Die drei Heiligenhafener Bürgermeister-Kandidaten stellten sich im Kursaal vielen Fragen

Enormes Interesse an Vorstellung

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Die 580 Sitzplätze waren lange vor Veranstaltungsbeginn besetzt.

Heiligenhafens Bürger nahmen vor Kurzem im Kursaal Abschied von ihrem Bürgermeister Heiko Müller. Am Mittwoch stellten sich dort die Nachfolge-Kandidaten vor.

  • Heiligenhafen: Bürgermeisterkandidaten stellten sich den Bürgern vor und nahmen Stellung zu vier Schwerpunktthemen
  • Kursaal im Ferienpark war bis auf den letzten Platz belegt. Etwa 170 der 750 Menschen verfolgten die Veranstaltung sogar im Stehen
  • Moderator Carsten Kock musste bei verbalen Attacken von Niclas Boldt in Richtung Manfred Wohnrade eingreifen

Heiligenhafen -ra- Etwas mehr als drei Monate ist es her, dass die Bürger Heiligenhafens im Kursaal Abschied von Heiko Müller genommen haben. Am Mittwochabend stellten sich an gleicher Stelle drei Bewerber vor, die die Nachfolge des verstorbenen Bürgermeisters antreten wollen.

Bevor Manfred Wohnrade, Kuno Brandt und Niclas Boldt vor circa 750 Zuschauern die Fragen des Moderators Carsten Kock beantworteten, hatten alle die Gelegenheit, sich vorzustellen. In dieser Zeit mussten die Mitbewerber den Saal verlassen. „Einer redet, die anderen beiden trinken draußen jeweils vier Bier“, scherzte Carsten Kock, der gewohnt unterhaltsam durch den Abend führte. Im Anschluss standen vier Schwerpunktthemen auf dem Programm.

Heiligenhafen: Das sagen die möglichen Bürgermeister zu den Themen, die die Bürger bewegen

Die Marschroute der drei Kandidaten war klar erkennbar: Niclas Boldt machte im Laufe des Abends mehrmals deutlich, dass es ein „Weiter so“ nicht geben dürfe. „Das, was Heiligenhafen so einzigartig und lebenswert macht, drohen wir zu verlieren.“ Weitere Großprojekte seien den Bürgern in absehbarer Zeit nicht zumutbar.

Kuno Brandt stellte seine jahrelange Erfahrung als Amtsrat in den Fokus der Vorstellung. Der Schritt von der zweiten in die erste Reihe sei für ihn die logische Konsequenz. „Der Marktplatz ist für mich trostlos und unattraktiv, die Innenstadt muss dringend aufgewertet werden“, sagte Brandt, der zahlreiche Projekte vorantreiben wolle, damit auch Heiligenhafens Bürger vom Aufschwung profitieren. 

Manfred Wohnrade, der genau wie Brandt seine Verwaltungsausbildung bei der Stadt Heiligenhafen gemacht hat, stellte von Beginn an klar, dass er die Energie und Leidenschaft, die er bislang in die Weiterentwicklung des Tourismus gesteckt hätte, nun auf die Innenstadt, die Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum und die Verbesserung der Infrastruktur übertragen werde. 

Er sei immer offen für Veränderungen und gerade deshalb wohl kein unumstrittener Kandidat, räumte Wohnrade ein. „Wichtig ist, dass zwischen der Stadtvertretung und der Verwaltung wieder eine Vertrauensbasis besteht.“

Heiligenhafens Innenstadt großes Sorgenkind - Kandidaten sind sich einig

Alle drei Kandidaten waren sich einig, dass die Innenstadtentwicklung das große Sorgenkind sei. Nach einer Schulnote befragt, antwortete Niclas Boldt schlagfertig: „Nicht teilgenommen. Es fehlt an allem.“ Kuno Brandt erklärte, dass seit Jahren viel diskutiert wurde, aber Heiligenhafen erst jetzt die Chance erhalten habe, in das Programm der Städtebauförderung hineinzukommen.

 „Eine Förderquote von 66 Prozent ist ein echtes Pfund“, so Brandt. Manfred Wohnrade stimmte zu, entgegnete aber, dass kleinere Innenstadtprojekte in den vergangenen Jahren auch ohne Förderung hätten durchgeführt werden können. „Schon mit Kleinigkeiten hätte man den Marktplatz aufwerten können. Zudem fehlt es an einem Leerstandsmanagement.“

Carsten Kock wollte im Anschluss wissen, welche Visionen die drei Kandidaten von Heiligenhafens Innenstadt im Jahr 2035 haben. Brandt sieht eine deutliche Belebung des Marktplatzes mit hoher Aufenthaltsqualität, Wasserspielen und einer abgestimmten Abendbeleuchtung. Boldt habe keine Visionen, er mahnt, aufzupassen, dass man Heiligenhafen nicht den Investoren überlasse. „Wir müssen ganz genau hinschauen.“ Manfred Wohnrade sieht wasserstoffbetriebene Stadtbusse, im Winter einen großen Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz sowie ein Ärztehaus in der Innenstadt.

