Ministerialdirigent in Heiligenhafen

Doch noch Chance für "Durchblick"

Für die Bezirkshandwerkerschaft überreichte der Vorsitzende Heiner Wilcken 4365 Unterschriften für eine Glaswand an der A 1 über Heiligenhafen.  Foto: Foth

HEILIGENHAFEN (ft)  • Wenn das Bundesverkehrsministerium mitspielt und die Argumente aus Heiligenhafen überzeugen, könnten die Autofahrer auf der neuen Autobahn vom Heiligenhafener Berg in Zukunft doch noch einen Blick auf Heiligenhafen, die Ostsee und Fehmarnsundbrücke werfen.

Bei seinem Besuch im Heiligenhafener Rathaus machte Ministerialdirigent Günther Meienberg, Leiter der Abteilung Verkehr und Straßenbau in Kiel, den Heiligenhafenern Hoffnung, indem er sagte, er wolle sich im Bundesverkehrsministerium für eine Glaswand an der A1 einsetzen.

Versprechen konnte Günther Meienberg jedoch nichts, denn eigentlich sei das Planfeststellungsverfahren schon abgeschlossen und hier sei ein Lärmschutzwall vorgesehen. Den Bund von einer Glaswand und deren Mehrkosten zu überzeugen, werde schwierig sein, denn der Bundesrechnungshof sei auch noch mit im Boot. Der Blick auf Heiligenhafen und die Sundbrücke sei einmalig, aber ein Grund sich dafür stark zu machen, sagte Ministerialdirigent Günther Meienberg.

Für die Bezirkshandwerkerschaft untermauerten der Vorsitzende Heiner Wilcken und Vorstandsmitglied Joachim Knorr die Forderung nach „einem freien Durchblick“ mit der Übergabe von 4 365 Unterschriften. Um den Bund von dieser Maßnahme zu überzeugen, bedarf es aber noch weiterer Argumente, sagte der Ministerialdirigent. Heiner Wilcken nannte weitere Beispiele, wo an Bundesautobahnen in Mecklenburg-Vorpommern Glaswände einen Blick in die Landschaft erlauben.

Die von Bürgermeister Heiko Müller eingebrachten Bedenken von Vogelschützern konnte Heiner Wilcken entkräften. Wilcken berichtete über ein aktuelles Telefonat mit dem Landesnaturschutzbeauftragten Klaus Dürkop, der ihm gegenüber betont habe, dass die in der Presse dargestellten Bedenken der Naturschützer nicht den Tatsachen entsprächen. Die Vogelschützer seien nicht als Bremser für eine Glaswand aufgetreten. Auch gegenüber dem CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Klinckhamer, auf dessen Einladung Meienberg nach Heiligenhafen gekommen war, habe der Landesnaturschutzbeauftragte nichts Negatives erkennen lassen.

Klinckhamer: „Heiligenhafen lebt vom Tourismus und schon deshalb sollte der schöne Anblick auf Heiligenhafen nicht hinter einem Erdwall verschwinden.“ Mit Blick auf die feste Fehmarnbeltquerung müsse Schleswig-Holstein ein Interesse daran haben, nicht nur Durchreiseland zu sein, sagte Klinckhamer. Für Bürgervorsteher Georg Rehse sei das Land gut beraten, den einmaligen Blick auf die Ostsee und Heiligenhafen zu erhalten. Auch auf Fehmaraner Seite könne man die Forderung Heiligenhafens verstehen, sagte der CDU-Kreisvorsitzende Ingo Gädechens. Der Blick auf die Sundbrücke, die jeden Abend im „Schlesig-Holstein Magazin“ als Titel laufe, sei ein Blickfang, den viele Menschen wiedererkennen. Wenn es gelänge, hier ein „Fenster zu öffnen“, sei das gut für die ganze Region.

Anhand einer Karte zeigten Bürgermeister Müller und Heiner Wilcken, wo die Glaswand stehen sollte. Die Ideallösung wären 750 Meter Glaswand in Höhe des heutigen Parkplatzes und eine weitere Glaswand, die den Blick auf Strandhusen und die Warderhäuser ermögliche. Eine durchgehende Glaswand würde 2,5 Millionen Euro kosten. Zwei Fenster von jeweils 250 Meter dagegen „nur“ 250 000 Euro.

Ministerialdirigent Günther Meienberg konnte nachvollziehen, dass die Stadt Heiligenhafen diesen Betrag nicht aufbringen könne. Bleibt nun abzuwarten, ob Günther Meienberg im Bundesverkehrsministerium auch überzeigen kann, denn bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.

• Unvorbereitet:

• Kalt und keine

• Getränke

Das Gespräch war zu Beginn von einem recht ungastlichem Rahmen gekennzeichnet und erwärmte sich erst später, denn das Sitzungszimmer im Rathaus war nicht geheizt und nichts deutete darauf hin, dass man Besuch aus Kiel erwartete. Bürgervorsteher Georg Rehse musste aktiv werden, um noch Minuten vor dem Gespräch Getränke zu organisieren.

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