1. Fehmarnsches Tageblatt
  2. Heiligenhafen

Ein richtiger Kenner: Klaus Nehring führt seit 50 Jahren durch Heiligenhafen

Erstellt:

Von: Hans-Jörg Meckes

Kommentare

Klaus Nehring in Heiligenhafen
Seine Leidenschaften für die Fotografie und das Sammeln machen Klaus Nehring zu einem beliebten Referenten, wenn es um die Geschichte von Heiligenhafen und der Region geht. © Hans-Jörg Meckes

Klaus Nehring hält seit 50 Jahren Vorträge über Heiligenhafen und die Region und bietet als Fischer Stüben oder in zivil bei seinen Touren große Unterhaltung. Nun erzählt er, wie 1973 alles anfing.

Heiligenhafen – Klaus Nehring ist bei vielen Veranstaltungen ein begehrter Redner. Wie in einer großen Schatzkiste finden Vereine, Einheimische und Touristen bei ihm alle Informationen darüber, wie es damals in Heiligenhafen so war. Jetzt kann Nehring bereits auf eine 50-jährige Zusammenarbeit mit dem Tourismus-Service zurückblicken, mit dem er immer wieder neue Ideen entwickelt, um Besuchern und Einheimischen Wissenswertes zur Geschichte der Warderstadt näherzubringen.

Angefangen habe alles im Jahr 1973, als er gerade einmal 25 Jahre alt war, erzählt Nehring. „Ich habe vier Jahre davor mit dem Fotografieren angefangen und habe meine Fotos dem damaligen Kurdirektor Karl-Christian Schnoor gezeigt.“ Der hatte die Idee, dass Nehring seine Bilder bei einem kleinen Vortrag vorstellt. „Zuerst habe ich mich noch schwergetan mit dem freien Sprechen, aber dann habe ich mich im Laufe der Zeit daran gewöhnt“, sagt der Heiligenhafen-Experte. Etwa fünf Jahre später sei er auf die Idee gekommen, zusätzlich zu den Vorträgen auch noch Stadtführungen und Radtouren anzubieten. „Die 70er-Jahre waren die ereignisreichste Zeit“, erinnert er sich.

Viele seiner Fotos dokumentieren Heiligenhafens Geschichte

Besonders Nehrings Vorliebe für die Fotografie ist mitunter ein Grund, weshalb er bis heute von vielen Vereinen eingeladen wird, um Vorträge über die damalige Zeit zu halten. „Ich hatte zuerst eine ganz einfache Knips-Kamera, wie die meisten Leute. Dann habe ich mir eine Yashica 35-ME Super gekauft – eine Spiegelreflexkamera“, erzählt Nehring. Durch „Learning by Doing“ und die Hilfe von Bekannten habe sich dann alles von selbst entwickelt. Er sei viel draußen gewesen und habe in dieser Zeit auch seine Liebe zum Sammeln entdeckt. „Es macht mir Spaß, Altes zu bewahren, ich habe über 500 Postkarten von Heiligenhafen“, betont Nehring.

Nachtbummel mit Fischer Stüben

Anfang der 90er-Jahre hatte er die Idee, sich bei einer Nachtwanderung als Fischer Stüben zu verkleiden. „Bei den Postkarten, die ich gesammelt habe, ist mir Fischer Stüben mit seiner Geschichte aufgefallen“, erzählt der heute 75-Jährige, dem es immer schon wichtig war, den Teilnehmern mehr als nur eine sture Führung mit Daten und Zahlen anzubieten. „Ich lasse auch Persönliches einfließen und verbinde es mit der historischen Figur von Fischer Stüben“, sagt Nehring. Die Nachtbummel-Touren sind mittlerweile sehr genau geplant, und Nehring erhält dabei auch Unterstützung von anderen Mitspielern, die sich verkleiden und den Gästen in Heiligenhafens Altstadt dabei eine richtige Show bieten. „Das macht die Touren lebendig und ist besser, als wenn nur eine einzelne Person mit der Gruppe unterwegs ist und erzählt.“ 

Klaus Nehring neben der Statue von Fischer Stüben am Binnensee in Heiligenhafen
Klaus Nehring verkleidet sich bei seinen Stadttouren oft als Heiligenhafens historische Figur Fischer Stüben, der 1864 mit seinem Boot dabei half, die Insel Fehmarn von den Dänen zurückzuerobern. Die Statue wurde 2005 anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums von Heiligenhafen am Binnensee aufgestellt. © Hans-Jörg Meckes

Die Vorträge und Touren seien natürlich auch eine Menge Arbeit, merkt Klaus Nehring an. All das konnte er über all die Jahre nur anbieten, weil es ihm Spaß macht und seine Leidenschaft ist. Auch die Verkleidung als Fischer Stüben ist laut Nehring nicht so einfach, wie man es sich auf den ersten Blick vorstellt: „Das ist ganz schön anstrengend, dieses alte historische Ölzeug zu tragen. Im Winter ist es unwahrscheinlich kalt, im Sommer schwitzt man ungemein darin.“ In der Hauptsaison gebe er für die Vorträge und Touren viel von seiner Freizeit auf, aber „ich kann das ausblenden“, sagt er. Im Vordergrund steht für Nehring immer der Spaß, den er bis heute dabei hat.

Für die Radtouren muss man fit sein

Ein größeres Risiko wird mit zunehmendem Alter die Gesundheit. Mittlerweile hat sich Nehring ein Elektrofahrrad besorgt, mit dem er die Radtouren leichter bewältigen kann. Früher habe er alle Strecken mit einem normalen Fahrrad bewältigen müssen – ob unter der heißen Sonne zwischen den Feldern oder bei mächtigem Gegenwind auf der Fehmarnsundbrücke. „Da muss man unwahrscheinlich diszipliniert und fit sein, aber wenn ich etwas mache, dann bin ich sehr beständig und leidenschaftlich dabei“, unterstreicht der 75-Jährige, der früher 33 Jahre lang im Innendienst bei der Post gearbeitet hat. Er habe auch schon selbst längere Ausfallzeiten gehabt, aber „bisher hatte ich immer Glück, dass das im Winter war“, merkt Nehring mit einem Grinsen an. Zur Hauptsaison sei er bisher immer fit und gesund gewesen und hofft, dass das auch weiter so bleibt. Bei den Radtouren erhalte er Unterstützung, und im Vordergrund stehe auch hier die Geselligkeit, sagt er.

Eine weitere Tour liegt ihm ebenfalls sehr am Herzen: „Bei den Wanderungen zur Steilküste erzähle ich alles vom Ferienpark, den Knicks, den Galloways und wie die Küste entstanden ist.“

In all den Jahren gehen Nehring und dem Tourismus-Service nicht die Ideen aus. Für die nächste Saison hat er mit Heiligenhafens Tourismusleiter Eike Doyen eine Stadttour für Einheimische unter dem Motto „Entdecke deine Stadt“ geplant. Dabei gehe es mehr darum, Routen zu laufen, die nicht zu den Klassikern von Heiligenhafen zählen, erklärt Nehring. Nichtsdestotrotz können natürlich nach wie vor auch Touristen an dieser neuen Tour teilnehmen.

Nehring habe sich für seine Touren nie etwas anlernen müssen, denn er verbindet alle Informationen auch immer mit seiner eigenen Zeit. „Mein Vater hat damals in der alten Kaserne gearbeitet, ich bin in der Nachkriegszeit hier groß geworden.“ Für die Heiligenhafener und die Touristen bleibt zu hoffen, dass ihnen diese Schatzkiste noch lange erhalten bleibt.

Auch interessant

Kommentare