Endlich wieder Bruterfolge im Naturschutzgebiet / Neuer Zaun entfaltet seine Wirkung

265 Sturmmöwen flügge

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Dank jüngster Bruterfolge hat die Zahl der Sturmmöwen wieder spürbar zugenommen.

Heiligenhafen -ft- Die neu installierten Zäune zeigen erste Wirkung. So haben sich in der Sturmmöwenkolonie im Naturschutzgebiet Graswarder mit rund 265 flüggen Sturmmöwen erste Bruterfolge eingestellt. „Flächenoptimierungen mit Zäunen sind letztlich immer nur zweite Wahl, denn an erster Stelle steht naturgemäß die großflächige Optimierung der Landschaft an sich“, so der Referent des Naturschutzgebietes (NSG) Graswarder, Klaus Dürkop. Wenn das nicht kurzfristig erreichbar sei, könnten Maßnahmen wie der Bau von Zäunen aber eine berechtigte Alternative sein.

Für die rückläufige Entwicklung in der Vergangenheit waren Prädatoren – vor allem Füchse und Marder – verantwortlich, sie konnten ungehindert in das Naturschutzgebiet einwandern. So nahm ab 1996 der Bestand an Küstenvögeln explizit ab, nachdem insbesondere Füchse den Graswarder als bevorzugte Nahrungsbasis erkannt hatten. Dem versuchte der Nabu in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises durch mobile E-Zäune entgegenzuwirken; anfangs mit recht gutem Erfolg. Dann aber hatten auch Marderhunde und neuerdings auch Waschbären erkannt, dass 1,10 Meter hohe E-Geflechte keine wirkliche Hürde sind. Zusätzlich durchgeführte gelegentliche jagdliche Eingriffe verfehlten darüber hinaus ihre nachhaltige Wirkung, da sie nicht systematisch genug durchgeführt werden konnten.

Klaus Dürkop: „Dieser Entwicklung war entgegenzutreten, nachdem Nachwuchs in den letzten Jahren nahezu vollständig bei allen Küstenvögeln ausgeblieben war. Lediglich eine Sturmmöwenkolonie überlebte und hatte 2019 noch einen Bestand von rund 260 markierten Gelegen gegenüber 650 Paaren 2009. Außer diesen zogen nur noch sechs Grauganspaare im Frühjahr 2019 ihre Gössel auf dem Graswarder auf. Alle anderen Vogelarten hatten keinen Bruterfolg.“

Als letztmögliche Maßnahme gegen den Zusammenbruch der übrigen Brutbestände bot sich den Verantwortlichen nur noch eine partielle Umzäunung des Naturschutzgebietes mit einem 1,60 Meter hohen Stabgitterzaun mit Sechseckgeflecht im unteren Bereich an. Darüber hinaus wurde vereinbart, die Maßnahme von einem Jäger begleiten zu lassen. Wie sich schon jetzt zeigt, eine wichtige und essentielle Ergänzung zu den Zäunen.

Wie Klaus Dürkop berichtet, wurde der Bau des geplanten Zaun 2016 beim Umweltministerium vom Nabu beantragt und 2019 im Rahmen der ersten Phase mit der Einzäunung des Areals der sogenannten Sturmmöwenkolonie abgeschlossen. Beide Maßnahmen werden mit EU-Mitteln finanziert und im Auftrag des Kreises Ostholstein durchgeführt. Die Umsetzung des Projektes scheiterte zunächst jedoch am Veto der Stadt Heiligenhafen. Im November 2017 erging dann doch der Beschluss der Stadtvertretung, den Zaun in geänderter Linienführung zu genehmigen. „So werden immerhin die Hälfte des Graswarders und die Sturmmöwenkolonie geschützt und hoffentlich auf lange Sicht eine positive Entwicklung der Küstenvögel damit eingeleitet“, sagte Klaus Dürkop. Im April 2019 war die etwa einen Hektar große Fläche für die Sturmmöwenkolonie dann mit einem 1,25 Meter hohen Stabgitterzaun umgeben und verhinderte zumindest schon einmal das Eindringen von Füchsen. Eine genaue Gelegezählung am 10. und 11. Juni 2019 ergab die Anzahl von 243 Sturmmöwengelegen, ein Paar Schnatterenten und ein Paar des Austernfischers.

Erst Ende Juni 2019 konnte der Stabgitterzaun dann mit schräg nach außen abgewinkelten Abweisergittern versehen und damit eine Gesamthöhe von 1,60 Metern erzielt werden. Der Stabgitterzaun hielt jetzt den Angriffen der Prädatoren stand. Rund um das Naturzentrum bieten die Sturmmöwen atemberaubende Flugshows an. Für die Besucher am Naturzentrum und auf dem Graswarderweg immer wieder ein besonderes Schauspiel. Und wer noch ein wenig Zeit mitbringt, kann abends gegen 18 Uhr sogar den Seeadler bei der Jagd nach flüggen Sturmmöwen beobachten – ein Schauspiel der besonderen Art. Für Klaus Dürkop und die Nabu-Mitglieder bleibt die Hoffnung, dass sich nach Abschluss der zweiten Bauphase mit dem nächsten Zaunabschnitt östlich des Beobachtungsturms ähnlich positive Ergebnisse für die gesamte Küstenvogelwelt des Graswarders einstellen. Denn, so NSG-Referent Klaus Dürkop abschließend: „Ziel ist es, dass das Vogelparadies Graswarder erhalten bleibt.“

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