbeitet und die Warderstadt genau wegen dieser Bodenständigkeit so sehr schätzt.

Entstanden ist Willmers Gewinner-Drink durch die Anregung eines Gastes, der anmerkte, dass es nur wenige Cocktails auf der Basis von Cola geben würde. Willmers Idee: Einen Cocktail zu kreieren, der auch ohne Cola an dessen Geschmack erinnert. Passend zum Slogan der Coca-Cola-Werbung nannte er seinen Cocktail, der aus Brasilberg, Kirschlikör, Falernum, frischem Zitronensaft und Tonic Water besteht, „Taste the Feeling“. Dotiert wurde der Preis mit 300 hochwertigen Gläsern und einem 3500 Euro Reisegutschein, den er für eine fachliche Reise seiner Wahl einsetzten kann. Wohin Willmer reisen möchte, weiß er zwar noch nicht genau, aber eine Idee hat er schon: „Vielleicht schaue ich mir in den Niederladen mal an, wie Genever hergestellt wird“, so der Preisträger abschließend.

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