Zurückstufung der Geburtenstation in der Sana Klinik in Eutin ruft Hauptausschuss auf den Plan, der umfassende Aufklärung fordert

Entsetzen über Einschränkungen

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Die Sana Klinik in Eutin will die Geburtenstation auf das Level III zurückstufen.

OSTHOLSTEIN -mb- Burkhard Klinke, Chef der SPD-Kreistagsfraktion, ist entsetzt über das Vorgehen der Sana Kliniken Ostholstein, die Geburtenstation in der Eutiner Klinik auf das sogenannte Level III zurückzustufen, sodass Schwangere nur noch ab der 32. Schwangerschaftswoche betreut werden können. Beim Level II waren noch eine Versorgung ab der 29. Schwangerschaftswoche gewährleistet und Geburten mit einem erwarteten Gewicht ab 1250 Gramm möglich. Jetzt liegt die Grenze bei 1500 Gramm. Das Level II wird deshalb nur noch in Lübeck und Kiel vorgehalten.

„Frauen aus dem Nordkreis, wie von der Insel Fehmarn, müssen danach über 100 Kilometer fahren und sind weit über 90 Minuten mit dem Auto unterwegs“, moniert Klinke. Dabei habe die Sana Klinik nach der Schließung der Geburtshilfe in Oldenburg vor zwei Jahren und der konzeptionellen Neuausrichtung damit geworben, dass die Geburtshilfe im Mutter-Kind-Zentrum mit 24-Stunden-Bereitschaft und Perinatalzentrum II in Eutin gebündelt werde, blickt der SPD-Fraktionsvorsitzende zurück.

Ebenfalls empört zeigte sich Martin Kienitz von der ufoh-Fraktion im ostholsteinischen Kreistag und begrenzte seine Kritik nicht nur auf die private Krankenhausgruppe: „Die Herabstufung der Geburtenstation Eutin ist nur ein weiteres Paradebeispiel dafür, wie dilettantisch die Privatisierung der Ostholstein-Kliniken verlaufen ist – Gewinne privatisieren, Lasten sozialisieren.“ Landrat Rainer Sager (CDU) vertrete den Kreis als Minderheitsgesellschafter im Aufsichtsrat der Sana Klinik, so Kienitz, der den Aufschrei des Landrates bei der Schließung in Oldenburg vermisst hätte. „Wo ist sein Aufschrei bei der Herabstufung von Eutin?“ Auch die SPD lässt der ufoh-Abgeordnete bei seinem Rundumschlag nicht außen vor: „Es ist insoweit klar zu stellen, dass auch die SPD-Fraktion, trotz zahlreicher Ini- tiativen von uns, immer wieder weggehört hat. Damit ist die jetzige Empörung mehr als scheinheilig.“ Kienitz verweist auf die Verträge mit den Sana Kliniken, die explizit auf die Beibehaltung der bisherigen Versorgung verweisen würden und in denen, laut des Abgeordneten, auch ein Verbot künftiger Leistungseinschränkungen verankert sei.

Bei einem Gespräch vor einigen Wochen mit der Sana-Geschäftsführung und der Politik im Kreis Ostholstein sei über die Abstufung auf Level III kein Wort gefallen, kritisiert Klinke. Die SPD-Fraktion hält eine politische Diskussion in den Kreistagsgremien für erforderlich und will das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Hauptausschusssitzung am 1. November bringen.

„Weder die nicht auskömmliche Vergütung für die Geburtshilfe noch der Hinweis auf die durch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe formulierten Mindestanforderungen an geburtshilfliche Abteilungen rechtfertigen die aktuellen Pläne der Sana Klinik am Standort Eutin“, kritisierte der FDP-Fraktionsvorsitzende Manfred Breiter.

Entsprechend äußerst sich auch Timo Gaarz (CDU), Vorsitzender des Hauptausschusses, der die Entscheidung am Standort Eutin für äußerst befremdlich hält. Die Art und Weise der Information und Kommunikation im Vorfeld sei aus seiner Sicht völlig inakzeptabel, zumal die Geschäftsführung zu ihrer turnusmäßigen Berichterstattung im Hauptausschuss am 22. September keinen Hinweis zur Verschlechterung der geburtshilflichen Versorgung gegeben hätte.

„Ich habe daher die beiden Geschäftsführer gebeten, die aktuelle Entwicklung hinsichtlich der Geburtshilfe im Kreis Ostholstein den Mitgliedern des Hauptausschusses bereits in der kommenden Sitzung am 1. November zu erläutern. Die Mitglieder erwarten kurzfristig umfassende Aufklärung.

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