Eichholzniederung: Verhärtete Fronten zwischen „Pro Steinwarder“ und Fachdienst Naturschutz

„Ein unglaublicher Skandal“

Diesen Durchbruch im Strandwall westlich des Ferienzentrums, der beim Hochwasser 1995 entstand, möchte der Verein „Pro Steinwarder“ schließen. Der Fachdienst Naturschutz des Kreises untersagt bisher aber jegliche Maßnahme.

HEILIGENHAFEN (pl) • Der Frust sitzt tief bei den Mitgliedern von „Pro Steinwarder“. Bekanntlich setzt sich der Verein für den Hochwasserschutz Heiligenhafens ein. Seine größte Sorge gilt dem Durchbruch in dem Strandwall Höhe Eichholzniederung.

Seit Jahren versucht die Initiative, die Düne, die durch das Hochwasser im November 1995 durchbrochen wurde, wiederherzustellen. Bislang ohne Erfolg. Der Fachdienst Naturschutz des Kreises untersagt jegliche Maßnahme in dem Gebiet. „Pro Steinwarder“ will jetzt einen Rechtsanwalt hinzuziehen.

Auf der Jahreshauptversammlung am Sonnabend verdeutlichten 1. Vorsitzender Winfried Donder und sein Stellvertreter Harry Mielke noch einmal ihre Sicht der Dinge: Der Durchbruch der natürlichen Düne westlich des Ferienzentrums habe zur Folge, dass schon bei geringen Hochwasserständen der Ostsee die Eichholzniederung und somit auch der Binnensee mit Wasser volllaufe. „Und zwar neunmal schneller als durch die Dammbrücke“, so Donder. Schon bei einem Wasserstand von 1,35 Metern über NN werde die Zufahrtstraße zum Steinwarder überflutet. Zum Vergleich: Das Hochwasser 1995 stand 1,80 Meter über NN. „Wir reden hier also nicht über ein Jahrhunderthochwasser, sondern über die regelmäßig auftretenden erhöhten Wasserstände der Ostsee, die in der jetzigen Situation eine Gefahr darstellen“, so der 1. Vorsitzende.

Mit Disziplinarverfahren gedroht

Bereits im März dieses Jahres hatte „Pro Steinwarder“ vorgeschlagen, auf eigene Kos-ten den südlich der Durchbruchstelle abgelagerten Sand mit Hilfe eines Radladers zusammenzuschieben und somit den alten Strandwall wiederherzustellen. Die Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB) signalisierten ihr Einverständnis. Doch der Fachdienst Naturschutz bekam von dem geplanten Vorhaben Wind und drohte einem HVB-Mitarbeiter ein Disziplinarverfahren an, sollte man tätig werden.

Die Fronten scheinen verhärtet. Das Land hat jede Zuständigkeit von sich gewiesen, hier tätig zu werden sei Aufgabe der Stadt Heiligenhafen. Der wiederrum sind ohne Genehmigung des Kreises, also des Fachdienstes Naturschutz, die Hände gebunden.

Mielke wandte sich also an den Fachdienst und forderte die Schließung der Düne. Er berief sich dabei auf § 15 des Landesnaturschutzgesetzes, wonach Küstendünen und Strandwälle besonders geschützte Biotope sind: „Alle Handlungen, die zu einer Beseitigung, Beschädigung, sonst erheblichen Beeinträchtigung oder zu einer Veränderung des charakteristischen Zustandes der geschützten Biotope führen können, sind verboten.“ Die Beschädigung durch das Hochwasser 1995 werde durch das Schließen der Düne beseitigt und so der charakteristische Zustand des Biotops wiederhergestellt, argumentierte Mielke in seinem Schreiben. Er bezog sich außerdem auf einen Zusatz des Paragraphen, wonach Ausnahmen der genannten Verbote zugelassen werden können, sollte das aus Gründen des Allgemeinwohls erforderlich sein. So einen Grund sieht „Pro Steinwarder“ im Hochwasserschutz der Heiligenhafener Bürger.

Fachdienst Naturschutz weist Argumente zurück

Der Fachdienst Naturschutz wies den Antrag Mielkes zurück und bezog sich bei der Begründung auf den gleichen Paragraphen. Demnach sei der Durchbruch selbst – da auf natürliche Weise entstanden – ein Charakteristikum des Strandwalls und somit zu schützen. Auch das Argument des Hochwasserschutzes als Allgemeinwohlbelang wies die Behörde zurück. Die Hochwassergefährdung auf dem Steinwarder sei im B-Plan Nummer 12 der Stadt beschrieben und somit ausreichend berücksichtigt. So seien beispielsweise die Erdge-schossfußbödenhöhen auf 3,50 Meter über NN festgeschrieben, so der Fachdienst Naturschutz.

„Über die Hälfte der Gebäude auf dem Steinwarder wurde errichtet, bevor es diesen B-Plan-Eintrag gab. Seit elf Jahren weisen wir auf die Gefahr hin, doch bis heute ist nichts passiert. Das ist ein unglaublicher Skandal“, so Donder. Der Verein will nun einen Rechtsanwalt hinzuziehen. Schließlich sei die Gemeinde gesetzlich verpflichtet, „vorbeugen- de Maßnahmen unterhalb der Katastrophenschwelle“ durchzuführen. Dem komme die Stadt nicht nach. „Wir wollen keine Prozesse Führen, aber den Stein jetzt auf anderer Ebene ins Rollen bringen“, so Donder.

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