Vermietung an Feriengäste im Baugebiet untersagt / Strauß: Wir haben in gutem Glauben gehandelt

Ehepaar steckt in der B-Plan-Falle

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Ihr schmuckes und rund 100 m² großes Schwedenhaus im Baugebiet „Op Stolp“ dürfen Dennis und Dagmar Strauß nicht mehr an Feriengäste vermieten.

HEILIGENHAFEN · „Heiligenhafen Urlaub 2011“ – die Saison steht vor der Tür, die Vermieter hoffen auf gute Buchungen, doch für Dagmar und Dennis Strauß ist der Sommer schon jetzt verhagelt. Sie dürfen ihr schmuckes, im letzten Jahr erbautes Schwedenhaus im Baugebiet „Op Stolp“ nicht mehr an Feriengäste vermieten. Vor zwei Wochen flatterte ihnen eine entsprechende Nutzungsuntersagungsverfügung der Bauaufsichtsbehörde des Kreises ins Haus.

In der Sitzung des Hafen- und Touristikausschusses schilderte das Ehepaar aus Lensahn seine Lage und konnte dabei ein gewisses Unverständnis gegenüber der Haltung der Stadt nicht verbergen. „Das Problem ist feinsinnig“, sieht Bürgermeister Heiko Müller, der, ebenso wie einige Stadtvertreter, seit geraumer Zeit Kenntnis von der Angelegenheit besitzt, die Stadtverwaltung in der Zwickmühle.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Anzeige einer Privatperson, die auf Einhaltung der im B-Plan festgelegten Auflagen pocht, welche unter anderem besagen, dass eine wechselnde Vermietung untersagt ist. Diesen Sachverhalt akzeptiert das Ehepaar Strauß auch, doch man habe „in gutem Glauben gehandelt“, führt Dennis Strauß an, denn auf Nachfrage in der Stadtverwaltung sei ihnen von der zuständigen Stelle mitgeteilt worden, dass eine Vermietung an Feriengäste möglich sei. Ähnlich sei es beim Tourismus-Service (TSH) gewesen. Auch hier habe man nachgefragt und grünes Licht erhalten, nachdem sich eine TSH-Mitarbeiterin zuvor bei der Stadtverwaltung informiert hatte. Das Problem aus Sicht von Dennis Strauß: Die Auskünfte sind alle mündlich erteilt worden.

„Ich bedaure das sehr“, brachte Müller sein Mitgefühl gegenüber den Betroffenen zum Ausdruck, andererseits würden diejenigen, die in dem Baugebiet gebaut haben, aber auch Vertrauensschutz genießen. So sieht er eine nachträgliche Änderung des B-Plans, wie vom Ehepaar Strauß vorgeschlagen, eher skeptisch. Denn auch in anderen Baugebieten (z.B. Baben-Grauwisch) gelte die Einschränkung, nicht an Feriengäste vermieten zu dürfen.

Ausschussvorsitzender Gerhard Poppendiecker (SPD) blickte derweil auf den Ursprung dieser Restriktion zurück. So habe die Stadtvertretung seinerzeit unterbinden wollen, dass in Wohngebieten Vermietungen großen Stils – wie vor etwa zehn Jahren „Am Sackenkamp“ oder im Ortsteil Ortmühle geschehen – durchgeführt werden. Und dieser Zielsetzung ist die Selbstverwaltung bislang treu geblieben. Auch der Hauptausschuss habe sich nach Angaben von CDU-Sprecher Stephan Karschnick schon zwei Mal mit der Angelegenheit befasst, beide Male sei der Beschluss erfolgt, den B-Plan nicht zu ändern.

Dagmar und Dennis Strauß finden diese Haltung der Stadt Heiligenhafen auch im Hinblick auf andere Ostseebäder, in denen es solche Einschränkungen in dem Maße nicht gibt, nicht zeitgemäß, zumal jeder Ort an der Küste um den einzelnen Touristen zu kämpfen habe. Jeder Gast bringe auch Geld in die Stadtkasse. Sie hätten im Baugebiet Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt und bis auf eine Ausnahme von allen Zustimmung erhalten, erklärte das Ehepaar Strauß im Ausschuss.

„Wir sind bis September ausgebucht. Drei Partien haben wir wieder absagen müssen, das ist peinlich“, schildert Dagmar Strauß ihre derzeitige Gefühlslage nach zahllosen schlaflosen Nächten. Und die Peinlichkeit ist damit noch nicht beendet; sie muss noch weiteren Urlaubern mitteilen, dass sie ihren bereits gebuchten Urlaub im Schwedenhaus nicht antreten können. „Da fühlt man sich richtig mies“, so Dagmar Strauß gegenüber der HP.

Und wie geht es nun weiter? Gerhard Poppendiecker rät den Betroffenen, sich an den Petitionsausschuss des Landtages zu wenden, was sie mittlerweile auch schon getan haben. Und Stephan Karschnick gab dem Ehepaar Strauß noch mit auf ihren Heimweg nach Lensahn, dass er das Anliegen noch ein weiteres Mal im Hauptausschuss vorbringen werde.

„Zunächst denkt man, das sei alles nur ein Missverständnis, doch jetzt stehen wir im Regen“, fällt es Dagmar und Dennis Strauß schwer, das in den letzten Wochen und Monaten Erlebte zu verarbeiten. Ihre Hoffnung, dass sich alles zum Positiven wendet, wollen sie aber nicht aufgeben, denn dafür haben sie zu viel investiert in ihren Sommerhaus-Traum in Heiligenhafen. · hö

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