Heiligenhafens Tourismus umstrittenes Thema

Stichwort Ärztehaus: Ein Thema, das aufgrund des hohen Alters der Heiligenhafener Ärzteschaft immer aktueller wird. Boldt merkte an, dass die derzeit praktizierenden Ärzte ihre Selbstständigkeit sicher nicht aufgeben werden. Kuno Brandt entgegnete, dass ein Ärztehaus eher ein Modell für zukünftige Mediziner sein werde, die nach Heiligenhafen ziehen, aber keine eigene Praxis leiten wollen.

Der Tourismus war ein weiteres Themenfeld. Kuno Brandt positioniert sich hier klar: kein weiterer Ausbau der touristischen Entwicklung. Derweil sieht Manfred Wohnrade den Bau eines Schwimmbades auf dem Steinwarder als einmalige Chance an, um Heiligenhafener Kindern vor Ort wieder eine Schwimmausbildung zu ermöglichen und würde dafür auch noch ein weiteres Hotel in Kauf nehmen. „Vergessen dürfen wir nicht, dass es zum Schwimmbad lediglich einen Grundsatzbeschluss der Stadtvertretung gibt. Nur mit einer 70-prozentigen Förderzusage des Landes wird überhaupt weiter diskutiert“, so Wohnrade. 

Während Niclas Boldt ebenfalls den Steinwarder nicht weiter zubauen lassen würde, brachte Kuno Brandt das interkommunale Gewerbegebiet Höhe Jahnshof als möglichen Schwimmbad-Standort ins Gespräch. „Da könnten sich dann auch mehrere Gemeinden sowie die Stadt Oldenburg dran beteiligen.“ Wohnrade entgegnete, dass die LTO-Gemeinden auch anteilig mit ins Boot geholt werden könnten, wenn es ein Schwimmbad auf dem Steinwarder gebe.

Boldt versuchte unterdessen immer wieder, Manfred Wohnrade in seiner Funktion als HVB-Geschäftsführer zu attackieren, was von Carsten Kock schlussendlich unterbunden wurde. „Für Anschuldigungen, die wir heute nicht nachvollziehen können, ist hier kein Platz.“ Kock mahnte zudem in Richtung Boldt: „Bitte beantworten Sie meine Fragen und weichen Sie nicht aus.“

Wohnraum in Heiligenhafen bei allen Bürgermeisterkandidaten wichtiges Thema

Größtenteils Einigkeit bestand beim Thema „Soziales Gefüge“. Die Schaffung von mehr Wohnraum für Heiligenhafener Bürger steht bei allen Kandidaten ganz oben auf der Agenda. Auch die Ausweisung von weiteren Gewerbeflächen, um ein weiteres Standbein neben dem Tourismus zu haben, wurde intensiv diskutiert.

Ebenfalls wurde das Publikum in die dreistündige Veranstaltung mit einbezogen. Der Ruf nach einem Verkehrskonzept wurde laut, ebenso ist auf den schlechten Zustand vieler Straßen hingewiesen worden. „Ich wünsche mir, dass das Rumgehacke bei politischen Sitzungen aufhört und es mehr um die Projekte und nicht um einzelne Personen geht“, so der Wunsch einer Bürgerin. Dem hat niemand widersprochen.

Heiligenhafens Bürgermeister wird am 8. März gewählt - Sieben Briten dürfen nicht mitwählen 

Insgesamt 580 Sitzplätze hat es Mittwochabend im Kursaal gegeben, die bereits 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn restlos vergriffen waren. Circa 170 Personen haben die Veranstaltung stehend verfolgt. 2016 hat die Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten noch in der Sporthalle der Warderschule stattgefunden, wo mehr Sitzplätze zur Verfügung standen.

 „Das Herrichten der Sporthalle ist mit einem enormen Aufwand verbunden. Außerdem muss die Halle für eine derartige Veranstaltung zehn Tage lang gesperrt werden. Das bedeutet, dass in dieser Zeit weder Schul- noch Vereinssport möglich ist“, erklärte der 1. Stadtrat Folkert Loose (CDU), der seit dem Tod Heiko Müllers die Amtsgeschäfte führt.

 Die Bürgermeisterwahl findet bekanntlich am8. März statt, insgesamt 8251 Heiligenhafener sind wahlberechtigt. „Das sind alle Deutschen sowie EU-Bürger, die das 16. Lebensjahr vollendet haben“, so Loose in seiner Begrüßungsansprache. Kleine Randnotiz: Sieben britische Staatsbürger, die in Heiligenhafen leben, dürfen seit dem EU-Austritt Großbritanniens nicht mehr an die Wahlurne treten. Sollte keiner der drei Kandidaten im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erreichen, gibt es am 22. März eine Stichwahl. Am 26. März soll der neue Verwaltungschef vereidigt werden. 

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