Heiligenhafener Flüchtlingshilfe und Asylbetreuung der Stadt kennzeichnet gute Zusammenarbeit

Das Ehrenamt ist essenziell

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Ehrenamt, Hauptamt und guter Wille gemeinsam auf einem Foto: Gabriele Wenner (v. l.), Frank Jackstell, Suzan Al-Atabi und Fahed Dahla.

HEILIGENHAFEN -mb- Rund 150 Flüchtlinge sind zurzeit in Heiligenhafen. Offizielle Ansprechpartner für diese Menschen sind bei der Stadtverwaltung Suzan Al-Atabi und Frank Jackstell, beide verantwortlich für die Asylbewerberbetreuung. Auf Landesebene gilt das Mantra des schleswig-holsteinischen Innenministers Stefan Studt „Integration vom ersten Tag an“. An der Stelle kommt der in gewisser Weise zweite Arm der Asylbetreuung ins Spiel – die Heiligenhafener Flüchtlingshilfe. Bei einem gemeinsamen Gespräch mit der HP im Büro von Suzan Al-Atabi und Frank Jackstell beleuchten die Akteure ihre Arbeit.

Mit im Raum sitzt auch Fahed Dahla, der nach Aussage von Gabriele Wenner von der Heiligenhafener Flüchtlingshilfe zu denen gehöre, die etwas zurückgeben. Dahla ist seit dem 1. Juli in Heiligenhafen und arbeitet als Gartenpfleger auf dem Gelände der Stadtkirche. Seine kranke Frau und seine zwei Kinder sind noch nicht hier – der Familiennachzug stehe jedoch unmittelbar bevor, erklärt Suzan Al-Atabi und fügt hinzu: „Er ist kein Einzelfall, unter denen, die zu uns kommen, sind beispielsweise Tischler, Elektriker und Bäcker und die werden hier gebraucht.“ Al-Atabi ist Irakerin, spricht sechs Sprachen und ist 2009 selber als Asylbewerberin nach Deutschland gekommen. Seitdem engagiert sie sich auch ehrenamtlich und hat ein ziemlich gutes Verständnis, welche Rolle das Ehrenamt bei der Integration von Flüchtlingen spielt.

Sprache spielt natürlich eine zentrale Rolle – immer wieder klopft es an der Bürotür und Al-Atabi erklärt schnell in der Muttersprache, dass es noch ein paar Minuten dauert. Froh sei man bezüglich der Integrationskurse, so Wenner, dass neben Anerkannten, die verpflichtend teilnehmen müssen, die Stundenzahl auf 800 erhöht wurde und neben Irakern, Syrern, Iranern und Eritreern auch seit vier Wochen Somalier teilnehmen dürfen. „Bis zum Februar läuft der Kurs im Pavillon am Binnensee noch. „Wie es weitergeht, entscheidet dann die VHS Oldenburg“, sagt Suzan Al-Atabi.

Eigentlich sei Montagvormittag und Donnerstagnachmittag Sprechstunde, erklärt Frank Jackstell, aber das werde nicht immer so genau genommen. „Das ist okay, wir haben auch ein Diensthandy und sind erreichbar.“ Jackstell ist seit Juni der zweite im Bunde der Asylbetreuung und hat nach 20 Jahren Hotelgewerbe nach einer Veränderung gesucht. Das sei ihm durchaus gelungen, neben organisatorischen Arbeiten wie der Suche nach Wohnraum, Terminabstimmungen, Regelungen des Zuzugs und des Weggangs sowie Herausforderungen des alltäglichen Lebens – zum Beispiel zu erklären, wie Mülltrennung funktioniert –, begutachten beide auch von Zeit zu Zeit die Wohnungen der Flüchtlinge. Besonders hilfreich sei dabei auch das Ordnungsamt der Stadt, erklärt Jackstell. Hier gehe es vor allem darum, dass es keinen Ärger mit den Wohnungsbaugesellschaften gebe, die am Anfang wahrlich nicht begeistert gewesen seien, so Wenner. Was sagen die Zahlen für die Warderstadt? Rund 150 Flüchtlinge seien es – mittlerweile halte sich der Familiennachzug und der Wegzug aus Heiligenhafen die Waage, so Al-Atabi. Die 17 Familien in der Stadt haben 41 minderjährige Kinder.

Bevor das Gespräch zu Ende geht, hebt Al-Atabi nochmals hervor, dass die Heiligenhafener Flüchtlingshilfe eine enorme Unterstützung sei. Gerade in der Anfangszeit wäre es unmöglich gewesen ehrenamtlich zu helfen und hauptamtlich bei der Stadt zu arbeiten. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Al-Atabi und blickt in Richtung Gabriele Wenner.

Vor der Tür des Büros sitzen bereits einige Flüchtlinge – die Arbeit muss weitergehen und daher der Rest des Gesprächs zur ehrenamtlich arbeitenden Flüchtlingshilfe an einem anderen Ort stattfinden. Wenner berichtet vom Tag zuvor, als sie mit einer Familie zur Anhörung nach Kiel gefahren ist. „Die Kinder müssen immer mit, auch wenn sie nicht befragt werden. Insgesamt fünf Stunden – drei Stunden der Mann und zwei Stunden die Frau – ist das Ehepaar befragt worden.“ Um 9.30 Uhr sei man in Heiligenhafen gestartet und gegen 17 Uhr wieder zurück gewesen. Die Fahrten zu den Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) würden nicht nur viel Zeit in Anspruch nehmen, sondern auch nicht gerade stressfrei sein – für die Familien und die Ehrenamtler. „In der letzten Woche hat die Anhörung in Rendsburg mit Hin- und Rückfahrt zwölf Stunden gedauert, auch weil nicht immer der gesetzte Termin der Beginn der Anhörung ist.“

Fünf der zwölf Ehrenamtler der Flüchtlingshilfe fahren regelmäßig; fast alle betreuen eine Familie in der Warderstadt. Weiterhin komme man einmal im Monat zusammen, um sich auszutauschen. „Ich treffe mich dann wiederum mit Suzan Al-Atabi.“ Kurze Dienstwege und gute Zusammenarbeit – das bestätigten zuvor auch die beiden zuständigen Asylbetreuer. Generell unterstütze man die Familien im Alltag, gerade im Bezug auf regelmäßige Tagesabläufe und die Einhaltung von Terminen, da sei noch Luft nach oben. Aber auch unvorhersehbare Probleme würden es nicht langweilig werden lassen. Um die Mädchen zum Schwimm-unterricht zu bekommen, der verpflichtend sei, habe man einen nicht unerheblichen Aufwand betreiben müssen. „Es hat dann alles geklappt und das ist entscheidend.“

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